«Wir sammeln keinerlei neue Informationen»

Exklusiv: Googles oberste Datenschutzbeauftragte Alma Whitten schreibt in einem Gastbeitrag für Tagesanzeiger.ch/Newsnet, warum der Suchmaschinenriese seine Privatsphärenpolitik ändert.

«Durch die Vereinfachung unserer Regeln sammeln wir keinerlei neue Informationen»: Alma Whitten ist Director Privacy, Product & Engineering bei Google und damit die oberste Datenschutzverantwortliche beim Suchmaschinenkonzern.

«Durch die Vereinfachung unserer Regeln sammeln wir keinerlei neue Informationen»: Alma Whitten ist Director Privacy, Product & Engineering bei Google und damit die oberste Datenschutzverantwortliche beim Suchmaschinenkonzern. Bild: Reuters

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Seit ich im Jahr 2009 zu Google gekommen bin, beschäftige ich mich mit den Themen Datenschutz, Privatsphäre und Sicherheit. Angesichts der stetig steigenden Zahl von Anwendungen und Nutzern ist mit den Jahren auch unser Bewusstsein gewachsen, dass wir das Vertrauen der Menschen gewinnen und bewahren müssen. Deshalb haben wir Instrumente entwickelt, mit denen die Nutzer stets die Kontrolle über ihre Informationen behalten. Zusätzlich haben wir alles getan, um unser Bekenntnis zum Schutz der Privatsphäre den Menschen zu erklären und verständlich zu machen.

Im Januar haben wir bekannt gegeben, dass wir unsere Datenschutzbestimmungen aktualisieren werden. Diese Umstellung erfolgt am 1. März. Wir wissen, dass die damit verbundenen Änderungen wichtig sind. Deshalb haben wir unsere Nutzer in der grössten Kommunikationsoffensive in Googles Geschichte über unsere Schritte informiert: mit Hinweisen beim Anmelden, bei der Nutzung der Suche sowie mit E-Mails an die Nutzer von Google-Konten. Wenn Sie also Google Mail, Youtube oder einen anderen Google-Dienst verwenden, haben Sie mit Sicherheit von unseren Änderungen erfahren.

Analyse hat zu Missverständnissen geführt

Seitdem sind unsere Änderungen vielfach kritisch untersucht worden. Wir begrüssen dies ausdrücklich, denn der Schutz der Privatsphäre ist wichtig. Daneben hat die Analyse aber auch zu einigen Missverständnissen geführt. Lassen Sie mich eines klarstellen: unsere Änderungen dienen dazu, unsere Produkte besser und unsere Massnahmen zum Schutz der Privatsphäre verständlicher zu machen.

Erstens geht es uns um Einfachheit. Google ist 1998 als Suchmaschine gestartet. Seitdem haben wir eine grosse Bandbreite an neuen Diensten hinzugefügt: Google Mail, Google Maps, unseren Internetbrowser Chrome, Google Docs, Android und Google+, um nur einige zu nennen. Dabei haben wir mit jedem neuen Produkt auch eine neue Datenschutzbestimmung hinzugefügt. Dasselbe passierte, wenn wir neue Dienste zukauften – und damit auch deren bestehende Datenschutzbestimmungen.

So entstand ein Geflecht aus Regeln, das zu lesen wohl eines eintägigen Kraftaktes bedurft hätte. Aus diesem Grund haben wir 2010 einen ersten Schritt zur Vereinfachung unternommen, indem wir ein Dutzend dienstspezifische Erklärungen in unseren grundsätzlichen Datenschutzbestimmungen zusammengeführt haben. Es blieben aber immer noch mehr als 70 spezifische Regelwerke übrig. Am 24. Januar 2012 haben wir nun bekannt gegeben, dass wir unsere allgemeine Google-Datenschutzerklärung überarbeitet und darin mehr als 60 produktspezifische Bestimmungen integriert haben. Ab heute haben Sie damit eine kompakte Quelle, die die Datenschutzregeln für die allermeisten Google-Dienste an einem Ort bündelt.

Reibungslos und zeitsparend

Zum Zweiten möchten wir unseren Nutzern bessere Anwendungen bieten. Für angemeldete Nutzer war es uns schon vor der aktuellen Änderung weitgehend möglich, Informationen aus verschiedenen Google Diensten zusammenzuführen. Dies ist gängige Praxis auch bei Microsoft, Yahoo und anderen Onlineunternehmen. Wenn Sie bei Google mit einem Konto angemeldet sind, können wir Sie deshalb als ein und denselben Nutzer behandeln, egal, welchen unserer Dienste Sie gerade nutzen.

Das gibt Ihnen zum Beispiel die Möglichkeit, einen Termin direkt zu Ihrem Google Kalender hinzuzufügen, wenn eine Nachricht in Ihrem Google Mail Konto danach aussieht, als handele es sich um ein Meeting. Mit Hilfe der «Teilen»-Funktion können Sie auf Google+ Ihren «Kreisen» (Freunden) Wegbeschreibungen senden, ohne dabei Google Maps zu verlassen. Oder Sie können Ihr Google Mail-Adressbuch verwenden, um eine E-Mail-Adresse automatisch zu vervollständigen, wenn Sie den Empfänger zur Zusammenarbeit an einem Google-Dokument in Google Docs einladen möchten. Dies alles passiert reibungslos und spart Ihnen Zeit.

Allerdings haben unsere bisherigen Datenschutzbestimmungen die Verknüpfung von Informationen vor allem bei zwei Diensten verhindert: Webprotokoll (Suchverlauf für angemeldete Nutzer) und Youtube, unsere Online-Videoplattform, die wir 2006 übernommen haben. Dies hatte zum Beispiel zur Folge, dass wir Ihnen keine Videos mit Kochtipps auf Youtube empfehlen konnten, obwohl Sie auf Google.de bereits nach «Kochen» gesucht haben. Und dies obwohl Sie sich mit demselben Google-Konto bei beiden Diensten angemeldet hatten.

Es werden keine neuen Informationen gesammelt

Das Beispiel verdeutlicht: Unsere neue einheitliche Datenschutzerklärung macht unmissverständlich klar, dass wir, sofern Sie angemeldet sind, möglicherweise Informationen aus einem Dienst mit jenen aus anderen Diensten verknüpfen werden. Wir denken, dass wir Ihnen damit relevantere und nützlichere Informationen anbieten können – wie beispielsweise Suchergebnisse, Werbeanzeigen und andere Angebote, die wirklich zu Ihren Interessen passen.

Unser grundsätzliches Bekenntnis zum Datenschutz ändert sich nicht. Durch die Vereinfachung unserer Regeln sammeln wir keinerlei neue Informationen. Wir ändern auch nicht Ihre persönlichen Datenschutz-Einstellungen. Und wir werden Ihre persönlichen Informationen auch weiterhin nicht an Werbetreibende verkaufen. Wir wollen lediglich jene Informationen, die Sie uns schon bisher anvertraut haben, nutzen, um Ihre Nutzererfahrung zu verbessern.

Wenn Sie nicht glauben, dass das Teilen von Informationen zu besseren Ergebnissen führt, müssen Sie sich auch weiterhin nicht bei Diensten wie der Suche, Google Maps oder Youtube anmelden. Wenn Sie dagegen angemeldet sind, können Sie unsere zahlreichen Datenschutzfunktionen nutzen: Ihre Such- oder Youtube-Historie editieren oder löschen, die Art und Weise, wie Google Werbung an Ihre Interessen anpasst, kontrollieren, im «Inkognito»-Modus unseres Browsers Chrome durchs Internet surfen oder Ihre Daten sogar auf verschiedene Konten verteilen. Kurz gesagt: Sie können die ganze Palette an Google Diensten nutzen, die Ihnen Transparenz und Kontrolle über Ihre Daten geben.

Dienste sollen noch besser werden

Wie bisher fühlen wir uns dem Schutz der Privatsphäre auch in Zukunft verpflichtet. Dabei werden wir auch weiterhin nach Wegen suchen, um Ihnen die Kontrolle Ihrer Daten so einfach wie möglich zu machen. In der vergangenen Woche haben wir im Weissen Haus in Washington, gemeinsam mit anderen Industrievertretern, die «Do Not Track»-Initiative unterstützt. Diese soll dem Nutzer Wahlmöglichkeiten bieten und die Kontrollfunktionen seines Browsers verständlich erklären. Transparenz, Kontrolle und Sicherheit sind unerlässlich, um auch weiterhin Ihr Vertrauen zu geniessen. Wir haben Google für Sie entwickelt. Wir sind fest davon überzeugt, dass die aktuellen Änderungen unsere Dienste noch besser machen.

Erstellt: 01.03.2012, 09:57 Uhr

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Googles neue Datenschutz-Richtlinie führt alle Informationen aus Diensten wie Youtube, Picasa und Google Mail zusammen. Befürworten Sie diese Neuerung?

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Ein erster Gastbeitrag

Am Donnerstag, 1. März, ändert Google seine Datenschutzbestimmungen.

Für die kostenlosen Onlinedienste wie etwa den Fotodienst Picasa, den Kartendienst Google-Maps, das soziale Netzwerk G+ oder auch Youtube sollen künftig dieselben Datenschutzbestimmungen gelten.

Diese waren bislang getrennt und unterschiedlich – rund 60 verschiedene Datenschutzbestimmungen werden zusammengefasst. Gleichzeitig sollen die Nutzer künftig nur noch ein Konto über alle Dienste hinweg besitzen.

Wie sinnvoll ist das? Was bezweckt Google damit? Antworten darauf liefert Googles oberste Privacy-Verantwortliche, Alma Whitten, schweizweit exklusiv für Tagesanzeiger.ch/Newsnet.

Eine Replik zu diesem Gastbeitrag wird Hanspeter Thür liefern, der oberste Schweizer Datenschutzbeauftragte (Beitrag folgt).

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So lässt sich die Privatsphäre schützen

Die oberste Regel im Umgang mit Datensammlern lautet: Seien Sie sparsam mit den Informationen, die Sie von sich preisgeben. Egal ob Kontaktinformationen, Bilder oder Hobbys – denken Sie immer daran, dass sich Daten nur schwierig aus dem Internet entfernen lassen.

Sei es auf Facebook, Google+ oder anderen Diensten: Schaffen Sie sich einen Überblick über die Privatsphäre-Optionen. Wollen Sie etwa verhindern, dass Ihr Facebook-Profil bei einer Google-Suche gefunden werden kann, können Sie das bei Facebook in den Optionen unter der Privatsphäre-Rubrik «Anwendungen und Webseiten» ausschalten. Unter «Funktionsweise von Markierungen» lässt sich zudem die automatische Gesichtserkennung deaktivieren.

Möchten Sie verhindern, dass ein einzelner Internetkonzern zu viele Daten über Sie sammelt, informieren Sie sich über Alternativen. Die Gefahr des Missbrauchs sinkt, wenn sich Ihre Nutzerdaten auf mehrere Unternehmen aufteilen. Statt neben Google+ und G-Mail auch noch die personifizierte Google-Suche zu verwenden, nutzen Sie zum Beispiel Scroogle, Bing oder DuckDuckGo. (cze)

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