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«Datenschutz ist für Google ein Fremdwort»

Google hat private Nutzerdaten im Umfang von insgesamt 600 Gigabyte gespeichert. Der Konzern spricht von einem Programmierfehler.

Beliebt und umstritten: Aufnahmen für den 3-D-Kartendienst Street View für Google.
Beliebt und umstritten: Aufnahmen für den 3-D-Kartendienst Street View für Google.
Keystone

Der Internetriese Google hat eingeräumt, für seinen umstrittenen Dienst Street View in mehr als 30 Ländern persönliche Nutzerdaten aus drahtlosen Computernetzwerken aufgezeichnet zu haben. «Wir bedauern diesen Fehler zutiefst und sind entschlossen, daraus Lehren zu ziehen», schrieb Google-Manager Alan Eustace am Freitag in seinem Internet-Blog. Das deutsche Verbraucherschutzministerium kritisierte den Fall scharf.

Google hatte bisher erklärt, für seinen Strassenfoto-Dienst Street View lediglich den Namen und die Adresse von Drahtlosnetzwerken (WLAN) zu speichern. Eustace, der stellvertretender Leiter der Google-Forschungsabteilung ist, räumte nun jedoch ein, dass die speziell ausgerüsteten Fahrzeuge, die in mehr als 30 Ländern Fotos von Strassenzügen und Häusern gemacht haben, aus ungesicherten Netzwerken auch private Daten der Internetnutzer gesammelt haben.

Ein Programmierfehler als Ursache?

Nach Google-Angaben wurden persönliche Daten im Umfang von insgesamt 600 Gigabyte gespeichert. Eustace machte keine Angaben dazu, um welche Art von Daten es sich dabei handelt. Dies könnten beispielsweise E-Mails und andere Informationen sein, die über Netzwerke ohne Passwort verschickt wurden.

Die Speicherung sei wegen eines Programmierfehlers «versehentlich» geschehen, erklärte Eustace. «Das Vertrauen der Menschen zu erhalten, ist für alles, was wir tun, entscheidend, und in diesem Fall haben wir das verfehlt». Sein Konzern habe die Panne entdeckt, nachdem die Hamburger Datenschutzbehörde eine entsprechende Anfrage gestellt habe.

Street-View-Fahrzeuge gestoppt

Google werde die Daten «so schnell wie möglich» vernichten und werde dazu Kontakt zu den Behörden der betroffenen Länder aufnehmen, schrieb der Google-Manager weiter. Die Street-View-Fahrzeuge seien einstweilen gestoppt worden. Sie waren neben Deutschland unter anderem auch in den USA, in Australien, Südafrika, Mexiko und etlichen europäischen Staaten unterwegs.

Es sei «alarmierend», dass Google offenbar über Jahre hinweg in private Datennetze «eingedrungen» sei, erklärte ein Sprecher des deutschen Bundesverbraucherschutzministeriums am Samstag in Berlin. Der Vorgang sei «ein weiterer Beleg dafür, dass Datenschutz für Google noch immer ein Fremdwort ist».

Mehr Transparenz gefordert

Der Konzern müsse endlich offenlegen, welche Daten bei Street View erfasst, gespeichert, vernetzt und vermarktet werden - und wie die unzulässig erhobenen Angaben gelöscht werden. Der Fall mache erneut deutlich, wie wichtig die Verschlüsselung privater Funknetze sei, erklärte der Sprecher.

AFP/jak

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