Nach Protesten in Hong Kong: Hackerangriff auf Telegram

Der Onlinedienst ist nach eigenen Angaben Ziel eines grossangelegten Angriffs geworden. Die Attacke sei grösstenteils von China aus gestartet worden.

Kämpft gegen Hackerangriffe «mächtiger» Regierungen: Telegram-Gründer Pavel Durov. (Quelle: AFP/Chris Ratcliffe)

Kämpft gegen Hackerangriffe «mächtiger» Regierungen: Telegram-Gründer Pavel Durov. (Quelle: AFP/Chris Ratcliffe)

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Das Netzwerk machte den Zwischenfall, der zu Störungen des verschlüsselten Dienstes führte, am Mittwochabend öffentlich. Es handelte sich demnach um eine sogenannte DDoS-Attacke, mit der die Angreifer ihr Ziel durch Überlastung lahmlegen wollten. In vielen Regionen der Welt konnte es vorübergehend zu Verbindungsproblemen mit dem Dienst kommen. Telegram-Gründer Pavel Durov setzte den Vorfall in Zusammenhang mit den Massenprotesten in Hongkong.

Wie Durov über den Kurznachrichtendienst Twitter mitteilte, hatten sich vergleichbaren Hackerangriffe, in die staatliche Akteure involviert gewesen seien, in der Vergangenheit immer zeitgleich mit Protestbewegungen in Hongkong ereignet. «Dieser Fall war keine Ausnahme.»

Bei den schweren politischen Unruhen in Hongkong organisieren sich viele Aktivisten über Telegram, um so der Überwachung durch die chinesischen Behörden zu entkommen. Auf dem chinesischen Festland ist der Onlinedienst nicht verfügbar, die Bewohner der einstigen britischen Kronkolonie haben jedoch Zugang.

Proteste gehen weiter

Unbeirrt von den Auseinandersetzungen tags zuvor haben in Hongkong auch am Donnerstag Tausende Menschen gegen das umstrittene Auslieferungsgesetz protestiert. Sie versammelten sich rund um das Parlament, wo es am Mittwoch die schwersten Ausschreitungen gegeben hatte.

Hunderte Demonstranten zogen zudem durch die Strassen der chinesischen Sonderverwaltungszone. Erneut kam es zu Rangeleien mit der Polizei. Auch Schulkinder schlossen sich zeitweise den Kundgebungen an.

Einige Demonstranten trugen wieder Gesichtsmasken, falls die Polizei erneut Tränengas einsetzen sollte. Die Proteste liessen im Laufe des Tages nach, als der Legislativrat eine Debatte über das in der Kritik stehende Gesetz verschob.

«Wir wollen jetzt nur unsere Kräfte schonen», sagte ein 20-jähriger Student zu den nachlassenden Protesten. «Wir kommen wieder, wenn und falls es wieder zur Diskussion gestellt wird», fügte er mit Blick auf das Auslieferungsgesetz hinzu. Dieses sieht vor, dass Beschuldigte aus Hongkong sowie aus dem Ausland auch an China ausgeliefert werden können. Menschenrechtler warnen vor der Umsetzung. Sie werfen China willkürliche Festnahmen, Folter und fehlenden Rechtsbeistand für Angeklagte vor.

Am Donnerstag überwachte ein Grossaufgebot der Polizei die Aufräumarbeiten auf den Strassen der Finanzmetropole. Zivilbeamte überprüften die Personalien von Pendlern. Das Parlament, Behörden und Ämter sowie ein Einkaufszentrum und einige Banken in Brennpunkt der Proteste blieben geschlossen.

Kritik aus dem Ausland

Auch im Ausland stossen die geplanten Änderungen auf Kritik. Die von China beanspruchte, selbstregierte Insel Taiwan gab eine Reisewarnung heraus. Taiwans Regierung erklärte, keine Auslieferungsgesuche von Hongkong nach dem Gesetzesvorschlag zu akzeptieren.

Die EU erklärte, das Recht der Hongkonger «sich zu versammeln und sich frei und friedlich auszudrücken», müsse respektiert werden. Alle Seiten sollten «Zurückhaltung üben». China wies die Kritik als Einmischung zurück. Was in der ehemaligen britischen Kronkolonie passiere, sei «ausschliesslich Chinas innere Angelegenheit», sagte ein Sprecher des Aussenministeriums in Peking am Donnerstag.

(aru/sda)

Erstellt: 13.06.2019, 14:39 Uhr

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