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Nachricht von Steve Jobs

Wenn Kunden oder App-Entwickler dem Apple-Chef eine Mail schrieben, feierten sie seine Antworten oft wie eine Trophäe. Nun ist ein E-Book mit der interessantesten Korrespondenz erschienen.

Reagierte regelmässig auf Fan-Mails: Steve Jobs (2007).
Reagierte regelmässig auf Fan-Mails: Steve Jobs (2007).
AFP

Das E-Book «Letters to Steve», welches für Kindle und die entsprechenden Apps (zum Beispiel fürs iPhone) erschienen ist, präsentiert eine Auswahl von Jobs' Reaktionen auf Fan-Mails und erzählt teilweise auch die Geschichte dahinter. US-Journalist Mark Milian dokumentiert aber nicht nur seine Reaktionen auf Kundenanfragen, sondern auch von Entwicklern und Tech-Bloggern. Das Werk ist vorerst nur in Englisch erhältlich, ob es auch in Apples iBookstore erscheint, ist noch unklar.

Allzu bahnbrechende Inhalte darf man allerdings nicht erwarten, auf Amazon.com gehen die Meinungen über «Letters to Steve» weit auseinander. Milian driftet teilweise zu sehr in Apples Produktgeschichte ab, versteckt die Antworten von Jobs häufig im Lauftext und bietet gar nicht erst eine übersichtliche Darstellung aller Mails.

Website mit Jobs-Mails

Der im Oktober verstorbene Apple-Chef Steve Jobs war bekannt dafür, dass er gerne auf persönliche Kundenanfragen antwortete. Im Web kursierten verschiedenste Varianten seiner Mail-Adresse, und es wurden sogar Tipps gegeben, wie man am besten schreibt, damit der «iGod» auch zurückschreibt. Mit den Jobs-Antworten befasst sich sogar eine Website: emailsfromstevejobs.com.

Meist waren die Antworten nur ein bis drei Worte lang. Auf konkrete Fragen reagierte der Apple-Chef gerne mit einem «Yes» oder «Nope», darunter die Signatur «Sent from an iPhone» (oder iPad). Allerdings wäre ein solcher knapp gehaltener Stil natürlich praktisch gewesen, um das Beantworten der Mails einem Apple-Mitarbeiter zu delegieren. Andererseits galt Jobs auch als einer, der gerne alles unter Kontrolle hat, was wohl auch für seine Mails galt. Milian ist nach seinen Recherchen (siehe Infobox) überzeugt, dass die Antworten von Jobs stammen.

«Sweet!»

Manchmal reagierte er auch ohne Anfrage. Als Stephen Colbert bei den Grammy Awards sein iPad medienwirksam aus der Jacke zog, schrieb Jobs unter dem Betreff «Last night» schlicht: «Sweet! Thanks!». 2010 antwortete er auf die Frage eines Studenten, ob die weisse Version des iPhone 4 Ende Jahr erhältlich sein wird: «Weihnachten findet dieses Jahr später statt.»

Für manch einen, der tatsächlich eine Antwort erhielt, hat sich dies offenbar wie ein Ritterschlag angefühlt. Im Buch wird ein App-Entwickler zitiert, der die Reaktion ausdruckte – sie hängt bis heute an seinem Arbeitsplatz. Immer wieder landete die Korrespondenz mit Jobs als Beweis im Web. In einigen Fällen sah sich Apple sogar dazu genötigt, Antworten offiziell zu dementieren.

Als eine der längsten Antworten überhaupt gilt die Reaktion auf die Mail von Robin Miller, die im E-Book ein zu eins abgedruckt ist. Der Tech-Blogger fragte am 23. Oktober 2001 nach der Lancierung des ersten iPod einfach nur, weshalb dieser überhaupt existiert. Miller kritisierte zuvor den hohen Preis und dass der Musikplayer nicht mit Windows-Computern kompatibel sei. Jobs führt eine ellenlange Liste der Kaufargumente an – da war er wieder ganz der Verkäufer, als der er immer wieder beschrieben wurde.

Milian: Gründergeist bewahrt

Die Eigenheit des Apple-Chefs, gerne auf persönliche Mails zu antworten, erklärt sich «Letters to Steve»-Autor Milian damit, dass Jobs emotional so eng mit seiner Firma verbunden gewesen sei, dass er immer noch wie ein Start-up-Unternehmer handelte. «Er nahm sich die Zeit, viele Geschäftsangelegenheiten zu managen, die gar nicht seine Aufmerksamkeit gebraucht hätten», sagt Milian. So habe er eben direkt auf Kundensupport-Anfragen geantwortet. «Auf die Frage nach Apples weiteren Plänen gab er Fans manchmal sogar Hinweise, weil er seine Begeisterung nicht bremsen konnte.»

Interessant ist eine Reaktion auf den Prototyp des iPhone 4, der im März 2010 in einer Bar vergessen wurde und den Gizmodo.com kaufte. Jobs, der dem Techportal bisher wohlgesinnt war, rief Leiter Brian Lam panisch an: «Hallo. Hier ist Steve. Ich will mein iPhone zurück. Ihr hattet euren Spass damit, und bin nicht sauer auf euch – das bin ich nur auf den Verkaufstypen, der es verloren hat. Aber wir brauchen es zurück – es darf nicht in die falschen Hände fallen.»

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