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Das Millionen-Gezwitscher

Werbung auf Smartphones und Tablets bringt Facebook zu wenig Geld ein. Twitter jedoch scheint weniger Probleme mit dem mobilen Internet zu haben. Warum funktioniert der Kurznachrichtendienst auch als Marketing-Tool?

«Jedes grosse Internetunternehmen muss seinen Weg finden, Geld zu machen»: Facebook-Chef Mark Zuckerberg.
«Jedes grosse Internetunternehmen muss seinen Weg finden, Geld zu machen»: Facebook-Chef Mark Zuckerberg.
AFP
Genau das ist aber das Problem von Facebook: Pro Nutzer und Jahr generiert das Netzwerk nur etwas mehr als vier Dollar Einnahmen. Eine grosse Schwierigkeit (nicht nur von Facebook): Online-Werbung lohnt sich auf mobilen Geräten kaum.
Genau das ist aber das Problem von Facebook: Pro Nutzer und Jahr generiert das Netzwerk nur etwas mehr als vier Dollar Einnahmen. Eine grosse Schwierigkeit (nicht nur von Facebook): Online-Werbung lohnt sich auf mobilen Geräten kaum.
Keystone
Promoted Tweets (Bild) sind eine Möglichkeit: Twitter zeigt sinnverwandte Werbung an, wenn ein Nutzer auf dem Kurznachrichtendienst nach Stichwörtern sucht. Bis Ende Jahr soll diese Werbeform nach Europa kommen. Ausserdem gibt es Promoted Trends und Promoted Accounts.
Promoted Tweets (Bild) sind eine Möglichkeit: Twitter zeigt sinnverwandte Werbung an, wenn ein Nutzer auf dem Kurznachrichtendienst nach Stichwörtern sucht. Bis Ende Jahr soll diese Werbeform nach Europa kommen. Ausserdem gibt es Promoted Trends und Promoted Accounts.
The Verge
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«Das Internet verlagert sich vom Desktop auf das Handy», sagte Investor Daniel Gutenberg im Mai in einem Interview mit Redaktion Tamedia. Was für Nutzer einen Segen darstellt – man kann surfen und mailen, wo man will –, ist für Onlinenetzwerke und Medienkonzerne ein immenses Problem. Denn Werbung auf mobilen Geräten bringt noch zu wenig Geld ein. Die drei wichtigsten Gründe:

  • Die Werbetarife auf Smartphones und Tablets sind generell niedriger.
  • Die Nutzer klicken weniger auf mobile Ads.
  • Die Werbewirtschaft ist erst daran, diese Form zu entdecken – sie weiss zwar, dass das Mobile immer wichtiger wird, hat aber noch keine richtigen Instrumente dafür gefunden.

Verschiedene Werbeformen auf Twitter

Darunter leidet vor allem Facebook: Rund 55 Prozent der Mitglieder dieses Netzwerks, das 85 Prozent der Gesamteinnahmen mit Werbung generiert, surfen nicht mehr stationär. Die Frage, ob das Zuckerberg-Imperium tatsächlich 100 Milliarden Dollar wert ist, wird darum zunehmend negativ beurteilt.

Twitter scheint mit mobiler Werbung weniger Probleme zu haben. Im Gegenteil. Einem Bericht des «Wall Street Journal» zufolge macht der Kurznachrichtendienst mehr Umsatz mit Werbung auf Smartphones und Tablets (Mobile.twitter.com, iPhone- und Android-App) als auf Twitter.com.

Die Entwicklung erstaunt – Twitter zeigt erst seit ein paar Monaten Werbung auf mobilen Geräten, und auch die Werbeform Promoted Tweets wurde erst vor fünf Monaten lanciert. Diese Werbeform zeigt Werbung in der Timeline an, wenn ein Nutzer einer Firma folgt, welche die Anzeige schaltet. Seit längerem bietet Twitter auch sogenannte Promoted Accounts an (die Möglichkeit, den eigenen Account in die Vorschlagliste passender Nutzer zu platzieren). Die dritte Werbeart auf Twitter schliesslich, Promoted Trends, ist für Firmen, welche dafür zahlen, dass ihre Inhalte auf der oberen Seite der Liste der Trendic Topics auftauchen. Twitter fasst diese Möglichkeiten im Werbepakt Promoted Ads Suite zusammen. Diese wird nun von Twitter kontinuierlich ausgebaut. Bis Ende 2012 wird Twitter-Werbung in 50 Ländern möglich sein (die Schweiz gehört nicht dazu).

Zuckerbergs Angst vor der Sammelklage

Während Twitter-Chef Dick Costolo also durchaus optimistisch sein kann (und die Zuversicht auch öffentlich zelebriert, wie unlängst an einer Konferenz in San Francisco), herrscht bei Facebook Katzenjammer.

Um einer Sammelklage zuvorzukommen, hat das grösste soziale Netzwerk vor wenigen Tagen einem Vergleich zugestimmt, der seiner Werbevermarktung überaus hinderlich ist: Nutzer können künftig verhindern, dass sie sich in den sogenannten Sponsored Stories als «unbezahlte Werbebotschafter» wiederfinden, wenn sie beispielsweise ein Produkt oder Unternehmen erwähnen. Dieses Werbevehikel existiert erst seit knapp eineinhalb Jahren und erlaubt es Firmen im Rahmen von Werbekampagnen, bestimmte Facebook-Einträge von Nutzern hervorzuheben – vor allem wenn diese bei einer Marke oder einem Produkt auf die «Gefällt-mir»-Schaltfläche klicken.

Auf der Suche nach dem «optimalen Modell»

So bleibt es dabei: Facebook ist mitgliederstark wie kein anderes Internetunternehmen, ist allerdings immer noch auf der Suche nach dem passenden Werbemodell, welches aus 900 Millionen Mitgliedern ausreichend Kapital zu schlagen vermag. «Jedes grosse Internetunternehmen muss seinen Weg finden, Geld zu machen. In drei Jahren müssen wir das optimale Modell gefunden haben», sagte Facebook-Chef Mark Zuckerberg in einem Interview. Dieses wurde 2008 geführt.

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