Zum Hauptinhalt springen

Comparis gibt Hackerangriff zu

Der Internetvergleichsdienst comparis.ch hat bestätigt, dass ein Mitarbeiter versuchte, die Website des BAG zu knacken. Der Bund wusste offenbar schon länger vom Angriff – eingreifen wollte er aber nicht.

Wollte die Publikation der Vorwürfe per Gerichtsbeschluss verhindern: Der Internetvergleichsdienst comparis.ch
Wollte die Publikation der Vorwürfe per Gerichtsbeschluss verhindern: Der Internetvergleichsdienst comparis.ch
Keystone

Vorwürfe der Westschweizer Wochenzeitung «L'Hebdo», wonach der Internetvergleichsdienst comparis.ch versucht haben soll, eine Website des Bundesamts für Gesundheit (BAG) zu knacken, treffen offenbar teilweise zu. Ein Mitarbeiter habe eingeräumt versucht zu haben, die Sicherheitsvorkehrungen der BAG-Website «zu prüfen».

Dies teilte comparis.ch am Donnerstagabend mit. Ein Mitarbeiter habe am Nachmittag zugegeben, für die Vorwürfe verantwortlich zu sein, die gegen das Unternehmen im Raum stehen. comparis.ch habe dem Mitarbeiter gekündigt und ihn mit sofortiger Wirkung freigestellt.

Laut einem Bericht auf «NZZ Online» hat das Bundesamt für Informatik und Technologie (BIT) den Hackerangriff schon im September 2011 registriert und das BAG aufgefordert, ein Strafverfahren einzuleiten. Der Bund sei dieser Empfehlung aber nicht gefolgt: Man sei zum Schluss gekommen, dass die Chancen einer Strafanzeige zu klein gewesen wären, wie eine Sprecherin des Innendepartements gegenüber «NZZ Online» sagte. Der Entscheid fiel in der Zeit, als Didier Burkhalter Vorsteher des Innendepartements war.

Nicht in Prämien-Abfrage involviert

«Der Mitarbeiter unternahm dies aus rein persönlichem Interesse, allerdings während der Arbeitszeit und an seinem Arbeitsplatz», heisst es im comparis-Communiqué. Dabei habe er eigenmächtig gehandelt «und zu keinem Zeitpunkt in geschäftlichem Auftrag». Sein Vorgehen stelle einen Verstoss gegen interne Richtlinien dar.

Der Mitarbeiter sei jedoch «in keiner Weise in die Abfrage der Krankenkassenprämien involviert», schreibt comparis.ch. Laut «L'Hebdo» soll comparis.ch versucht haben, für seine Krankenkassenprämienvergleiche eine BAG-Webseite zu hacken. Diesen Vorwurf erhebt die Wochenzeitung in einem Artikel von heute Donnerstag, obwohl die Publikation richterlich untersagt worden war.

Kantonsgericht Waadt verbot Publikation

Der Artikel hätte eigentlich gar nicht erscheinen dürfen. Denn das Kantonsgericht Waadt gab am Mittwoch einem Gesuch der Firma comparis.ch für eine superprovisorische Verfügung statt. «L'Hebdo» erschien aber trotzdem. «Wir konnten die Publikation nicht mehr verhindern», sagte Daniel Pillard, Direktor für die Romandie beim Medienunternehmen Ringier, auf Anfrage.

«L'Hebdo» sei bereits in der Nacht auf Mittwoch gedruckt worden, die Weisung sei aber erst am Mittwochmittag kurz nach 12.00 Uhr eingetroffen, so Pillard. Fairnesshalber sei der Artikel dann aber auf der Internetseite der Zeitschrift gelöscht worden.

«Gängige und legale Methode»

Nachdem comparis.ch in einer Stellungnahme sämtliche Vorwürfe von «Piraterie und anrüchigem Verhalten im Internet» zunächst von sich gewiesen hatte, musste die Firma am Abend zumindest teilweise zurückkrebsen. Sie hielt indes fest, dass das Unternehmen «in keiner Weise versucht hat, auf unerlaubte Weise die Krankenkassenprämien zu beziehen».

Comparis habe die öffentlich zugänglichen Daten des BAG mit einer gängigen und laut Bundesgericht legalen Methode, dem so genannten Crawling, verwendet. Diese Technik finde in jeder Suchmaschine Verwendung. Und auch das BAG werfe comparis.ch kein strafbares Handeln vor.

(SDA)

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch