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«Moderne Sklaverei» in europäischer Foxconn-Fabrik

Der Apple-Lieferant Foxconn verletzte in China wiederholt Menschenrechte. Ein Bericht zeigt nun, dass der Elektronikriese auch in einem tschechischen Werk die Arbeiter ausbeutet.

Zwölf-Stunden-Schichten für 550 Euro: Foxconn im tschechischen Pardubice. (Bild: Google Street View)
Zwölf-Stunden-Schichten für 550 Euro: Foxconn im tschechischen Pardubice. (Bild: Google Street View)

Die Berichterstattung über Missstände in chinesischen Foxconn-Fabriken scheint Wirkung zu zeigen. Nicht, dass der Elektronikhersteller seinen Mitarbeitern nun paradiesische Arbeitsbedingungen bieten würde. Vielmehr zeigt sich, dass der Lieferant für so bekannte Konzerne wie Apple, Hewlett-Packard oder Sony vermehrt nach anderen Standorten Ausschau hält.

Mitteleuropa scheint für Foxconn eine valable Alternative zu sein. In der Slowakei besitzt der taiwanische Konzern eine Niederlassung, in Tschechien bereits deren zwei. Obwohl in den ehemaligen Ostblock-Ländern europäisches Arbeitsrecht angewendet wird, erfreuen sich ausländische Unternehmer an einem arbeitgeberfreundlichen politischen Klima. Jennifer Schevardo von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik sagt gegenüber dem Rundfunk «Deutsche Welle», dass bereits Mitte der 1990er-Jahre politische Anreize geschaffen worden seien, um ausländische Firmen anzulocken. Dabei soll es sich vor allem um Steuererleichterungen und grosszügige Zugeständnisse bei Baumassnahmen handeln.

«Das Shenzen an der Elbe»

Im tschechischen Pardubice, unweit der Hauptstadt Prag, hat ein Reporterteam eines der neuen Foxconn-Werke unter die Lupe genommen. Während Wochen beobachteten zwei Journalisten des deutschen Computer-Magazins «c't» den Alltag in der Fabrik. Ihre Eindrücke fassten sie anschliessend im Artikel «Shenzen an der Elbe» zusammen. Sie sprachen mit tschechischen Arbeitern, Betriebsräten und Wanderarbeitern, die zumeist aus Bulgarien, Rumänien, Vietnam und der Mongolei stammen.

Das Fazit der Investigativ-Journalisten fällt vernichtend aus und erinnert an die Missstände, die bereits in China angeprangert worden sind. Vielen der Fliessbandarbeiter soll es kaum möglich sein, ihre zwölf-Stunden-Schichten zu unterbrechen – etwas zu trinken, geschweige denn sich fünf Minuten auszuruhen. Der tschechische Rechtsexperte Vit Samek bestätigte die Vorwürfe gegenüber «Radio Praha»: «Die Arbeitsbedingungen waren in den vergangenen Jahren leider traurige Praxis.»

Hohe Vorgaben an die Mitarbeiter

Foxconn reagierte umgehend auf die Kritik: Man halte sich sowohl an die Gesetze und Regelungen der Tschechischen Republik als auch an jene der Europäischen Union, teilte das Unternehmen dem deutschen Auslandsender mit. Etwa alle zwei Stunden hätten die Arbeiter Anspruch auf eine Pause von fünf bis zehn Minuten.

Christian Wölbert, der zu den Journalisten gehört, die die Missstände im Werk anprangern, bestätigt, dass Foxconn seine Arbeiter nicht zwinge, zwölf Stunden durchzuarbeiten. Teilweise sei aber der Takt, die Stückzahl, die die Arbeiter erfüllen müssten dermassen hoch, dass es gar nicht möglich sei, auch nur «minimale Ablenkungen» wahrzunehmen, sagt Wölbert gegenüber der Deutschen Welle.

«Wirklich menschenwürdig? »

Auch die Lohnpolitik im tschechischen Foxconn-Werk erscheint zumindest fragwürdig. So verdienen Mitarbeiter gemäss Informationen des «c't»-Magazins in den Montagelinien 550 Euro pro Monat. Das ist mehr als der vorgeschriebene Mindestlohn im Land, entspricht aber nur 60 Prozent des landesweiten Durchschnittslohns. «Ich würde hinterfragen, ob diese Standards wirklich menschenwürdig sind», sagt Wölbert gegenüber der «Deutschen Welle».

Die Vorwürfe gegen Foxconn dürften nicht folgenlos bleiben und könnten ein Nachspiel auf europäischer Ebene haben. So will die EU-Parlamentarierin Jutta Steinruck (SPD) dafür sorgen, dass Brüssel Nachforschungen einleitet, berichtet die «Deutsche Welle». «Moderne Sklaverei» sein in manchen Unternehmen und Branchen in Europa keine Seltenheit mehr, sagt die Politikerin.

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