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Die Zahlungsbereitschaft wäre da

Der Bund prüft ein Verbot von Downloadportalen. Sinnvoller wäre es, das Angebot sicherzustellen.

Fernsehserien wie «Breaking Bad», «Game Of Thrones» oder «House Of Cards» machen süchtig. Weltweit sind ihnen Millionen Menschen verfallen, sie tauschen den Stoff auf teils zwielichtigen Tauschbörsen oder besorgen ihn sich bei Streamingdiensten. Dafür bezahlen müssen sie nichts.

Kein Wunder, passt das der Unterhaltungsindustrie nicht. Auch der Schweizer Gesetzgeber hat seit längerem ein Auge auf die diversen Plattformen geworfen, die solche Serien in alle Welt verbreiten – nicht zuletzt weil der Download von Filmen in der Schweiz legal ist. Justizministerin Simonetta Sommaruga hat dazu im August 2012 die Arbeitsgruppe zur Optimierung der kollektiven Verwendung von Urheberrechten und verwandten Schutzrechten (AGUR12) einberufen. Am 6. Dezember will das Gremium seinen Schlussbericht vorlegen. Doch schon jetzt sind, laut «NZZ am Sonntag», erste Punkte dieses Berichts publik geworden. Die Rede ist von Verwarnungen für Nutzer und Sperrungen von dubiosen Portalen.

Diese Massnahme würde Seriensüchtige besonders hart treffen. Sieht man sich die beliebtesten Downloads der Plattform Piratebay an, sind unter den Top 10 neun Serien und ein Kinofilm. Geteilt wird also in erster Linie nicht das, was man im Laden kaufen könnte, sondern das, was es hier nicht zu kaufen gibt: nämlich die neusten Folgen von «Walking Dead» oder «How I Met Your Mother».

Schritt in die falsche Richtung

Unbestritten gehen den Produzenten dadurch Einnahmen verloren. Aber nicht, weil die Leute nicht zahlen würden, sondern weil sie nicht zahlen können. Das Verkaufsmodell der Unterhaltungsindustrie ist dermassen rückständig, dass Serienjunkies regelrecht zu den dubiosen Portalen gedrängt werden. Trotzdem ist der Markt in Bewegung geraten.

Spotify und ähnliche Dienste bieten ihre grossen Musiksammlungen mit Werbung gratis an. Wer für die Dienste bezahlt, muss keine Werbung erdulden. Für die meisten Konsumenten sind diese Angebote komfortabler als die Tauschbörsen und werden deshalb auch genutzt. Künstler kritisieren zwar, dass sie dabei zu kurz kämen. Besser als nichts ist es aber alleweil, und wer nicht mitmachen will, muss auch nicht. Im Bereich Video lassen sich jetzt auch in der Schweiz erste ähnliche Angebote beobachten. Teleboy wirbt mit einer Serien-Flatrate, und die Cablecom verkauft Serien kurz nach der amerikanischen Erstausstrahlung. Das Angebot ist zwar noch dünn, aber ein Schritt in die richtige Richtung.

Falsch wäre es dagegen, Tauschportale zu sperren und Nutzer zu verwarnen, ohne ein legales Angebot bereitzustellen. Die Unterhaltungsindustrie sollte ihre Distributionspolitik noch einmal überdenken und die kaufwilligen Nutzer bedienen, anstatt sie verfolgen zu lassen. Die Zahlungsbereitschaft für gute Serien wäre längst da. Nur fehlt das Angebot.

Ein Verbot wäre nicht nur ein falsches, sondern auch ein sinnloses Signal, genau so, wie die Nutzer kontrollieren zu wollen. Selbst wenn die Netzbetreiber mitmachen würden, wird das schnell sehr teuer, wie das Beispiel Frankreich zeigt. Dort wurde zur Verhinderung von Urheberrechtsverletzungen auf Druck von Nicolas Sarkozy 2009 das Hadopi-Programm gestartet. Es kostete viel, brachte wenig und dürfte wieder eingemottet werden. Die Lösung liegt nicht in der Kriminalisierung von Nutzern, sondern darin, den Seriensüchtigen das zu geben, wofür sie mit Freuden auch bezahlen würden.

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