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Lara Gut, die FAZ und der Kampf um Anstand

Das Moderieren und Kontrollieren von User-Kommentaren auf Nachrichtensites ist ein Knochenjob. Aber ein lohnender.

Michael Marti
Im Netz attackiert für ihre kritischen Bemerkungen zu Sotschi: Lara Gut.
Im Netz attackiert für ihre kritischen Bemerkungen zu Sotschi: Lara Gut.
Keystone
Gut begleiten gemischte Gefühle nach Sotschi.
Gut begleiten gemischte Gefühle nach Sotschi.
Keystone
Die Schweizerin will die Probleme jedoch ausblenden und auf den Skiern Vollgas geben.
Die Schweizerin will die Probleme jedoch ausblenden und auf den Skiern Vollgas geben.
Keystone
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Unsere Skikanone Lara Gut kam dieser Tage in Deutschland unter heftigen Beschuss. Ihre Äusserungen zum ihrer Meinung nach fragwürdigen olympischen Wintersportspektakel in der Hochsicherheitszone Sotschi, aufgegriffen von der Internetausgabe der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung», gerieten Onlinekommentatoren in den falschen Hals. Wenig charmant wurde die engagierte Sicht der 22-jährigen Athletin von Faz.net-Usern als «gehirngewaschenes Geschwafel eines hübschen Skibunnys» abgetan, die Sportlerin selber unfair angerempelt, wüst beleidigt gar.

Gerne griff die deutsche Website der «Huffington Post» den Fall auf. Nicht aus Mitleid mit der Tessiner Medaillenfavoritin oder aus Sympathie für ihre Argumente. Vielmehr aus Häme darüber, dass sich diese Pöbeleien ausgerechnet auf dem Digitalterrain der altehrwürdigen «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» abspielten, dass auch die FAZ, die sich selber gern als Bastion bürgerlichen Anstandes sieht, vor solchen Diskurs-Hooligans nicht sicher ist.

Keine Schadenfreude

Indes: Schadenfreude ist fehl am Platz. Es geht um etwas ganz anderes. Darum, dass die Redaktionen, die Medienmarken, sich entschlossen gegen Randale in den Kommentarspalten zur Wehr setzen müssen. Aber nicht, indem sie auf die Feedback-Funktion verzichten. Und damit wegen der wenigen, die sich nicht benehmen mögen, die vielen aussperren, die gesittet und mit Gewinn eine Diskussion führen wollen und können.

So würde man mächtige und wertvolle Qualitäten des Mediums vorschnell preisgeben: die Interaktivität, die Ermöglichung von Partizipation, das Schaffen von Nähe und Loyalität. Vielmehr müssen die Onlinemedien sich eingestehen, dass das Freischalten, das Moderieren, allenfalls das Sperren von User-Kommentaren eine redaktionelle Aufgabe ist wie andere auch. Ein Knochenjob zuweilen, aber ein verdienstvoller, ein Knochenjob im Dienste der Anständigen und der Anständigkeit.

Genügend Ressourcen

Ein professionelles Community-Management verlangt eine technische Infrastruktur, ein spezielles Know-how und vor allem: genügend Ressourcen. User-Statements dürfen nicht unkontrolliert auf die Website gelangen, so wie generell Inhalte nicht unbesehen von einer ernst zu nehmenden Redaktion publiziert werden.

Dabei passieren Fehler, auch bei Redaktion Tamedia war dies schon der Fall. Dann hat man sich allenfalls zu entschuldigen, in jedem Fall aber gilt es, abermals die Kontrollen zu verbessern.

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