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Alle gegen Google

Die Konkurrenz von Google Chrome setzt zum Gegenschlag an: Firefox und Co. versprechen mehr Datenschutz und Surftempo.

Matthias Schüssler
Die Firefox-Community am Mobile World Congress in Barcelona, 2014.
Die Firefox-Community am Mobile World Congress in Barcelona, 2014.
Manu Fernandez, Keystone
Marc Andreessen war Mitbegründer und Technikchef bei Netscape. Das Bild entstand im Oktober 1996, als Netscape der dominierende Webbrowser war und Andreessen die Position seiner Software in den Unternehmen stärken wollte.
Marc Andreessen war Mitbegründer und Technikchef bei Netscape. Das Bild entstand im Oktober 1996, als Netscape der dominierende Webbrowser war und Andreessen die Position seiner Software in den Unternehmen stärken wollte.
Richard Drew, Keystone
Bill Gates, damals Chef von Microsoft, ist im September 1997 höchstpersönlich angetreten, um in San Francisco die Werbetrommel für den Internet Explorer 4.0 zu rühren.
Bill Gates, damals Chef von Microsoft, ist im September 1997 höchstpersönlich angetreten, um in San Francisco die Werbetrommel für den Internet Explorer 4.0 zu rühren.
Clay Mclachlan, Reuters
Blake Ross war einer der treibenden Kräfte hinter Firefox, hier 2004 in seinem Haus in Florida fotografiert. Ross war schon im Alter von 15 Jahren für die Entwicklungsarbeit am Netscape-Browser tätig.
Blake Ross war einer der treibenden Kräfte hinter Firefox, hier 2004 in seinem Haus in Florida fotografiert. Ross war schon im Alter von 15 Jahren für die Entwicklungsarbeit am Netscape-Browser tätig.
David Adame, Keystone
Im November 2004 war Firefox fertig und bereit, dem Internet Explorer einzuheizen.
Im November 2004 war Firefox fertig und bereit, dem Internet Explorer einzuheizen.
Screenshot, Keystone
Am Montag, dem 11. Juni, hielt der damalige Apple-Chef an der World-Wide-Developers-Entwicklerkonferenz in San Francisco eine Präsentation zum Safari-Browser ab. Damals gab es auch noch eine Windows-Version, die 2007 eingestellt wurde.
Am Montag, dem 11. Juni, hielt der damalige Apple-Chef an der World-Wide-Developers-Entwicklerkonferenz in San Francisco eine Präsentation zum Safari-Browser ab. Damals gab es auch noch eine Windows-Version, die 2007 eingestellt wurde.
Paul Sakuma, Keystone
Die beiden Google-Gründer Sergey Brin und Larry Page haben am 2. September 2008 den neuen Browser Chrome höchstpersönlich an einer Medienkonferenz am Hauptsitz vorgestellt.
Die beiden Google-Gründer Sergey Brin und Larry Page haben am 2. September 2008 den neuen Browser Chrome höchstpersönlich an einer Medienkonferenz am Hauptsitz vorgestellt.
Paul Sakuma, Keystone
Håkon Wium Lie ist der Technik-Chef beim ursprünglich norwegischen Browser Opera. Er hat auch die Cascading Style Sheets entwickelt: Das ist der zentrale Standard zur Formatierung und Gestaltung von Websites, der das Aussehen des Internets prägt.
Håkon Wium Lie ist der Technik-Chef beim ursprünglich norwegischen Browser Opera. Er hat auch die Cascading Style Sheets entwickelt: Das ist der zentrale Standard zur Formatierung und Gestaltung von Websites, der das Aussehen des Internets prägt.
Stephan Röhl/Wikimedia (CC BY-SA 2.0)
Die drittletzte Version des Internet Explorers erschien im September 2010, hier vorgestellt vom Browserchef Dean Hachamovitch in San Francisco.
Die drittletzte Version des Internet Explorers erschien im September 2010, hier vorgestellt vom Browserchef Dean Hachamovitch in San Francisco.
Lou Dematteis, Keystone
In Windows 10 wurde der Internet Explorer durch Edge ersetzt. Microsofts neuer Browser ist übersichtlicher und hat innovative Funktionen wie die Reiter-Vorschau.
In Windows 10 wurde der Internet Explorer durch Edge ersetzt. Microsofts neuer Browser ist übersichtlicher und hat innovative Funktionen wie die Reiter-Vorschau.
schü.
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Die Browserkriege sind nichts, was Historiker bewegen würde. Doch in der Geschichtsschreibung des Internets nehmen sie einen grossen Platz ein. Denn es stecken Dynamik und Drama in den Geschehnissen. Es gibt wechselnde Fronten, abgestürzte Dominatoren und ein mögliches Comeback einer alten Grossmacht. Da war Netscape. Dieser alte Haudegen stellte in den Anfängen für viele den Inbegriff des World Wide Web dar. Doch mit einer misslichen Logistik (ausbleibende Updates) überliess er Ende der 1990er-Jahre dem Internet Explorer das Feld fast kampflos.

Doch das Zweckbündnis des Internet Explorers mit seinen Nutzern war nicht von Dauer. Viele Surfer wandten sich ab, als Mitte der Nullerjahre Netscape aus seiner Asche wiederauferstand – erst unter dem passenden Namen Phoenix. Aus Phoenix wurde Firefox, und er vermochte bis 2009 Microsoft ein Drittel der Nutzer abzujagen.

Im gleichen Jahr trat ein Aussenseiter auf den Plan. Google als neue Supermacht versprach: keine Sperenzchen, sondern Tempo und ein unkompliziertes Surferlebnis. Chrome setzte vom Fleck weg zu einem bis heute andauernden Siegeszug an. Er hat heute 60 Prozent Marktanteil. Alle anderen mussten zurückstecken, und Microsoft hat den Internet Explorer 2015 in den Veteranenstand versetzt. Der Nachfolger Edge hat bisher keine Meriten eingeheimst.

Kein Ruckeln, kein Brimborium

Diese Woche setzt Firefox zum Comeback an – bereits zum zweiten Mal nach der Phoenix-Ära: Unter dem Namen Quantum erscheint heute eine von Altlasten befreite neue Version des Browsers. Sie hat das erklärte Ziel, Nutzer von Chrome zurückzugewinnen: Die neue Version soll schneller sein, weniger Speicher benötigen und optisch unauffällig sein. Denn die höchste Tugend eines Browsers ist heute, auch die komplexesten Websites schnell und ohne Ruckeln anzuzeigen und selbst bei maximalem Multimedia-Brimborium den Akku von Mobilgeräten zu schonen.

Google hat alte Tugenden verloren, das kritisieren selbst die Fans. Einer von ihnen bemängelte auf der Social-Media-Plattform Quora, Chrome sei nicht mehr das «flinke Biest von 2011»: «Heute ist er eine bizarre App-Plattform, die man zufällig auch noch als Browser benutzen kann.» Der Mann spielt darauf an, dass Googles Browser auch Apps ausführen kann und so fast wie ein Betriebssystem im Betriebssystem funktioniert.

«Google schont die Datensammler»

Eine Sekundärtugend der aktuellen Browser ist die Sicherheit und der Datenschutz. Auch da rückt sich Firefox in ein gutes Licht: «Wir sind stolz darauf, als gemeinnützige Organisation dafür einzutreten, dass das Internet gesund, offen und für alle zugänglich bleibt», lobt sich die Mozilla-Stiftung, die den offenen Browser entwickelt. Das ist gegen Chrome gemünzt. Im Bereich steht Google als grosser Daten-Akkumulator unvermeidlicherweise in der Kritik. «Google schont die Datensammler», bemängelt die digitale Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation.

Während die anderen Browser Firefox, Safari, Opera und Brave ihren Nutzern Schutzmöglichkeiten vor der Nachverfolgung durch die sogenannten Tracker im Netz geben würden, ignoriere Google die tiefergehenden Probleme des Datenschutzes, klagen die Bürgerrechtler: Google Chrome will nächstes Jahr lästige Werbung automatisch ausfiltern. Doch das Verfolgen der Surfer über viele Webseiten im Netz hinweg will Google nicht unterbinden. Doch im Moment sieht es nicht danach aus, als ob diese Haltung Googles dominante Rolle in den Browserkriegen gefährden würde.

Zum Smartphone und zurück

Was die Funktionen angeht, sind sich die Browser inzwischen sehr ähnlich: «Ein Kopf-an-Kopf-Rennen», schrieb Pcworld.com im August. Ein wichtiges Komfort- und Unterscheidungsmerkmal ist das Zusammenspiel der Versionen für den Desktop mit den Smartphone-Varianten. Bei dieser Disziplin brillieren Firefox und Chrome: Über die Synchronisation stehen am Mobilgerät die gleichen Lesezeichen und der Surfverlauf zur Verfügung wie am Windows-PC und Mac. Mit der «An Gerät senden»-Funktion lässt sich bei Firefox eine Website ohne Aufwand an einem anderen Gerät öffnen. Bei Microsoft ist über die «Continue on PC»-App fürs iPhone und Android immerhin möglich, eine Adresse vom Smartphone an den Windows-10-Computer zu schicken. Im Apple-Universum verbindet die «Handoff»-Funktion die Macs und die mobilen Geräte.

Die Aussenseiter punkten entweder durch flexible Anpassungsmöglichkeiten (Opera) oder durch besonderen Schutz der Privatsphäre (Brave).

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