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Julian Assange sieht sich weiter verfolgt

Der Wikileaks-Gründer hat seine Entscheidung verteidigt, Dritten die ungefilterten Depeschen der US-Botschaften zugänglich gemacht zu haben.

«Wären wir das Risiko nicht eingegangen, dann hätte es möglicherweise gar keine Veröffentlichungen gegeben»: Julian Assange rechtfertigt sich.
«Wären wir das Risiko nicht eingegangen, dann hätte es möglicherweise gar keine Veröffentlichungen gegeben»: Julian Assange rechtfertigt sich.
Keystone

Wikileaks-Gründer Julian Assange hat seine Entscheidung verteidigt, Dritten die ungefilterten Depeschen der US-Botschaften zugänglich gemacht zu haben. «Damals hatten Task-Forces von Pentagon und CIA die Vernichtung des Materials angestrebt», sagte Assange am Dienstag per Videokonferenz auf der Berliner Medienwoche. «Wären wir das Risiko nicht eingegangen, dann hätte es möglicherweise gar keine Veröffentlichungen gegeben.»

Wikileaks hatte die verschlüsselte Datei ursprünglich mit einem Passwort geschützt, dies aber beispielsweise dem «Guardian» mitgeteilt. David Leigh, Reporter der britischen Zeitung, hatte das Passwort schliesslich im Februar in einem Buch genannt - er dachte, das Passwort sei gar nicht mehr gültig. Laut Assange habe zudem «jemand aus Berlin» das Passwort in Umlauf gebracht. Zusätzlich lagen die Dateien versteckt im Netz.

250'000 Dokumente ungeschwärzt

Damit kursierten schliesslich die Depeschen, ohne dass wie üblich gefährdete Personen anonymisiert wurden. Wikileaks veröffentlichte die insgesamt mehr als 250'000 Dokumente letztlich auch selbst ungeschwärzt, um sich aus dem Druck der Öffentlichkeit zu befreien.

Assange sagte dazu, da das Material so ohnehin ungefiltert im Umlauf gewesen sei, sei damit niemand mehr zusätzlich gefährdet worden.

Festhalten an Medien-Kooperationen fest

Assange bedauerte zwar, dass der «Guardian» klar gegen seinen Vertrag mit Wikileaks verstossen habe, denn ohne diese Veröffentlichung sei das «alles nicht passiert». Das bedeute aber nicht, dass der «Guardian» generell schlecht arbeite. «Alle Kooperationen mit den Medien, mit denen wir bisher zusammengearbeitet haben, stehen weiterhin», sagte Assange.

Er sehe zwar nach wie vor, dass einige Medien lieber auf Schlagzeilen aus seien, die sich gut verkauften, statt die Wahrheit zu erzählen, sagte Assange. Dennoch lohne es sich nach wie vor, klassische Medien zu unterstützen. Es sei schliesslich die gemeinsame Aufgabe von Wikileaks als auch klassischer Medien, «den Menschen zu erklären, wie die Welt funktioniert und wer mächtig ist». Er setze seinen Kurs daher fort.

«Weil ich ein australischer Bürger bin»

Assange war von einem Landsitz nahe London zu einer Videokonferenz im Rahmen der Medienwoche an den Berliner Funkturm geschaltet worden. Er steht dort seit etwa neun Monaten unter Arrest, bis ein Londoner Gericht über seine Auslieferung nach Schweden entscheidet. Schwedische Ermittler werfen ihm sexuelle Nötigung vor.

In der Videokonferenz nährte er unterdessen weiter Verschwörungstheorien. So habe Australien umfassende Ermittlungen gegen ihn eingeleitet, an denen nicht zuletzt auch Geheimdienste beteiligt seien. «Das passiert nicht, weil wir etwa in Australien veröffentlichen oder dort unsere Server stünden - beides ist nicht der Fall. Das geschieht allein, weil ich ein australischer Bürger bin», sagte Assange. Das zeige, wie eng Australien gegen ihn mit den USA kooperiere.

Vorwüfe an Mastercard und Visa

Assange beklagte sich zudem erneut darüber, dass Kreditkartenfirmen wie Mastercard und Visa verhinderten, Spenden an Wikileaks weiterzuleiten. Dies habe bisweilen 90 Prozent aller Einnahmen von Wikileaks vernichtet. «Auch das zeigt, wie stark die Verbindung zwischen den politischen, den geheimdienstlichen und den finanziellen Mächten ist», sagte Assange. «Sie können Geld an den Ku-Klux-Klan überweisen, aber nicht an uns, eine Organisation, die sich für die freie Meinungsäusserung engagiert.»

dapd/rek

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