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Mit Nutzern allein verdient Facebook kein Geld

Die Risiken für das soziale Netzwerk sind gestiegen. Ein Problem: Die Machtfülle von Mark Zuckerberg.

Über 900 Millionen Nutzer sind angemeldet: Facebook wächst immer noch.
Über 900 Millionen Nutzer sind angemeldet: Facebook wächst immer noch.
Keystone

Facebook hat das Zeug, zu einem wirklich angesehenen und innovativen Unternehmen zu werden. Die Zahl der Nutzer könnte von gut 900 Millionen auf 1,5 Milliarden wachsen; und der Umsatz könnte in den nächsten fünf Jahren um das Dreifache auf 14 Milliarden Dollar steigen. Völlig unklar ist aber, ob Mark Zuckerberg die Abhängigkeit von Onlinewerbeanzeigen und -spielen ablegen und das Unternehmen zu einer vertrauenswürdigen Plattform für mobile Nutzer ausbauen kann.

Wie fragil das Geschäftsmodell ist, zeigt der Quartalsabschluss von Zynga. Der Entwickler von Onlinespielen musste zusehen, wie die Zahl der Spieler innert weniger Monate um 50 bis 70 Prozent absackte und neue Angebote beim Publikum durchfielen. Facebook ist direkt von diesem Kollaps betroffen, zweigt es doch rund 15 Prozent der Gewinne von den Zynga ab. Diese Abhängigkeit sei ein grosser Risikofaktor, schreibt die Credit Suisse in ihrer ersten Analyse von Facebook. Erwartet wird, dass ein Spieler in fünf Jahren noch 88 Dollar für virtuelle Güter aufwendet, verglichen mit 160 Dollar heute.

Facebook ist im Rückstand

Auch der andere Einnahmenpfeiler, die Onlinewerbeanzeigen, ist gefährdet. Internetwerbung ist nicht die rasant drehende Gewinnmaschine, für die sie einmal gehalten wurde. Facebook erzielt damit weniger als 4 Milliarden Dollar Umsatz, obwohl mehr als 900 Millionen Nutzer angemeldet sind. Dafür ist der Rückstand bei der Monetarisierung der mobilen Nutzer verantwortlich. Das erste mobile Angebot stellte Zuckerberg im vergangenen März vor, kurz vor dem Börsengang und weit später als Google, Twitter oder Linkedin.

Wie gravierend dieser Rückstand ist, zeigt die Demografie der Nutzer von Facebook. Heute klinken sich 54 Prozent von ihnen über ein mobiles Gerät ein, ohne dass Facebook sie werbemässig richtig nutzen kann. Die Experten der Credit Suisse schätzen, dass sich schon in fünf Jahren 96 Prozent aller Nutzer mobil einklinken werden. Wenn es Zuckerberg nicht gelingt, diesen fundamentalen Wandel mitzumachen, steht Facebook – trotz der immensen Reichweite – finanziell auf einem höchst instabilen Untergrund.

Zuckerberg weiss um diese Schwäche und hat sie ansatzweise behoben. Er kaufte kurz vor dem Börsengang den Online-Fototreffpunkt Instagram für 1 Milliarde. Der Deal kam im letzten Moment zustande – er sei durch Zuckerbergs Paranoia getrieben gewesen, berichten Insider. Der Facebook-Chef habe Angst gehabt, dass ihm Twitter zuvorkommen und einen uneinholbaren Vorsprung erringen könnte. Twitter war bereit, Instagram für mehrere Hundert Millionen zu kaufen; für deutlich mehr als sich Firmengründer Kevin Systrom je erhoffte. Als er von Zuckerbergs Ängsten erfuhr, begann er zu pokern.

Die Furcht des Silicon Valley

Nicht, dass diese Art des «Verfolgungswahns» bei den Senkrechtstartern im Silicon Valley ungewöhnlich wäre. «Die Kids in diesen Firmen können ihr grosses Glück kaum glauben», sagt der Branchenexperte John Dvorak. «Doch befürchten sie ebenso, jedermann wolle ihnen als Leder – so entwickeln sie diesen Verfolgungswahn.» Microsoft hatte unter Bill Gates ebenso darunter gelitten, wie Apple es noch heute tut – und wie Google es sich nur langsam abgewöhnt. Ex-Intel-Chef Andy Grove hat den Druck 1996 als wesentlichen Erfolgsfaktor bezeichnet: «Nur die Paranoiden überleben.»

Verschärft wird der Verfolgungswahn bei Facebook durch die aussergewöhnliche Machtfülle des Chefs. Auch nach dem Börsengang besitzt Zuckerberg noch mehr als 56 Prozent der Stimmrechte. Diese royale Position spiegelt seinen Unwillen, aussenstehende Geldgeber angemessen mit Mitbestimmungsrechten zu versehen. Sie bildet darüber hinaus eine unberechenbares Risiko für das Unternehmen, wie die Credit Suisse festhält. Investoren hätten keine echte Chance, den Kurs von Facebook zu beeinflussen. Was passiert, wenn der Konzern wegen Datenschutzproblemen oder seiner dominanten Marktstellung vermehrt ins Visier von Aufsichtsbehörden gerät, hängt weitgehend von Zuckerbergs Laune ab.

Kommt dazu, dass bis zum Mai 2013 mehrere Sperrfristen ablaufen, was es Insidern erlaubt, zusätzlich über zwei Milliarden Facebook-Aktien zu verkaufen. Dies dürfte die Aktie, die schon heute 25 Prozent unter dem Ausgabekurs liegt, weiter unter Druck setzen.

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