Die Welt in der Endlosschleife

Das Gif wird 30 Jahre alt. Längst ist das quirlige Bildformat zum Kulturgut avanciert.

Einer Achterbahn gleich laufen seit dreissig Jahren Gifs in der Endlosschleife.

Einer Achterbahn gleich laufen seit dreissig Jahren Gifs in der Endlosschleife. Bild: Thomas Frey/Keystone

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Als Steven Wilhite und seine Kollegen 1987 für die Firma Compuserve das Graphics Interchange Format (Gif) entwickelten, ahnten sie wohl nicht, dass sie eine kulturelle Revolution angestossen hatten, die sich dreissig Jahre später voll entfaltet hat.

Angeblich das erste Gif vom 15. Juni 1987

Das Gif prägt seither die Netzkultur und steht als Träger von Kommunikation und Sinnstiftung gleichberechtigt neben Bild und Video. Kein Wunder, ist das Format doch eine Art Zwitter aus beidem: Eine animierte Abfolge von Bildern oder Frames, die einer Achterbahn gleich sich endlos wiederholt – technischer soll es hier nicht werden. Es findet seit den frühen Neunziger Jahren Einsatz in Computerspielen, Film und beim Design von Websites und Logos. Zwischendurch gerät das Gif ausser Mode.

Das Aufkommen von Social Media vor zehn Jahren haucht auch dem Bewegtbild neues Leben ein. Ikonische Szenen aus Film und Fernsehen können zu Gifs in eine Endlosschleife geformt werden, es entstehen sogenannte Memes, die von der verkürzten Animation leben. Heute gibt es unzählige Sub-Genres: Sport-Gifs, Katzen-Gifs, Reaction Gifs. Sie bringen Dinge auf den Punkt, die man sonst umständlich ausdrücken muss: «Ein Bild sagt mehr als tausend Worte», potenziert sich im Gif.

Wie populär das Format mittlerweile ist, zeigt sich auf Facebook: Seit dem 15. Juni, dem 30. Geburtstag des Gifs, kann man dort in Kommentaren mit den kurzen Loops antworten.

Diese Gifs haben im Laufe der Jahre Ikonen-Status im Netz erreicht.

Der begeisterte Geburtstags-Bub

Sein weibliches Pendant

Eine Katze und Basketballlegende Shaquille O'Neal im Shake-off

Haters gonna hate – ein Gif gegen Missgunst. Die Entwicklung des Memes können Sie bei «Know Your Meme» nachlesen.

Ein klassisches Reaction Gif: Homer Simpson verschwindet diskret in einer Hecke. Wer dieses Gif benutzt, drückt damit aus, nichts mit der Sache zu tun haben zu wollen.

Nyan Cat, halb Katze, halb Pop-Tart, fliegt endlos durch den Sternenhimmel. Dem sympathisch nervigen Video liegt ein Gif des US-amerikanischen Zeichners Chris Torres zugrunde.

Der Roflcopter, ein Repräsentant der ASCII-Art, einer Kunstform, die zur Illustration nur Zeichen und Buchstaben benutzt. Der Roflcopter (von ROFL: Rolling on the floor laughing, übersetzt so viel wie «I cha nüme») kommt all jenen zu Hilfe, die Schmerzen haben vom Lachen.

Mind = Blown: Wenn man etwas Unglaubliches herausgefunden hat.

Aus dem Subgenre «Unneccessary Explosions» (Unnötige Explosionen – hier werden feurige Effekte dort hinzugefügt, wo es sie nicht wirklich braucht): der verunglückte Skateboarder.

Gifs müssen nicht immer lustig sein. Künstler versuchen sich ebenfalls an geloopten Animationen.

In unzähligen Variationen wurde eine Szene aus dem Tarantino-Klassiker «Pulp Fiction» zum Meme: Vincent Vega, gespielt von John Travolta, als er das erste Mal bei den Wallaces zu Hause ist. Als «Confused Travolta» ging es in die Netzkulturgeschichte ein.

Brent Rambo dürfte heute in seinen Dreissigern sein. In den frühen Neunzigern mimte er in einer Apple-Werbung einen Schüler, der an einem Computer arbeitet. Sein selbstzufriedenes Arbeiten am Rechner und der erhobene Daumen wurden ikonisch – und als Gif unsterblich.

Der imaginäre Rapper Supa Hot Fire ist in diesem Gif verewigt: Die Szene stammt aus einer Battle-Rap-Parodie und lässt sich prima als Reaction Gif anwenden, wenn man sich nicht vor Begeisterung zurückhalten kann.

Apropos: Die Minions eignen sich natürlich auch, um überbordende Begeisterung auszudrücken.

Sie sind im Gegenteil nicht begeistert? Greifen Sie zu dieser Dame.

Es gibt etwas zu feiern?

Sie halten es auf der Arbeit nicht mehr aus? Sagen Sie es mit dem wütenden Panda.

Wo wir schon bei Tieren sind: Pinguin-Gifs machen sich auch immer gut. Allen voran natürlich dieses.

Und was wäre das Internet ohne Katzen? Nichts, natürlich.

Ein perfekter Loop lässt weder Anfang noch Ende erkennen. Im wohl bekanntesten Beispiel fährt ein Skateboarder durch eine schier endlose Röhre.

Infinite tunnel skating (/r/perfectloops request)

Sicher fehlen hier noch einige essenzielle Gifs. Welche haben wir vergessen? Sagen Sie es uns in den Kommentaren. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 16.06.2017, 18:19 Uhr

Wissenswertes über das Gif

Gifs finden Sie im Netz mithilfe von Suchmaschinen wie Giphy. Die Plattform stellt auch mehrere Apps zur Suche und Verwendung und zum Erstellen von Gifs zur Verfügung.

Um die korrekte Aussprache des Wortes herrscht übrigens seit Jahren Uneinigkeit: Sagt man «Gif» oder «Dschif»? Es gibt sogar eine Website, die sich ausschliesslich mit dieser Frage beschäftigt.

Unter dem Hashtag #HappyBirthdayGif finden sich derzeit zahlreiche Gratulanten auf Twitter. Natürlich mit einem Gif.

Ebenfalls von Giphy stammt dieser historische Abriss des Bildformats.

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