Wo die Supermacht kapituliert

«Wir werden nicht siegen»: Laut dem obersten Verantwortlichen für Computersicherheit beim FBI haben die USA im Kampf gegen Hacker keine Chance.

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5. Juli 2001: Zwei Monate vor dem schlimmsten Terrorangriff der Geschichte warnte Richard Clarke: «Hier wird etwas wirklich Spektakuläres passieren, und es wird sehr bald geschehen.» Zwei Jahre nach 9/11 quittierte Clarke den Dienst und wurde Schriftsteller und Berater.

Sein autobiografischer Triller «Against All Enemies» – ein Insiderbericht über den US-Krieg gegen den Islamismus – verkaufte sich in den ersten drei Tagen eine halbe Million Mal und auch der Thriller «The Scorpion’s Gate» eroberte die Bestsellerlisten (Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtete).

Nur wenige Politstrategen in den USA wirken darum glaubwürdiger als der 62-jährige Terrorexperte, der in seiner Karriere für vier Präsidenten gearbeitet hat. Kein Wunder, sorgen die jüngsten Äusserungen Clarkes für Aufsehen: In einem Interview mit dem Magazin «Smithsonian» berichtet der Terrorexperte, dass jede grössere US-Firma von China online angegriffen wurde.

«Immer unterhalb der Schmerzgrenze»

«Meine grösste Sorge», so Clarke, «ist weniger ein Cyber-Pearl-Harbour als ein Tod durch tausend Nadelstiche.» Falls China die US-Forschung und -Entwicklung stehle, verliere das Land seine Wettbewerbsfähigkeit. Das Problem dabei sei, dass die Öffentlichkeit nie einen Hacker-Gau erlebe, welcher die Politik zum Handeln zwinge: «Die Attacken bleiben immer unterhalb der Schmerzgrenze» («just below our pain threshold»). Ein Unternehmen nach dem andern investiere Hunderte Millionen, zum Teil Milliarden Dollar in die Forschung «und diese Information wandert dann gratis nach China».

Einem Bericht des «Wall Street Journal» zufolge hat Washington vor dem Cyberterrorismus bereits kapituliert. Das Blatt zitiert Shawn Henry, Chef der Abteilung Computersicherheit beim FBI, mit den Worten: «We're not winning» – «wir werden nicht gewinnen». Das Ziel, Hacker in ihrem Kampf gegen die amerikanische Regierung und US-Unternehmen zu bekämpfen, könne nicht mehr aufrechterhalten werden. «Ich sehe nicht, wie wir aus diesem Dilemma herauskommen, wenn wir unsere Techniken nicht verbessern oder unser Denken ändern. So wie wir es derzeit handhaben, werden wir den Hackern nie einen Schritt voraus sein können.»

Ahnungslose Firmenexperten

Laut Henry häufen sich die Fälle von Datendiebstählen bei US-Firmen, deren Experten keine Ahnung hätten, wie Unbekannte in die Firmennetzwerke gelangt seien. Und wenn man den Hackern auf die Schliche gekommen sei, müsse man leider immer wieder feststellen, dass diese über mehrere Wochen oder Monate hinweg Daten abgesaugt hätten. (rek)

Erstellt: 29.03.2012, 18:26 Uhr

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