Malen nach Zahlen mal anders

Tausende Menschen haben zusammen ein Roboter-Gemälde gemalt. Twitch plays Pokemon lässt grüssen.

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Der Roboter, der gleichzeitig Maler und Staffelei ersetzt, war günstig. Rund 200 Franken hat der Amerikaner Chris Chen nach eigener Aussage ausgegeben, um die nötige Hardware zu erstehen. Sein Unternehmen Instapainting verdient normalerweise Geld damit, echte Gemälde aufgrund digitaler Bilder zu erstellen. Dann wagte der Gründer ein Experiment: Was wäre, wenn statt eines Künstlers Tausende Menschen gleichzeitig an einem Kunstwerk mitschaffen? Viele Maler verderben das Bild?

Versuche mit Robotermalern gab es bereits früher, Schlagzeilen machten etwa e-David oder die Live-Darbietung des Wiener Künstlers Alex Kiessling. Anders als beim Instapainting-Projekt war jedoch nie das Publikum federführend. Bei diesem dirigierten die Zuschauer den Pinsel. Das funktionierte via Live-Video und eine Textbefehlzeile, über die jeder Zuschauer beliebige Zahlenbefehle eingeben konnte, im Stil von «left 20 up 50 brush 80». Der Roboter zeichnete anschliessend getreu nach Befehl Linien und Kleckse. Das Experiment lief über den Streamingdienst Twitch, der auf Videospiel-Übertragungen spezialisiert ist.

Die Idee erinnert an Twitch plays Pokemon. Nach ähnlichem Prinzip hatten hier 2014 eine Viertelmillion Menschen dasselbe Spiel gespielt – gleichzeitig. Zeitweise waren Zehntausende von Spielern gleichzeitig aktiv beim Versuch, als Schwarm das Spiel erfolgreich zu Ende zu bringen. Die Folge war eine chaotische Flut von Befehlen, die die Spielfigur scheinbar unkontrolliert herumtorkeln liess. Umso erstaunlicher war das Resultat. Die Spielergemeinde schaffte es nach 16 Tagen tatsächlich, das Game bis zum Ende durchzuspielen.

Das Resultat des Instapainting-Experiments? Wie schon bei Twitch plays Pokemon hat das Publikum ein unkoordiniertes Chaos an Befehlen abgegeben, ohne erkennbaren gestaltenden Willen. Anders als beim Spiel ist das Instapainting-Gemälde aber nichts binäres, sondern ein annähernd zufälliges Bild. Durch unzählige überlappende Pinselstriche ist es grösstenteils dunkelbraun bis schwarz, was nichts über den Ursprung des Werks aussagt. Dafür müsste man Schicht um Schicht des Bilds abtragen – und würde dabei wohl vergeblich nach etwas Wiedererkennbarem suchen. (jro)

Erstellt: 11.12.2015, 13:59 Uhr

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