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Auch die Schweiz muss sich an der Rettung des Web beteiligen

Tim Berners-Lee, der Erfinder des World Wide Web, lanciert seinen Vertrag zur Rettung des Internets. Auch wir sollten mitmachen.

Im Oktober 2018 hat Tim Berners-Lee seinen Vertrag vor dem Europäischen Parlament in Brüssel vorgestellt.
Im Oktober 2018 hat Tim Berners-Lee seinen Vertrag vor dem Europäischen Parlament in Brüssel vorgestellt.
Virginia Mayo, Keystone

Tim Berners-Lee hat am Wochenende seinen «Contract for the Web» vorgestellt. Der Mann, der vor dreissig Jahren das World Wide Web erfunden hat, sieht seine Kreation in Gefahr: Politische Manipulatoren, Verbreiter von Fake News und Datensammler bedrohen die Freiheit.

Darum also dieser Vertrag, der Regierungen, Unternehmen und die Bürger gleichermassen in die Pflicht nimmt (und unter Contractfortheweb.org einsehbar ist). Regierungen müssen dafür sorgen, dass alle das Netz nutzen dürfen und dass alle Inhalte immer zugänglich sind.

«Kämpft fürs Web! Seid Urheber!»

Die Unternehmen haben die Pflicht, die Privatsphäre der Nutzer zu schützen und Technologien zu entwickeln, die «in den Menschen das Beste wecken und das Schlimmste bekämpfen». Wir Bürger sind angehalten, fürs Web zu kämpfen, nicht nur zu konsumieren, sondern selbst etwas online beizutragen und anständig miteinander umzugehen.

Insgesamt sind es neun Prinzipien, an denen 80 Organisationen für mehr als ein Jahr gearbeitet haben. Der Vertrag wird von 150 Unternehmen gestützt, unter anderem von Microsoft, Twitter, Google und Facebook. Es fällt auf, dass von den grossen Tech-Unternehmen Apple und Amazon sich bislang nicht zu dem Vertrag bekannt haben.

Ist das die Wende zum Besseren oder ein idealistisches Hirngespinst? Natürlich kann man sich fragen, wie ernst es Facebook mit seinem Engagement ist, nachdem Mark Zuckerberg nach all seinen Privatsphären-Skandalen noch keinen echten Willen zur Besserung hat erkennen lassen. Und Google hat vor zwei Wochen eine Partnerschaft mit dem Gesundheitsdienstleister Ascension abgeschlossen, die dem Suchmaschinenkonzern in den USA Zugang zu Millionen von Patientendaten verschafft.

Es ist ein Anfang

Trotzdem: Auch wenn manche Unternehmen den Vertrag als Feigenblatt missbrauchen, ist er richtig und wichtig. Erstens hat Tim Berners-Lee das Web als idealistische Menschheitsidee bereits einmal zum Fliegen gebracht. Und zweitens haben wir nichts Besseres – auch bei der Bekämpfung des Klimawandels stand am Anfang erst einmal die Absichtserklärung.

Darum muss sich, nach Deutschland, Frankreich und Ghana, auch die Schweiz zu dem Vertrag bekennen. Natürlich, wir müssten die Netzsperren aus unseren Gesetzen kippen, weil die im Widerspruch zum Zensurverbot stehen. Aber das ist ein geringer Preis für die Rettung des Web.

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