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Gaming vor Publikum

Youtube will angeblich das Spielefernsehen Twitch für eine Milliarde Dollar kaufen. Wieso – und was ist Twitch eigentlich genau?

Auch Kurzfilme lassen sich auf Twitch schauen, so etwa die Spielerdokumentation «The Art of the Game»: Eine Mitarbeiterin bei der Arbeit an der Produktion.
Auch Kurzfilme lassen sich auf Twitch schauen, so etwa die Spielerdokumentation «The Art of the Game»: Eine Mitarbeiterin bei der Arbeit an der Produktion.
AP, 2K Games
Eine Auswahl an Fernsehsendern: Kanalübersicht zum Titel «Starcraft».
Eine Auswahl an Fernsehsendern: Kanalübersicht zum Titel «Starcraft».
Screenshot twitch.tv (TA)
Auch Talksendungen sind im Angebot: Momentaufnahme aktueller Topkanäle auf der Twitch-Website.
Auch Talksendungen sind im Angebot: Momentaufnahme aktueller Topkanäle auf der Twitch-Website.
Screenshot twitch.tv (TA)
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Google erwirbt gerüchteweiseden Onlinedienst Twitchfür rund eine Milliarde Dollar. Laut Medienberichten erhielt das Jungunternehmen aus San Francisco von Google das beste Übernahmeangebot, lukrativer als unter anderem dasjenige von Microsoft. Während der Kaufpreis angeblich bereits feststeht, ist die Übernahme allerdings offiziell noch nicht bestätigt.

Subkultur bei Youtube

Dass gerade Google als Besitzer der Videoplattform Youtube bei Twitch zuschlägt, ist kein Zufall. Twitch ist ein Onlinedienst, der Gamer ihre Videospielpartien live über das Internet mit anderen teilen lässt. Bereits jetzt ist diese Art von «Spielefernsehen» bei jüngeren Youtube-Nutzern gefragt. Sich beim Spielen von Videogames aufzuzeichnen und das Ergebnis auf Youtube zu stellen, ist populär. Der Begriff dafür heisst «Let's Play». Eine Suchanfrage danach liefert allein auf Youtube 24 Millionen Treffer. Mit dem Livestreaming, also der Übertragung laufender Spielpartien, bringen Plattformen wie Twitch oder Ustream das Prinzip näher ans Livefernsehen heran. Wie bei Sportübertragungen schauen Videospielfreunde ihren Kollegen live beim Spielen zu.

Ein Clou dabei ist, dass ähnlich wie bei Youtube jeder Nutzer ein Sender – bei Twitch «Broadcaster» genannt – sein kann, eine Verbindung mit genügender Bandbreite vorausgesetzt. Dass anteilsmässig immer mehr Internetnutzer über solche Verbindungen verfügen, hat den Erfolg der 2011 lancierten Plattform begünstigt. Bereits jetzt ist das Unternehmen für einen beträchtlichen Anteil des US-amerikanischen Internetverkehrs verantwortlich.

Wie wichtig Gamern das Teilen und Betrachten solcher Videos inzwischen ist, zeigt die neuste Generation von Spielkonsolen. Sowohl Sonys Playstation 4 als auch Microsofts Xbox One haben Twitch in ihre Geräte integriert. Auf beiden Konsolen können Nutzer ihre eigenen Spiele übertragen oder sehen in einer Kanalauswahl, in welche weltweit laufenden Spielpartien sie sich einklinken können. Playstation-Nutzer besitzen auf dem Spielcontroller mittlerweile einen Knopf eigens für das Teilen von Spielaufzeichnungen.

Mitschauen und mitreden

Die eifrigsten Nutzer von Gamestreaming finden sich in der E-Sport-Szene, also bei Spielern, die Online-Multiplayergames wettkampfmässig betreiben. Mitverantwortlich für die Popularität des Gamestreaming ist die Interaktivität: Die Zuschauer kommentieren über einen Livechat das Geschehen und steigen auf Wunsch als Spieler in eine Partie ein. Je nach Popularität eines Broadcasters hat ein Spielstream von einer Handvoll bis zu einigen Hundert Zuschauern oder mehr. Zu den Features gehört je nach Anbieter auch die Möglichkeit, in laufende Spiele einzugreifen, zum Beispiel via Abstimmungen unter den Zuschauern.

Haupteinnahmequelle für den Onlinedienst sind wie für Youtube kurze Werbespots, die den Videos vorgeschaltet werden. Mittlerweile weist Twitch rund 45 Millionen monatlich aktive Nutzer aus, von denen zuletzt über eine halbe Million nicht nur zuschauten, sondern auch ihre eigenen Spielsessions übertrugen. Twitch selbst spricht von einem Gesamtmarkt von 300 Millionen Menschen, die online Videos von Spielen betrachten. Glaubt man den Angaben des Unternehmens, konkurriert der Dienst längst mit dem Fernsehkonsum seiner Nutzer: Diese würden am Tag im Schnitt 95 Minuten lang anderen beim Spielen zuschauen.

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