Ex-Reality-Star gibt Ehebruch zu

Der Hackerangriff auf die Seitensprung-Agentur Ashley Madison zwingt einen Prominenten zu einem öffentlichen Geständnis. Derweil werden weitere Daten veröffentlicht.

Heile Welt der «19 Kids and Counting»: Josh Duggar (hintere Reihe, dritter von rechts) betrog seine Frau. (Archivbild)

Heile Welt der «19 Kids and Counting»: Josh Duggar (hintere Reihe, dritter von rechts) betrog seine Frau. (Archivbild) Bild: Beth Hall/Keystone

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Der millionenfache Datenklau bei einer Online-Seitensprung-Agentur hat in den USA einen ersten aufsehenerregenden Einzelfall generiert. Der frühere Reality-TV-Star Josh Duggar gab öffentlich zu, seine Frau betrogen und eine «heimliche Abhängigkeit von Pornografie» zu haben. Er reagierte damit am Donnerstag auf die Enthüllung seiner E-Mail-Adresse aus dem Bestand der Seitensprung-Agentur Ashley Madison. Die Daten waren von Hackern veröffentlicht worden.

Der 27-jährige Duggar, ältestes von 19 Kindern in der Familienidyllen-Realityshow «19 Kids and Counting», bezichtigte sich als den «grössten Heuchler aller Zeiten», da er ein Doppelleben geführt habe, in dem er öffentlich für Familienwerte und Treue in der Ehe eingetreten sei, heimlich aber Pornos geschaut und seine Frau betrogen habe. Die Erklärung wurde kurz darauf von der Familien-Webseite entfernt. Ein Sprecher der Familie wollte sich dazu nicht äussern.

(Video: Youtube/ABC News)

Schwestern und Babysitter belästigt

Vor einigen Monaten hatte Duggar bereits zugegeben, als Teenager vier seiner Schwestern und einen Babysitter belästigt zu haben. Der Sender TLC setzte daraufhin im Mai die Reality-Show ab, die bis dahin eine Quotenhit war.

Es werden noch weitere derartige Enthüllungen erwartet. Journalisten in mehreren Ländern durchforsten derzeit die veröffentlichten Daten der Seitensprungagentur nach Prominenten und Politikern; in den USA droht etlichen Mitarbeitern von Streitkräften und Behörden Ungemach, die mit ihren Dienstadressen registriert waren. Ein Familienanwalt in Los Angeles, Steve Mindel, sagte, ihm und seinen Kollegen winkten jede Menge Aufträge. «Wir sagen alle: Das wird ein Weihnachten im September.» Bald werde alles ans Licht kommen «und als direktes Ergebnis wird es viele Anträge auf Scheidung geben.»

Hacker veröffentlichen weitere Daten

Von dem Seitensprung-Portal Ashley Madison haben Hacker erneut massenhaft entwendete Daten veröffentlicht. Das nun veröffentlichte Datenpaket scheine ebenfalls echt zu sein, erklärte Trusted Sec, ein Unternehmen für Internetsicherheit, am Donnerstag in einem Blog.

Es enthalte offenbar alle Geschäfts-E-Mails von Portal-Chef Noel Biderman sowie die Quellcodes für alle Internetseiten, mobile Anwendungen und andere Informationen über Ashley Madison.

Die Medien-Website Motherboard berichtete, das Datenpaket sei etwa 20 Gigabyte gross und damit doppelt so umfangreich wie die am Dienstag veröffentlichten Daten. Auch dieses Mal wurden die Daten im sogenannten Darknet, einem Netz anonymer Untergrundseiten, veröffentlicht, das nicht leicht zugänglich ist.

Das neue Datenpaket war mit einer Botschaft an den Chef des kanadischen Portal-Betreibers Avid Life Media (ALM), Biderman, versehen, der die Echtheit des zuerst veröffentlichten Datenpakets angezweifelt hatte. «Hey Noel, Du kannst jetzt zugeben, dass es echt ist», hiess es darin.

Trusted Sec hob hervor, dass die neue Veröffentlichung schwerwiegende Sicherheitsrisiken für Ashley Madison berge. «Mit den komplett vorliegenden Quellcodes sind andere Hackergruppen jetzt in der Lage, neue Schlupflöcher in den Websites von Avid Life zu finden und noch mehr Schaden anzurichten», hiess es in dem Blog der Sicherheitsfirma.

15'000 Nutzer betroffen

Am Dienstag hatte eine Hackergruppe, die sich Impact Team nennt, die Daten von rund 32 Millionen Nutzern des Seitensprung-Portals ins Darknet gestellt. Die Gruppe hatte die Daten bereits vor mindestens einem Monat gestohlen und mit ihrer Veröffentlichung gedroht, sollte das «Betrüger»-Portal nicht «umgehend und dauerhaft» geschlossen werden.

Experten für Internetsicherheit stuften die veröffentlichten Daten, darunter Nutzernamen, Passwörter, die letzten vier Kreditkartennummern, Strassennamen, E-Mail-Adressen und Telefonnummern, als echt ein. Auch rund 15'000 Nutzer mit Regierungs- oder Militäradressen sollen betroffen sein.

US-Verteidigungsminister Ashton Carter sagte dazu, das Pentagon prüfe, ob Armeeangehörige in dem Portal aktiv gewesen seien. In der US-Armee kann Verhalten wie Ehebruch bestraft werden. «Ich bin darüber auf dem Laufenden – natürlich ist das ein Thema, weil das Verhalten sehr wichtig ist», sagte Carter auf Nachfrage. «Und wir erwarten ein gutes Verhalten von unseren Leuten.» (chk/sda/AP)

Erstellt: 21.08.2015, 03:30 Uhr

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