iCloud könnte Mobilfunknetz zusätzlich belasten

Apple wird am Montag iCloud vorstellen. Der Musikstreaming-Dienst könnte auch die Schweizer Mobilfunknetz-Anbieter herausfordern, wenn iPhone-Nutzer zu Pendlerzeiten im grossen Stil Songs streamen.

iTunes-Bibliothek immer und überall abspielen: Steve Jobs wird am 6. Juni den Streamingdienst iCloud vorstellen.

iTunes-Bibliothek immer und überall abspielen: Steve Jobs wird am 6. Juni den Streamingdienst iCloud vorstellen. Bild: AFP

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Apple-Chef Steve Jobs persönlich dürfte am Montag an der Worldwide Developers Conference in San Francisco iCloud vorstellen: Der Musikdienst ermöglicht Nutzern, via Zugriff auf einen Server jederzeit und überall aus dem Internet ihre Songs auf ein Gerät zu streamen.

«Grosse Herausforderung»

iPhone-Nutzer müssen so ihre Musikbibliothek nicht mehr auf das Smartphone laden. Haben sie keinen Zugriff auf ein WLAN-Netz, werden sie die Musik übers Mobilfunknetz streamen. Die jetzt schon an ihre Grenzen stossenden Netze müssten damit gerade zu Pendlerzeiten eine weitere Datenmenge verkraften. «Die Verbreitung von Smartphones und die damit verbundenen neuen mobilen Onlinedienste – beispielsweise das angekündigte Angebot von Apple – sind natürlich eine Herausforderung an die bestehenden Mobilfunknetze», antwortet Swisscom-Mediensprecher Olaf Schulze auf die Anfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnet.

Datenvolumen verdoppelt sich alle sieben Monate

Das Datenvolumen im Swisscom-Mobilfunknetz verdopple sich rund alle sieben Monate. Um damit Schritt zu halten, investiert das Telekomunternehmen nach eigenen Angaben jährlich einen dreistelligen Millionenbetrag in den Ausbau des mobilen Netzes. «So haben wir begonnen, unser Netz an Punkten mit einer sehr hohen Nutzung auf Kapazitäten von 42 MBit/s auszubauen. Neue Technologien wie LTE bieten weitere Möglichkeiten für schnelle Datenverbindungen unterwegs.» Tagesanzeiger.ch/Newsnet hat auch bei Orange angefragt, jedoch noch keine Antwort erhalten.

«Bei Musik fallen weniger Daten an»

Auch der Schweizer IT-Experte Robert Weiss geht von einem höheren Bandbreitenbedarf aus. «Allerdings werden bei der Übertragung die Daten komprimiert und oft auch verschlüsselt, die Qualität wird dem jeweiligen Gerät angepasst. Bei Musik fallen im Gegensatz zu Video auch viel weniger Daten an», sagt Weiss.

Bereits im Februar berichtete Tagesanzeiger.ch/Newsnet über den Datenstau im Schweizer Mobilfunknetz – vor allem zu Pendlerzeiten. Weil Nutzer parallel Videos herunterladen, Mails abrufen und im Hintergrund auch noch der Browser läuft, kommt es zu teils massiven Verzögerungen.

Plattenfirmen ziehen bei iCloud mit

Branchenweit wird dem erwarteten Dienst iCloud, mit dem Apple nach Google und Amazon in die Datenwolke folgt, ein grosses Potenzial prophezeit. Mit dem Erfolg des iTunes im Hintergrund konnte Apple laut «Wall Street Journal» bereits mit den drei Musikkonzernen Warner Music, Sony Music, EMI und gemäss Cnet.com zuletzt auch mit Universal Lizenzabkommen abschliessen. Der Dienst könnte neben Musik in Zukunft auch Videos beinhalten. Für den Clouddienst hat Apple in den vergangenen Monaten in North Carolina ein Rechenzentrum aufgebaut.

Streaming nur mit gekauften iTunes-Songs möglich?

US-Medien und -Blogs spekulieren, wie iCloud funktionieren könnte. Appleinsider.com geht davon aus, dass man gekaufte iTunes-Songs jederzeit online ablegen und dann von jedem Geräte streamen kann. Gemäss dem «Wall Street Journal» funktioniert die iCloud nach dem Scan-and-match-Verfahren: iCloud gleicht die persönliche iTunes-Musiksammlung mit einer Bibliothek in der Cloud ab.

Gemäss Cnet wird es zum Start nur möglich sein, Songs in der Cloud zu speichern, die man bei iTunes gekauft hat. Zu einem späteren Zeitpunkt soll es gegen eine Jahresgebühr von 25 Dollar möglich sein, sämtliches Musikmaterial auf den Servern zu speichern. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 03.06.2011, 16:23 Uhr

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