Wir Sklaven der Technik

Wie viel Papier es braucht, um das Internet auszudrucken

Der Papiervorrat für den Internetausdruck: Die University of Leicester hat gerechnet.

Bleibt noch die Frage zu klären, wie viele Tintenpatronen zum Ausdrucken des Internets verbraucht werden.

Bleibt noch die Frage zu klären, wie viele Tintenpatronen zum Ausdrucken des Internets verbraucht werden. Bild: innovate360/Flickr.com

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Ende der 1990er-Jahre durchlief die deutsche Sprache eine Phase erstaunlicher Wortschöpfungskraft. Auslöser war, so geht die Legende, Harald Schmidt. Der TV-Talker hatte während der Fussball-WM 1998 Lothar Matthäus und Jürgen Klinsmann mit der Bezeichnung «Warmduscher» bedacht, worauf herabwürdigende Wortschöpfungen wie Pilze aus dem Boden schossen. Fantasievolle Beleidigungen wie Vorwärtseinparker, Frauenversteher oder Filterraucher begannen die althergebrachten Schimpfworte zu konkurrenzieren.

Auch die Informatiker konnten sich standesgemäss und trendbewusst mit Injurien wie E-Mail-Archivierer oder Disketten-Einfetter bedenken. Die grösste und heute noch gebräuchliche Beleidigung in dieser Tradition ist natürlich der Internetausdrucker. Er bezeichnet Leute mit geringer Technikaffinität und wird gerne auch auf Politiker gemünzt, die sich in der digitalen Sphäre gesetzgeberisch betätigen, obwohl sie es an Technikverständnis mangeln lassen.

Zwei Wissenschaftler der englischen Universität Leicester haben sich nun überlegt, wie viel Papier notwendig wäre, um das Internet tatsächlich auszudrucken.

George Harwood und Evangeline Walker klären in ihrem Paper zuerst die Annahme, wie viel Blatt Papier pro Webseite nötig ist. Dazu setzen sie bei Wikipedia an, wo pro Seite 15 Blatt Papier angenommen wird. Das ergibt für die ganze englischsprachige Wikipedia mit ihren 4,7 Millionen Seiten allein 70 Millionen Blatt Papier.

Die Grösse des ganzen Internets wird gemäss der Site worldwidewebsize.com mit mindestens 4,69 Milliarden Seiten veranschlagt, was 136 Milliarden Blatt Papier ergäbe. Keine Berücksichtigung finden Internetdienste abseits des World Wide Web (zum Beispiel E-Mail), nicht druckbare Inhalte wie Video und das Deep Web. Das sind diejenigen Internetinhalte, die hinter Log-in-Masken stecken und nicht öffentlich zugänglich sind. Es wird angenommen, dass dieses um ein Vielfaches grösser ist als das allgemein zugängliche Netz.

Im Weiteren überlegen sich die Forscher auch, wie viele Bäume zur Herstellung der Papiermenge notwendig wären, und kommen zu einem erstaunlichen Schluss: Es wären immerhin 8 Millionen Bäume notwendig, was einer Fläche von 113 Quadratkilometern Regenwald entspricht. Aber: «Mit einem Total von 5,5 Millionen Quadratkilometern macht die benötigte Waldfläche von 113 Quadratkilometern lediglich 0,002 Prozent des Regenwalds aus – eine winzige Menge, um das ganze Internet auszudrucken.»

Es werden allerdings nicht nur Umweltschützer darauf hinweisen, dass das Internet nicht bloss einmal ausgedruckt werden müsste, sondern für eine vollständige Dokumentation einmal pro Internetnutzer oder aber wenigstens einmal pro Haushalt – und dafür reicht der Regenwald noch nicht einmal ansatzweise. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 28.04.2015, 15:25 Uhr

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