Fake-News: Google handelt, Facebook zieht nach

Der Anteil von Facebook an Trumps Sieg wurde offenbar unterschätzt – und das Problem von Fake-News von Mark Zuckerberg trotz interner Bedenken kleingeredet.

Mark Zuckerberg sagt, es gebe kaum ein Problem mit Fake-News – obwohl intern offenbar Gegenmassnahmen geprüft worden waren.

Mark Zuckerberg sagt, es gebe kaum ein Problem mit Fake-News – obwohl intern offenbar Gegenmassnahmen geprüft worden waren. Bild: Stephen Lam/Reuters

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Nach dem Wahlsieg Trumps stehen die sozialen Medien weiterhin in der Kritik. Von Trumps «versteckter Facebook-Armee» spricht die BBC. Während die Meinungsforscher spektakulär falsch lagen, hätten sich die Trump-Wähler auf Facebook klar zu erkennen gegeben.

Dort haben Tausende von Trump-Anhängern mit eigenen Seiten für Trump geworben. Manche erreichen nur wenige Hundert Leute, doch andere, zum Beispiel die Amerikanischen Patrioten für Donald J. Trump, können Hunderttausende mobilisieren. Es gibt keinen anderen Ort, wo man positiv über Trump diskutieren könne, sagte die Betreiberin einer solchen Seite der BBC. Gegenüber Freunden und Familie hätten sich viele nicht getraut, sich zu Trump zu bekennen. Eine schon etwas ältere Studie besagt, dass bei dieser Präsidentschaftswahl 62 Prozent der Amerikaner Nachrichten von sozialen Medien bezogen haben und 18 Prozent häufig Facebook und Co. konsultieren.

Filterblase, falsche News

Allerdings sind die auf Facebook kursierenden Nachrichten nach Vorlieben der Leser gefiltert – Stichwort Filterblase – oder schlicht falsch. Wegen dieser Fake-News musste sich Facebook-Chef Mark Zuckerberg letzte Woche rechtfertigen. In einem Post auf seiner eigenen Plattform schrieb Zuckerberg, mehr als 99 Prozent aller Meldungen, die die Leute sehen würden, seien authentisch. «Nur ein ganz kleiner Teil sind Zeitungsenten und Schabernack. Und die Falschmeldungen beschränken sich nicht auf eine Partei oder nur auf die Politik.»

Zuckerberg als gebranntes Kind

«Gizmodo» schreibt nun, dass entgegen diesem öffentlichen Abwiegeln Facebook sehr wohl beunruhigt über die Falschmeldungen ist. Es gebe seit Mai eine interne Debatte darüber, ob das Netzwerk die Pflicht habe, Fehlinformationen zu stoppen.

Gemäss einer gut informierten Quelle hat Facebook demnach viele Produkte und Strategien geprüft, mit denen sich dieser Eindruck der politischen Voreingenommenheit vermeiden liesse. Ein Plan war, falsche und irreführende Meldungen zu kennzeichnen. Von dieser Bereinigung wären rechtsstehende Newssites überproportional betroffen gewesen. Das Update ist auf Eis gelegt worden – die Gründe dafür sind «Gizmodo» nicht bekannt. Ebenfalls offen ist, anhand welcher Merkmale Nachrichten als falsch erkannt worden wären. Diese Aufgabe stellt Facebook offensichtlich vor Probleme, wie der Chef des Facebook-Newsfeeds, Adam Mosseri in einem Interview mit TechCrunch erklärte: «Wir können nicht alles lesen und überprüfen.»

Die «New York Times» wiederum vertritt die Ansicht, Facebook sei durch den Disput über die Trending Topics so eingeschüchtert gewesen, dass man sich nicht getraut habe, sich erneut mit den Meinungsmachern aus dem rechten Lager anzulegen. Der Hintergrund dazu: Im Mai hatte Facebook die für die Trending Topics zuständigen Redaktoren abgeschafft. Der Vorwurf lautete damals, sie würden konservative Ansichten unterdrücken. Diese Trending Topics, also die Top-Geschichten des Tages, erscheinen (nur in den USA) in der rechten Spalte und werden nun durch Algorithmen ausgewählt – wobei allerdings direkt beim Start eine Ente über die Fernsehmoderatorin Megyn Kelly Verbreitung fand.

Google will Fake-Newssites die Einnahmen abdrehen

Alphabet, der Mutterkonzern von Google, will nun seinerseits gegen Fake-News vorgehen. Das «Wall Street Journal» weiss, dass Plattformen, die mehrheitlich falsche Nachrichten verbreiten, künftig vom Werbeprogramm Adsense ausgeschlossen werden sollen. Das würde die Einkünfte solcher Sites markant schmälern.

Google will falsche Meldungen anhand der Quelle erkennen und den Bann daran festmachen, dass Websites falsche Angaben über den Herausgeber, den veröffentlichten Inhalt oder den vorrangigen Zweck der Site machen, wie eine Google-Mediensprecherin bekannt gab.

Dieser Schritt hat nun wiederum Facebook zu einer Kehrtwende bewogen, wie Theverge.com rapportiert: Auch Facebook will Websites von seinem Werbeprogramm aussperren, wenn sie falsche Nachrichten verbreiten. Allerdings wird dieser Schritt das Problem nicht lösen, kommentiert «The Verge», weil die Verbreiter zwar auf Werbeeinnahmen verzichten müssen, jedoch weiterhin ein Millionenpublikum erreichen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 15.11.2016, 10:56 Uhr

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