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Der nette Datensammler von nebenan

Schon als junger Informatik-Student an der Harvard-Universität war Mark Zuckerberg besessen von der Idee, Menschen über das Internet zusammenzubringen. Was treibt den Facebook-Chef an?

Vom Studienabbrecher zum Internetgigant: Mark Zuckerberg brach 2004 sein Studium in Harvard ab und zog ins Silicon Valley. Dort startete er Facebook.
Vom Studienabbrecher zum Internetgigant: Mark Zuckerberg brach 2004 sein Studium in Harvard ab und zog ins Silicon Valley. Dort startete er Facebook.
Keystone
Facebook fügt im September 2004 den Profilen die Pinnwand hinzu, auf der sich Nutzer gegenseitig Nachrichten hinterlassen können.Zunächst nennt sich das Portal Thefacebook.com, im August 2005 folgt die Umbenennung in Facebook. Das Netzwerk ist zunächst exklusiv: Mitmachen dürfen nur Studenten an US-Hochschulen, schrittweise wird der Kreis erweitert. Im September 2006 öffnet sich das soziale Netzwerk für alle Internetnutzer, die älter als 13 Jahre sind.
Facebook fügt im September 2004 den Profilen die Pinnwand hinzu, auf der sich Nutzer gegenseitig Nachrichten hinterlassen können.Zunächst nennt sich das Portal Thefacebook.com, im August 2005 folgt die Umbenennung in Facebook. Das Netzwerk ist zunächst exklusiv: Mitmachen dürfen nur Studenten an US-Hochschulen, schrittweise wird der Kreis erweitert. Im September 2006 öffnet sich das soziale Netzwerk für alle Internetnutzer, die älter als 13 Jahre sind.
Keystone
Fiasko: Am 18. Mai 2012 ging Facebook an die Börse. Obwohl Experten einen deutlichen Anstieg der Kurse vorausgesagt hatten, verlor die Aktie innerhalb weniger Wochen fast ein Drittel ihres Werts.
Fiasko: Am 18. Mai 2012 ging Facebook an die Börse. Obwohl Experten einen deutlichen Anstieg der Kurse vorausgesagt hatten, verlor die Aktie innerhalb weniger Wochen fast ein Drittel ihres Werts.
AFP
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Dass aus einem kleinen Onlineforum für Studenten einmal ein milliardenschwerer Internetkonzern werden würde, hätte er sich sicher nicht träumen lassen. Und Zuckerberg will rasant weitermachen: «Facebook existiert, um die Welt offener und vernetzter zu machen, und nicht nur, um ein Unternehmen zu sein», schrieb der 27-Jährige am Mittwoch bei der Verkündung des Facebook-Börsengangs.

Das 2004 gegründete Unternehmen aus der Nähe von San Francisco will durch den Börsengang fünf Milliarden Dollar einnehmen. Binnen weniger Jahre hat sich das einstige Universitäts-Netzwerk zu einer weltumspannenden Macht entwickelt; es prägt das Internet heute wie nur wenige andere Firmen. Zuckerberg findet sich deswegen heute immer wieder auf Top-Plätzen in Ranglisten mit den einflussreichsten Menschen der Welt.

Zur «Person des Jahres» gekürt

Das renommierte US-Nachrichtenmagazin «Time» kürte ihn 2010 etwa zur «Person des Jahres». Mit der Auszeichnung erregt die Zeitschrift alljährlich grosses Aufsehen. Zuckerberg habe mit Facebook «unser alltägliches Leben verändert», lautete die Begründung des Magazins. Das renommierte US-Wirtschaftsmagazin «Forbes» hob Zuckerberg 2011 auf Platz neun der einflussreichsten Personen, nur wenige Ränge hinter Staatslenkern wie US-Präsident Barack Obama oder Chinas Staatschef Hu Jintao.

Der Börsengang könnte den ehemaligen Harvard-Studenten auch zu einem der reichsten Menschen der Welt machen. Gut 28 Prozent hält der junge IT-Manager an dem von ihm mit gegründeten Unternehmen. Erzielt das Unternehmen einmal einen Börsenwert von bis zu 100 Milliarden US-Dollar, wie vielfach spekuliert wird, ist Zuckerbergs Anteil entsprechend viel wert.

845 Millionen regelmässige Nutzer

Der grosse gesellschaftliche Einfluss, der Zuckerberg heute schon zugeschrieben wird, kommt nicht von ungefähr: Rund 845 Millionen regelmässige Nutzer weltweit hat das soziale Netzwerk mittlerweile, die mit ihren Freunden Fotos teilen oder schreiben, was sie gerade bewegt. Damit gibt mehr als ein Zehntel der Weltbevölkerung auf Facebook private Informationen preis. Und was die Nutzer in ihren Profilen über sich verraten, wird von Facebook auch dazu genutzt, um etwa Geld mit Werbung zu verdienen: Die Menschen erhalten Anzeigen von Unternehmen passend zu ihren persönlichen Vorlieben.

Viel geschäftliches Bewusstsein

Zuckerberg gründete Facebook 2004 zusammen mit Studienfreunden an der angesehenen Universität von Harvard. Die Idee, Freunde und Bekannte auf einer Internet-Plattform zu versammeln, mit ihnen Neuigkeiten, Klatsch und Fotos auszutauschen, kam an. Internet-Konzerne begannen sich für das Phänomen zu interessieren. Yahoo bot 2006 eine Milliarde Dollar für Facebook - erfolglos. Ein Mittzwanziger, der eine Milliarde Dollar ablehnt: Zuckerberg, der Mann mit dem jungenhaft wirkenden Gesicht, der gern im T-Shirt auftritt, zeigt viel geschäftliches Selbstbewusstsein.

Immer wieder in der Kritik

Wegen seines Umgangs mit Nutzerdaten steht Facebook immer wieder in der Kritik - und damit auch Firmenchef Zuckerberg. In diesen Wochen etwa will das soziale Netzwerk seine Nutzer verpflichten, ihre Profile auf eine neue Optik umzustellen, mit der die Informationen in den Nutzer-Profilen übersichtlicher dargestellt werden - und damit auch leichter zu durchsuchen sind.

Auch Zuckerberg hat die Datenschutzprobleme seines Unternehmens schon einmal persönlich kennengelernt. Erst im Dezember standen wegen eines Software-Fehlers private Fotos von ihm und anderen Nutzern für eine Weile öffentlich im Netz. Spätestens hier könnte Zuckerberg klar geworden sein, dass nicht nur für sein Unternehmen viel Potenzial besteht - sondern auch, dass die Nutzer noch viel Nachbesserungsbedarf beim Datenschutz sehen könnten.

Mitglieder-Daten sind das wichtigste Kapital

Mit dem geplanten Börsengang könnte das Thema nach Meinung von Experten für das US-Unternehmen erst recht zum heissen Eisen werden. Denn künftig werden die Augen von Investoren und Öffentlichkeit noch stärker auf dem Internetgiganten ruhen. Facebook steht in Europa, aber zunehmend auch in den USA in der Kritik für seinen Umgang mit Mitglieder-Daten. Diese sind das wichtigste Kapital des Unternehmens, sie eröffnen Ansätze für Werbung und Konsumentenbeobachtung. Doch bei der Verwaltung dieser riesigen Datenmengen gab es wiederholt Pannen: So wurde etwa im vergangenen Mai entdeckt, dass Facebook-Firmenpartner aufgrund von Programmierfehlern in Apps jahrelang Zugriff auf Nutzerprofile hätten haben können.

Vor allem aber entzündet sich der Unmut an Facebooks Geschäftsstrategie im Umgang mit Privatsphäre. Europäische Datenschützer werfen dem Konzern vor, «gläserne Nutzer» zu schaffen, Mitglieder über die von ihnen verbreiteten Daten im Unklaren zu lassen und es mit den nationalen Datenschutzrechten nicht so genau zu nehmen. Ein Beispiel dafür war die Einführung der automatischen Foto-Gesichtserkennungsfunktion, für die Facebook biometrische Merkmale in einer Datenbank speicherte, ohne die Nutzer darüber auch nur zu informieren.

Timeline sorgt für neuen Wirbel

Im November 2011 stimmte Facebook einer Übereinkunft mit der US-Verbraucherschutzbehörde FTC zu: künftig wird unter anderem die Einwilligung der Mitglieder eingeholt, bevor für die Privatsphäre relevante Einstellungen geändert werden. Zuvor hatte der Konzern bereits Nutzern mehr Kontrolle über die Informationen eingeräumt, die sie teilen - und damit einen weiteren Kritikpunkt zumindest teilsweise entschärft. Seitdem können Nutzer beim Verfassen von Beiträgen mit Hilfe eines automatisch erscheinenden kleinen Menüs per Mausklick festlegen, wer diesen lesen darf. Vorher waren dazu Änderungen in einem versteckten Einstellungsmenü nötig.

Parallel zur Ankündigung des Börsengangs sorgt derzeit die geplante Umstellung der Nutzerprofile auf die sogenannte Chronik oder Timeline für neuen Wirbel. Dabei werden die Nutzer zwar vorab informiert, und es werden auch keine zusätzlichen Daten erhoben oder veröffentlicht. Aber allein der Umstand, dass eine Änderung des Designs der Mitglieder-Profile das Stöbern in alten Beiträgen erleichtert und deren Aktivitäten transparenter macht, sorgt bei vielen Nutzern inzwischen für Ablehnung. Das Thema Privatsphäre wird Facebook so schnell nicht loslassen.

AFP/ah/rek

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