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Relative «Sex»-Götter

Mit Google Trends lässt sich herausfinden, wann welche Suchbegriffe bei Schweizern besonders beliebt sind. Ein Streifzug durch die Datenflut.

Schon «Villa» gegoogelt? Szene in der Zürcher Badi Letten. (4. Juni 2015)
Schon «Villa» gegoogelt? Szene in der Zürcher Badi Letten. (4. Juni 2015)
Keystone

Die Analysen unseres Suchverhaltens im Internet werden raffinierter. Seit einigen Tagen kann mithilfe des Onlinewerkzeugs Google Trends auf die Minute genau nachgeschaut werden, wo wann welche Suchbegriffe beliebt sind. Im Wortlaut von Google: «Die Zahlen in der Grafik geben an, wie oft im Vergleich zu allen im Laufe der Zeit auf Google gestellten Suchanfragen nach einem bestimmten Begriff gesucht wurde.»

Damit lässt sich Erstaunliches entdecken: Ein Redaktor der «New York Times» fand etwa heraus, dass die Suche nach «unblocked games» nie beliebter ist als um 8 Uhr morgens. Die Vermutung liegt nahe, dass es sich dabei um Schüler handelt, die die Websperre ihrer Schule überlisten wollen.

Doch welche Eigenarten hat das Suchverhalten der Schweizer? Wir haben Schweizer Google-Resultate den deutschen und österreichischen Ergebnissen gegenübergestellt. Wir vergleichen, wie bedeutend gewisse Wörter für Schweizer (blaue Balken), Deutsche (rot) und Österreicher (gelb) in den letzten zehn Jahren gewesen sind.

I Die grossen Emotionen«Liebe»

Die Schweizer scheinen eine deutlich geringere Affinität zu «Liebe» zu haben als Deutsche und Österreicher. Das relativ grösste Interesse erregte das Wort im Februar und im Juni 2009 in Österreich.

«Trauer»

Eine merkwürdige Kurve. Bis ins Jahr 2011 ist «Trauer» bei Schweizern, Deutschen und Österreichern ähnlich bedeutsam, danach explodiert die Nachfrage bei den Deutschen geradezu.

«Sex»

Über die Jahre war das Interesse der Schweizer an «Sex» im Vergleich zu ihren übrigen Google-Suchen konstant höher als das Interesse von Deutschen und Österreichern. Seit letztem Jahr gleichen sich die Kurven an.

II Leben im Kapitalismus«Geld»

Ein verblüffend grosser Abstand liegt zwischen der Suche nach «Geld», das bei den deutschen Google-Nachfragen einen grösseren Raum einnimmt als bei den schweizerischen.

«Schnäppchen»

Google scheint die Vorstellung von Deutschland als Land der Schnäppchenjäger zu bestätigen.

«Villa»

Im Sommer steigt die Suche nach «Villa» jeweils sprunghaft an. Bei den Schweizern ist das Interesse regelmässig grösser als bei Deutschen und Österreichern.

III Rausch und Kater«Bier»

In Österreich ist die Nachfrage nach «Bier» relativ betrachtet grösser als in der Schweiz und Deutschland.

«Wein»

Selbiges gilt für «Wein».

«Kopfweh»

Wer hätte das gedacht.

IV Digitalität«Facebook»

In Sachen Facebook waren die Schweizer den Deutschen und Österreichern offenkundig voraus.

«Skype»

Bei «Skype» hingegen war das Interesse der Österreicher zwischen 2006 und 2012 verblüffend gross.

«Selfie»

Ein einig Volk von Narzissten: In Sachen «Selfie» ist der Ausschlag vom August 2014 jedenfalls ziemlich verdächtig.

Antworten gibt es anderswo

Letztlich ist Google Trends eine grosse Fragenmaschine. Sind Schweizer wirklich liebloser? Gibt es tatsächlich einen Zusammenhang zwischen den österreichischen Suchen nach Alkohol und Kopfweh? Warum wurde «Trauer» plötzlich derart populär in Deutschland? Wie beeinflussen sprachliche Nuancen die Google-Suchen? Gibt es Lücken im Datensatz?

Trotz der künftigen Granularisierung, der absehbaren digitalen Analyse-Verfeinerungen also (Einteilung in Alter, Einkommen, Sprache et cetera) werden die Antworten darauf weiterhin anderswo gesucht werden müssen.

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