Dieser Schweizer Webdienst hat das E-Mail neu erfunden, oder?

«Sicheres Mail, in der Schweiz zu Hause», so wirbt Protonmail. Der Dienst macht das verschlüsselte Mailen sehr simpel – doch nicht in jedem Fall.

Ein kritischer Blick auf einen Schweizer Maildienst, der Anonymität und Komfort verspricht.
Video: Matthias Schüssler

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Hiesige Software schmückt sich gerne mit jenen Qualitäten, die den Produkten und Dienstleistungen aus der Schweiz gewöhnlich zugeschrieben werden: Zuverlässigkeit und Diskretion – wie es schon bei Asterix und den Helvetiern der Fall war.

Auch Protonmail macht auf Swissness und wirbt mit Diskretion, dem Schutz der Privatsphäre und mit Anonymität. Der Webdienst wurde 2013 am Cern gegründet und wird in Genf betrieben. Das Ziel der Wissenschaftler ist der Schutz der Bürger- und Freiheitsrechte. Die Mails werden so verschlüsselt, dass auch das Unternehmen selbst keinen Zugriff darauf hat und sie entsprechend auch nicht an die Ermittlungsbehörden ausliefern kann.

Protonmail sieht aus wie jedes andere Webmail – doch hier ist mehr Datenschutz eingebaut.

Damit verfolgt Protonmail ein ganz ähnliches Ziel wie der Schweizer Messenger Threema (hier vorgestellt).

Wie Webmail, nur sicher

Protonmail setzt auf Webmail und auf mobile Apps. Die Nutzung mit Mailprogrammen wie Outlook oder Thunderbird ist bislang nicht möglich. Die Webanwendung ist übersichtlich und einfach zu benutzen, bislang aber nicht in Deutsch verfügbar. Sie funktioniert genauso, wie man es von anderen Webmaildiensten wie Bluewin oder GMX gewohnt ist. Um die Verschlüsselung zu nutzen, muss der Anwender keine technischen Kenntnisse mitbringen und auch keine eigenen Vorkehrungen treffen. Mails werden automatisch verschlüsselt verschickt.

Nicht-Protonmail-Nutzer erhalten verschlüsselte Nachrichten nicht direkt in ihre Mailbox.

Jedoch gilt das nur, wenn der Empfänger einer Nachricht seine Mailbox ebenfalls bei Protonmail hat. Sendet man eine Nachricht an Empfänger bei anderen Maildiensten, wird die Nachricht entweder unverschlüsselt gesendet oder aber nur als Link verschickt. Der Empfänger muss sich dann bei Protonmail einloggen und die Nachricht dort lesen und beantworten.

Eine Lösung für Insulaner

Das schränkt die universelle Nutzbarkeit des Mails auf schmerzhafte Weise ein. Golem.de nannte den Dienst daher eine Insellösung. Er ist ideal für die interne Kommunikation in Teams und Organisationen, eignet sich aber weniger für Anwender, die mit vielen unterschiedlichen Leuten überall im Netz kommunizieren. Die eigentliche Stärke ist denn auch die Anonymität: Ein Konto lässt sich ohne Preisgabe von persönlichen Daten nur mit Benutzernamen und Passwort einrichten. Und für die kostenpflichtigen Premium-Preispläne kann man nicht nur per Kreditkarte und Paypal, sondern auch mit der Cryptowährung Bitcoin bezahlen. Der Plus-Account kostet 4 Euro pro Monat und bietet gegenüber dem kostenlosen Konto mehr Speicherplatz und kein Limit von 150 Mails pro Tag.

Mailbox.org kommuniziert ebenfalls verschlüsselt, unterstützt aber den PGP-Standard. Das Video führt Protonmail kurz vor und zeigt auch Alternativen: Sichere Messenger wie Signal, die hier ausführlich vorgestellt wurden, sowie Verschlüsselungs-Erweiterungen wie Enigmal (siehe dazu hier). Eine überzeugende Lösung ist schliesslich auch mailbox.org. Bei diesem Webmaildienst aus Berlin lässt sich die Standardverschlüsselung verwenden. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 16.04.2017, 08:08 Uhr

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Falls Sie ein Anliegen haben, das sich für die Behandlung in unserer neuen Rubrik eignen würde, dann unterbreiten Sie uns das bitte über die Kommentarfunktion oder schreiben Sie an matthias.schuessler@tages-anzeiger.ch.

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