Okay Google, warum sprichst du nicht Färöisch?

Auf der Inselgruppe versuchen sie, Google dazu zu bringen, ihre Minisprache als 104. Sprache in den Translator aufzunehmen.

Wer wissen möchte, was Nebel auf Färöisch heißt, kann es auf www.faroeislandstranslate.com eingeben und ein Inselbewohner antwortet mit einem Video.

Wer wissen möchte, was Nebel auf Färöisch heißt, kann es auf www.faroeislandstranslate.com eingeben und ein Inselbewohner antwortet mit einem Video. Bild: Faeroe Islands Translate

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Es gibt Sätze, die sind in jeder Sprache nützlich. Und manche, die ergeben vor allem auf Färöisch Sinn. «Wie heisst dein Schaf?», ist so ein Satz, oder «Schöner Nebel heute». Doch für Touristen ist es auf den Färöern nicht ganz einfach mit dem Small Talk. Wer, sagen wir mal, in Spanien Urlaub macht, kann im Restaurant heimlich «la cuenta, por favor» auf dem Handy nachschauen. Färöisch aber – Problem – bietet Google Translate nicht an.

Vielleicht lohnt sich der Aufwand nicht, auf den Inseln leben ja nur 50'000 Menschen. Die allerdings fänden es schön, wenn Färöisch die 104. Sprache des Übersetzungsdiensts würde. Und so klein die Färöer auch sind, wie man mit dem Grosskonzern Google umgeht, wissen sie bereits.

Vor zwei Jahren haben sie sich bei Google-Street-View reingedrängelt, so kann man das sagen. Dort waren die 18 kleinen Inselchen nicht verzeichnet, und was auf Google nicht zu finden ist, wird auch anderswo leicht übersehen. «Ein unbekanntes Reiseziel», so nennt es Súsanna Sørensen von Visit Faroe Islands, die Agentur ist für das Tourismuskonzept der Inseln zuständig und liegt auf der kleinen Halbinsel Tinganes, dem ältesten Teil der Hauptstadt Tórshavn. «Es ist eine Herausforderung, etwas zu verkaufen, von dem die Leute nicht wissen, dass es existiert.»

Sie haben dann Google-Sheep-View erfunden. Auf den Inseln leben mehr Schafe als Menschen und die Tiere laufen ohnehin frei über deren grüne Hügel. Etwa 20 Schafe bekamen also 360-Grad-Kameras umgeschnallt, um ihre Umgebung zu dokumentieren.

Zwar stellte sich schnell heraus, dass Schafe lieber herumliegen und fressen, als die Landschaft zu erkunden. Trotzdem kamen genug wackelige Aufnahmen zusammen, man findet sie immer noch im Netz. Die Idee machte Schlagzeilen und die Touristen kamen. Die Zahl der Übernachtungen stieg von 164'000 im Jahr 2016 auf 175'000 im Jahr 2017. Für die kleinen Färöer ein grosser Sprung.

Ist ja zum Beispiel total wichtig, zu wissen, was «Schafstestikel» heisst

Die Touristen-Agentur hatte extra eine junge Schauspielerin engagiert, die die Idee in Videoclips als ihre eigene verkauft hat. Das Mädchen mit seinen Schafen überzeugte Google: «Shear brilliance!», schrieb der Konzern in Schaf-Orthografie auf Twitter und «Have you herd? StreetView is coming to the Faroe Islands». Kurz danach schickte er ein Team samt Ausrüstung. «Google hat ziemlich schnell reagiert», sagt Súsanna Sørensen. Das Unternehmen verteilte auch Kameras an Touristen und Einheimische, die sie an ihre Fahrräder, Kajaks und Schubkarren steckten.

Normalerweise plant Google länger im Voraus. Im Internet hat der Konzern eine Weltkarte veröffentlicht und blau markiert, wo er schon war. Europa ist ziemlich gut abgedeckt, in Island, Österreich und Deutschland gibt es aber grössere weisse Flecken. Auch für Deutschland hat Google eine Liste mit Orten veröffentlicht, die als nächstes drankommen. «Wir haben die Warteschlange übersprungen», sagt Súsanna Sørensen. Jetzt also wolle sie sehen, «ob wir Google dazu bringen können, uns auch in Translate aufzunehmen». Doch das ist offenbar nicht so einfach.

Diesmal konnten sie nicht auf ihre Schafe setzen. Stattdessen durften Touristen ihre Sätze online an freiwillige Färöer schicken. Die haben die Übersetzung dann in ihre Handy-Kameras gesprochen und zurückgeschickt. Inzwischen haben sich so viele kleine Videos mit Vokabeln und Sprüchen auf «Faroe Islands Translate» angesammelt, dass sie das Projekt gestoppt haben.

Muscheln mit Fritten an einem Donnerstag

Vieles findet man im Archiv, nützliche Sätze wie «Wo bin ich?» und «Schön dich zu treffen». Aber auch Inselspezifisches wie «Die Papageitaucher sind alle nach Schottland geflogen». Die Touristen haben den Dolmetschern einiges abverlangt, sich Dating-Vokabular und Anmachsprüche übersetzen lassen.

«Muscheln mit Fritten an einem Donnerstag. Das ist das schlechteste Date überhaupt», übersetzt ein junger Färöer langsam und geduldig in die Kamera.

Allein vier Freiwillige sagen «Schafstestikel» auf Färöisch vor. Um die Speisekarte richtig zu verstehen, wäre es allerdings hilfreich, das auch mal ausgeschrieben zu sehen (Hvítanýru), Google Translate ersetzt der Service daher nicht ganz. Auch der Premierminister der Inseln hat sich in einer Videobotschaft an Google gewandt, auf Englisch. «Wir hoffen, wir können einander noch mal aushelfen», sagt er darin. Súsanna Sørensen sagt, sie seien zwar mit Google in Kontakt, es gäbe allerdings noch keinen konkreten Pläne. «Das ist schade» – diesen Satz haben sie bisher noch nicht übersetzt.

Erstellt: 21.09.2018, 09:18 Uhr

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