Mit «crowdmapping» gegen die Mafia

Eine Gruppe italienischer Politologiestudenten hat genug: Mit der nutzerbasierten App Mafiamaps wollen sie die Machenschaften der Mafiaclans sichtbar und ihnen somit das Leben schwerer machen.

Sehen, wo in der Umgebung die Mafia aktiv ist: Illustration der App. Bild: Mafiamaps (22. Mai 2015)

Sehen, wo in der Umgebung die Mafia aktiv ist: Illustration der App. Bild: Mafiamaps (22. Mai 2015)

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Der Mailänder Politologiestudent Pierpaolo Farina lanciert mit Mafiamaps eine neue Front gegen die Mafia: Mit rund 20 Kollegen arbeitet er an der Entwicklung einer nutzerbasierten App zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität.

«Um die Mafia zu bekämpfen, muss man sie erst einmal kennen.»Pierpaolo Farina

Während ihres Studiums in Soziologie der organisierten Kriminalität fiel den Mittzwanzigern auf, dass es trotz unzähligen Forschungsarbeiten keine strukturierte Ordnung des Wissens über die Mafia gibt.

Deshalb gründeten sie vor zweieinhalb Jahren Wikimafia, ein Onlinelexikon mit bislang über 1200 Einträgen zu den einzelnen Mafiaclans, ihrer historischen Entwicklung, internen Machtstrukturen sowie der Einflussnahme auf die Verwaltung und Privatwirtschaft.

Tugend aus der Not

Wikimafia hatte allerdings einen Nachteil: Um überhaupt zu einer Information zu gelangen, musste man bereits wissen, wonach man suchte. Denn im Lexikon gab es keine Browsefunktion. Doch die Studenten wollten zeigen, dass die Mafia in Italien omnipräsent und näher ist, als die Leute denken.

Um die geografischen Zusammenhänge der einzelnen Mafiaclans aufzuzeigen, wollten die Studenten die Einträge des Lexikons kartieren. Doch dann hatten sie eine bessere Idee: Anstatt selber die Einträge des Lexikons in einer Karte zu veröffentlichen, wollten die Studenten mit Mafiamaps den Nutzern ermöglichen, die Einträge selbst zu verfassen. Das Geld dafür sammelten sie via Crowdfunding.

Eine App gegen die Mafia: Crowdfundingaufruf für Mafiamaps. Video: Youtube / Wikimafia – Libera Enciclopedia sulle Mafie (20. März 2015)

Die App gibt an, wo die wichtigsten Einflussgebiete der Mafia sind, wann und von wem Schutzgeld erpresst wurde, Leute getötet, oder verhaftet wurden. Auf der andern Seite sammelt sie aber auch Informationen über Projekte und Veranstaltungen von Anti-Mafia-Organisationen.

Angestrebte Funktionen:

  • Einflussgebiete der Mafia in der Umgebung orten
  • Einsehen, wo und wann Mafiaverbrechen stattfanden
  • Institutionen finden, die bedrohten Bürgern helfen
  • Gebäude finden, die von der Mafia an den Staat gingen
  • Die unterschiedlichen Clans mit unterschiedlichen Farben markieren

Zudem helfen Symbole wie Handschellen, Pistolen, Gebäude oder Männchen in der Karte bei der schnellen Orientierung.

Vom Detail ins Allgemeine

«Bei jedem Eintrag starten wir mit den gerichtlichen Untersuchungsakten. Dadurch erhalten wir präzise Daten wie Namen, Delikte und Tatorte», erklärte Pierpaolo Farina gegenüber Civic Hall, «danach breiten wir den Fokus aus und hören uns um, sprechen mit Opfern sowie Zeugen und verifizieren die Fakten.»

Da die Studenten nicht ganz Italien auf einmal in Mafiamaps integrieren können, gehen sie Schritt für Schritt vor.

«Wir wollen die Mafia für jeden sichtbar machen, Stadt für Stadt, Region für Region.»Pierpaolo Farina

Mit den ersten 10'000 Euro, die sie durch den Spendenaufruf erhalten haben, kartieren sie die Lombardei. Mit der nächsten Spendenrunde wollen sie zwei weitere Regionen in die App integrieren. Gesamthaft rechnen sie mit 100'000 Euro für alle 20 Regionen Italiens. Morgen endet die erste Spendenrunde und es sind bereits über 15'000 Euro zusammengekommen:

Die Macher sind von der Schlagkraft ihrer App überzeugt. Die nächste Generation werde in der Lage sein, die Mafia effektiv und nachhaltig zu bekämpfen, da sie auf ein grosses Wissen zurückgreifen werden könne.

Erstellt: 22.05.2015, 16:30 Uhr

Bild: Twitter / Pierpaolo Farina

Zur Person

Pierpaolo Farina

Mit dem Hashtag #mappiamolitutti treibt der 26-jährige Student Pierpaolo Farina zusammen mit seinen Kollegen die Arbeit an der virtuellen Landkarte voran.

Vor drei Jahren starteten er und sein Team das Projekt Wikimafia, eine Internet-Enzyklopädie mit über 1200 Einträgen.

Er studierte Soziologie an der Universität Mailand.

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