Airbnb verschärft Schweizer Hotelkrise

Bereits ein Viertel der Gästebetten wird über die Intenetplattform angeboten.

Auf immer mehr Smartphones anzutreffen: die Airbnb-App.

Auf immer mehr Smartphones anzutreffen: die Airbnb-App. Bild: Keystone

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Zu zweit in Zürich ein schönes Hotelzimmer für 110 Franken zu finden, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Anders sieht es auf der Online-Sharing-Plattform Airbnb aus. Dort gibt es für diesen Preis sogar eine Zweizimmerwohnung mitten im Kreis drei, inklusive Wi?Fi, Waschmaschine und Kochmöglichkeit. Gastgeberin Monika hat bereits 54 begeisterte 5-Sterne-Reviews für ihre Wohnung gesammelt. Sie vermietet sie meist an Wochenenden, weil sie die selber in der Romandie verbringt.

Und Monika ist nicht allein. Auch in anderen Schweizer Städten gibt es ähnliche Angebote. Airbnb wächst hierzulande rasant. Im Moment gibt es rund 20 000 Inserate für Unterkünfte in der Schweiz auf der Plattform. Private vermieten Wohnungen oder einzelne Zimmer für Tage oder Wochen. Das im April erschienene Immo-Monitoring von Wüest & Partner berechnet, dass Airbnb schon im Jahr 2015 fast ein Viertel der in der Schweiz zur Verfügung stehenden Gästebetten stellte. Und seither ist die Plattform von 15'500 auf 20'000 Inserate gewachsen. Wenig begeistert von dieser Entwicklung ist die Hotellerie.

«Vor allem in den Städten ist Airbnb eine direkte Konkurrenz für die Hotels», sagt Thomas Allemann, Mitglied der Geschäftsleitung des Branchenverbandes Hotelleriesuisse. Die Hotels müssten damit rechnen, dass die Nachfrage gerade auch bei den Geschäftskunden zurückginge. Nicht einverstanden mit dieser Einschätzung ist man bei Airbnb. «Wir verstehen uns als Ergänzung», sagt Airbnb-Sprecher Julian Trautwein. Es seien vor allem Kunden aus Übersee, darunter viele Familien, die sich die Reise nur mit den Airbnb-Angeboten leisten könnten, so Trautwein.

In den USA ist der Datenschutz sehr viel lascher

Als ungerecht empfindet es die Hotelbranche, dass es für die privaten Airbnb-Vermietungen kaum Vorschriften gibt. Die Hotels hingegen müssen Auflagen beim Brandschutz einhalten, sie müssen die Daten ihrer Gäste erfassen und weitergeben, sie müssen Kurtaxen ­erheben und Steuern zahlen. Hotelleriesuisse setze sich auf politischer Ebene ein, damit es für alle Angebote «gleich lange Spiesse» gäbe, so Allemann. Nach verschiedenen Vorstössen im Parlament ist das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) nun daran, bis Ende Jahr einen Bericht zur Sharing Economy, also zum kollaborativen Konsum auszuarbeiten. Details zu diesem Bericht und mögliche Massnahmen will das Amt noch nicht verraten. Ein Seco-Sprecher sagt jedoch, der Bundesrat sei «generell der Ansicht, dass es gleich lange Spiesse für vergleichbare Angebote» geben solle.

Airbnb-Sprecher Trautwein glaubt jedoch, dass ein privater Vermieter beispielsweise nicht die gleichen Regeln für Fluchtwege einhalten könne, wie dies ein Hotel mit einer grossen Anzahl Gäste leiste. Verhandlungen seien ausserdem beim Thema Kurtaxen im Gang. Hier will Airbnb in naher Zukunft ein Modell ausarbeiten, das es ermöglicht, Kurtaxen für die privaten Gäste zu erheben.

Kritik hat das US-Unternehmen in Sachen Datenschutz bekommen, weil potenzielle Mieter viele Informationen an die Plattform weitergeben müssen. Im Frühjahr 2015 führte Airbnb das Verfied-ID-System ein, bei dem Mieter die Kopie eines offiziellen Ausweises einsenden müssen. Verarbeitet werden diese Daten von einem Drittanbieter. Die Datenschutzbestimmungen sind in den USA, wo Airbnb seinen offiziellen Sitz hat, sehr viel lascher als in den meisten europäischen Staaten. Pflicht ist das noch nicht überall. Aber Vermieter können ihre Präferenzen so einstellen, dass sie ihre Unterkünfte nur an Mieter geben, die verifiziert sind.

15 Prozent der Angebote stammen von Profis

Inzwischen gibt es auch auf Airbnb Anbieter, die ihr Geschäft professionalisieren. Wie viele es sind, darüber findet man unterschiedliche Angaben. Ein vom Walliser Tourismus Observatorium erstellter Bericht kam Ende 2015 zum Schluss, 15 Prozent der Airbnb-Angebote stammten von professionellen Anbietern. Bei Airbnb heisst es, 87 Prozent der Inserate in der Schweiz seien von Gastgebern, die nur ein Objekt zur Vermietung ausschreiben. Wenn sie das allerdings regelmässig tun, kann auch für den privaten Vermieter ein ziemlicher Ertrag herausspringen. Mieter müssen vorsichtig sein. Es gibt klare Regeln für die Untermiete. Anders als in den USA hat das Angebot von Airbnb in Schweizer Städten wie beispielsweise Zürich indes bisher keinen Einfluss auf Mietpreise und Quartierentwicklung.

Erstellt: 28.07.2016, 15:09 Uhr

Monatsmiete durch 30

Als Mieter sollte man einiges beachten, falls man die eigene Wohnung auf Airbnb anbieten möchte: Untermiete ist grundsätzlich erlaubt, aber man muss die Einwilligung des Vermieters einholen. Das ist im Falle von Airbnb komplizierter, da es meist viele kurzzeitige Vermietungen sind. "Für jeden einzelnen Gast eine Zustimmung einzuholen, ist jedoch unrealistisch", sagt Ruedi Spöndlin, Rechtsberater beim Mieterverband. Er empfiehlt, den Vermieter vielmehr, grundsätzlich um eine Erlaubnis für die Airbnb-Vermietung zu bitten. Die kann der Vermieter allerdings verweigern, wenn er triftige Gründe anführt, wie etwa, dass sich die anderen Mieter im Haus gestört fühlen könnten. Zudem darf man als Mieter keinen Profit mit den Untermieten erzielen. Die Monatsmiete müsste also durch 30 geteilt werden, plus einen kleinen Aufschlaf für Möblierung und allfällige Extras wie WLAN, um den Preis für eine Nacht zu ermitteln.

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