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Das Hackergeld wird salonfähig

Der Bitcoin galt als Währung dubioser Gestalten, die sich im Netz Waffen kaufen. Doch das virtuelle Geld etabliert sich. Sogar Ebay erwägt, Bitcoins in den Zahlungsverkehr einzubeziehen.

Die Krypto-Währung ist auf dem Vormarsch: Der Amerikaner Mike Caldwell stellte sogar Bitcoin-Münzen her.
Die Krypto-Währung ist auf dem Vormarsch: Der Amerikaner Mike Caldwell stellte sogar Bitcoin-Münzen her.
AFP

Die Hackerwährung Bitcoin hat in diesem Jahr eine Achterbahnfahrt erlebt. Auf einen Höhenflug folgte ein Kurssturz, doch das virtuelle Geld etabliert sich immer mehr im Geschäftsleben.

Der Bitcoin strebt in den Alltag - allen Widerständen zum Trotz. Das Digitalgeld schien heftig angeschlagen, zuletzt nachdem die umstrittene Online-Plattform Silk Road geschlossen wurde, auf der Drogen und Waffen mit Vorliebe in Bitcoin bezahlt worden sein sollen. Doch die Krypto-Währung hat sich rasch erholt.

Der Wechselkurs in US-Dollar klettert schon wieder in Richtung Rekordhoch. Zudem erhält die früher als Hackergeld abgetane virtuelle Devise unverhoffte Unterstützung: Der Shoppingriese Ebay denkt laut über Bitcoins als Zahlungsmittel nach.

Ebay-Chef John Donahoe spricht von einer «sehr mächtigen Sache», die man genau beobachte. Die Unternehmenstochter Paypal, über die viele Ebay-Zahlungen abgewickelt werden, könne eines Tages auch Bitcoins einbeziehen, sagte Donahoe der «Financial Times».

Das klingt zwar noch wenig konkret und ist nach den Worten des Ebay-Managers zum jetzigen Zeitpunkt nicht mehr als Zukunftsmusik. Dennoch zeigen die Aussagen, dass die digitale Währung auf dem Weg ins Massengeschäft ist.

Tiefpunkt

Der Zeitpunkt könnte für Bitcoin-Anhänger nicht besser sein. Denn erst Anfang Oktober hat das FBI mit Silk Road eine Art Ebay der Unterwelt ausgeschaltet. Das Portal war Geheimdiensten und Sicherheitsbehörden schon lange ein Dorn im Auge - es galt als riesiger Online-Supermarkt für Drogen und andere kriminelle Ware.

Auch die Zukunft des Bitcoin schien durch den Schlag gegen das Netzwerk bedroht. Denn dort wurde nicht mit regulären Währungen wie Euro oder Dollar, sondern mit digitalen Alternativen bezahlt.

Das FBI beschlagnahmte bei der Aktion gegen Silk Road auch grosse Mengen an Bitcoins. Damit floss jede Menge Wasser auf die Mühlen der Skeptiker, die glauben, die Digitalwährung werde als Sandkorn im Getriebe des Geldschöpfungsmonopols von Staaten und Banken über kurz oder lang ohnehin verboten.

Unabhängig von Regierungen und Notenbanken

Denn hinter dem Bitcoin-Projekt steht ein Geldsystem, das ohne zentrale Kontrollinstanz funktioniert, also unabhängig von Regierungen, Zentralbanken und Geschäftsbanken.

Bitcoins werden in einem «Mining» genannten Krypto-Verfahren von den Nutzern selbst an leistungsstarken Rechnern produziert. Um Geldeinheiten zu errechnen, muss der Computer hochkomplexe mathematische Formeln lösen.

Um ein Ausufern der Geldmenge zu verhindern, gibt das System dem Rechner mit der Zeit immer schwierigere Verschlüsselungen zum Enträtseln auf. Die maximale Menge an Bitcoins ist strikt begrenzt und soll so - vom früheren Goldstandard inspiriert - vor Inflation schützen.

Lange hatte das Bitcoin-Projekt mit dem Vorwurf zu kämpfen, kriminelle Transaktionen seien ein wichtiges Standbein. Die Kursentwicklung seit der Schliessung von Silk Road spricht jedoch dagegen: Zum Wochenauftakt kletterte der Bitcoin-Kurs auf 221 Dollar.

Nahe Rekordhoch

Damit nähert er sich dem Rekordhoch von 248 Dollar, das im April auf dem Höhepunkt des öffentlichen Rummels um das Digitalgeld erzielt worden war. Unter Bitcoin-Anhängern gibt es durchaus auch Stimmen, die froh sind, dass mit Silk Road ein Makel beseitigt wurde.

Ebays Offenheit gegenüber dem Bitcoin kommt nicht von ungefähr: Viele Unternehmer spielen derzeit Geschäftsmodelle durch, die auf die Expansion digitaler Währungen setzen.

«Ich bin zuversichtlich, dass wir noch viele führende Einzelhändler weltweit sehen werden, die Systeme einführen, die auf Bitcoins aufbauen», sagte Wagniskapitalgeber Jim Breyer aus dem Silicon Valley erst Ende Oktober der «New York Times». Breyer hat seinen Blick für lukrative Geschäftsideen bereits unter Beweis gestellt - er zählt zu den frühen Facebook-Investoren.

(SDA)

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