So entlarvt man Internetbetrüger

Kriminelle versuchen, mit gut gestalteten Websites Anlegern Geld aus der Tasche zu ziehen. Mit diesen Tipps durchschauen Sie unseriöse Angebote.

Wer sein Geld unseriösen Online-Handelsplattformen anvertraut, kann in kurzer Zeit viel Geld verlieren. Foto: Getty Images

Wer sein Geld unseriösen Online-Handelsplattformen anvertraut, kann in kurzer Zeit viel Geld verlieren. Foto: Getty Images

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Manch einer überlegt sich, Geld mit höherer Rendite anzulegen, anstatt es auf dem Konto zu belassen, wo derzeit meist nur Gebühren anfallen. Wer ein wenig im Internet sucht, stösst rasch auf eine reiche Auswahl an Angeboten. Einige davon wirken zwar auf den ersten Blick vertrauenswürdig, doch tatsächlich sind es nur Lockvogelangebote von Betrügern, die Anlegern Geld abknöpfen wollen.

Die Masche funktioniert in der Regel wie folgt: Wer einmal angebissen hat und eine Investition tätigt, erhält bald einmal die erfreuliche Nachricht, dass sich das angelegte Kapital erheblich vermehrt hat. Manchmal verleitet der kurzfristige Gewinn dazu, von sich aus noch mehr Geld einzuzahlen. Manchmal melden sich auch die Betrüger und fordern den Kunden unter dem Vorwand einer günstigen Gelegenheit auf, sein Investment zu erhöhen.

Die unterschiedlich professionell gestalteten Angebote haben eines gemeinsam: Mehr Geld einzahlen geht stets problemlos, bei der Auszahlung der Gewinne hapert es hingegen. Wer Geld zurückhaben will, wird möglicherweise aufgrund technischer Probleme vorerst mal vertröstet. Kunden, die hartnäckig bleiben, erhalten gelegentlich abstruse Begründungen für den Totalverlust, bevor der Kontakt abbricht.

Es geht um Vorschussbetrug

Im Grunde geht es dabei um einen Vorschussbetrug, der in unterschiedlichsten Formen längst bekannt ist. Ein anderes Beispiel dafür sind die Mails von angeblichen Angehörigen wichtiger Persönlichkeiten aus Schwellenländern, die grosse Summen in die Schweiz bringen wollen. Diese locken mit einer hohen Provision. Doch zuerst muss unter einem Vorwand ein Vorschuss überwiesen werden. Wer darauf hereinfällt, kann am Ende nur verlieren.

«Vorschussbetrüger probieren immer wieder andere Vorgehensweisen mit neuen Zielgruppen aus», sagt Chantal Billaud, Geschäftsleiterin der Schweizerischen Kriminalprävention. Was funktioniere, werde breitflächig umgesetzt und kopiert. Bei erfolgreichen Modellen springen also weitere Betrüger auf den gleichen Zug auf, was zu Wellenbewegungen führt. Oft nimmt es wieder ab, wenn sich eine Methode herumgesprochen hat und die Konsumenten aufgrund der Sensibilisierung weniger häufig darauf hereinfallen.

Eine Finma-Liste gibt Auskunft, wer in der Schweiz Onlinetrading anbieten darf.

Seit einigen Monaten gibt es europaweit eine Welle, die aufs Onlinetrading zielt. Es gibt Websites, die wie eine ­professionelle Handelsplattform wirken. Ein Beispiel, das dieser Zeitung vorliegt, hat eine mehrsprachige Menüführung, de­taillierte Kontaktangaben wie Telefonnummern, Links zu Auftritten auf Social-Media-Accounts, Support, Geschäftsbedingungen und anderes mehr. Auch die Bezeichnung Swiss kommt wiederholt vor. Trotzdem ist es nicht ratsam, hier Geld einzuzahlen.

Doch wie können Laien seriöse von unseriösen Angeboten unterscheiden? «Seriöse Anbieter werben mit der Qualität ihrer Dienstleistungen und versuchen nicht, Anleger mit angeblich ­hohen Gewinnen zu ködern», sagt Marc Bürki, Geschäftsführer der Swissquote-Gruppe, zu der eine der führenden Onlinetrading-Plattformen der Schweiz gehört. Wenn also Anbieter ihren Kunden höchste Renditen versprechen oder sie mit Fotos von ­Luxusautos träumen lassen, ist Vorsicht geboten. Aufschlussreich ist eine Überprüfung in der Warnliste der Finanzmarktaufsicht (Finma). Ist der verdächtige Anbieter dort vermerkt, so bedeutet das: Finger weg! Ebenfalls unter den Top-Links der Finma befindet sich die Liste aller bewilligten Institute. Ein Unternehmen, das Onlinetrading anbietet, muss bei der Finma registriert sein, wie Marc Bürki erläutert. Wenn es in der Liste der «bewilligten Institute und Produkte» nicht erscheint, ist es also nicht ratsam, ihm Geld anzuvertrauen.

Erfahrungsberichte lesen

Wie Billaud von der Kriminalprävention erläutert, sind Schweizer Onlineanbieter verpflichtet, auf ihrer Website ein Impressum mit Adress­angaben zu veröffentlichen. Befindet sich unter der Adresse tatsächlich ein Geschäftssitz, so ist das ein gutes Zeichen.

Häufig deckt schon eine einfache Stichwortsuche im Internet Mängel von zweifelhaften Anbietern auf, da Nutzer auf verschiedenen Plattformen von ihren Erfahrungen berichten. Wer noch mehr Zeit in die Recherche investieren will, kann auch einiges über die Internetadresse herausfinden: Unter anderem zeigt Whois.com nach Eingabe der Webadresse den Ort der Registrierung und weitere Informationen.

Wer auf Betrüger hereingefallen ist, kann sich nicht viel Hoffnung auf eine Rückerstattung machen. Es ist schwierig, die Täter zu fassen, und Kreditkartenunternehmen sind nicht verpflichtet, freiwillig erfolgte Zahlungen zurückzuerstatten, wie Chantal Billaud erläutert. Denn für eine solche Verletzung der Sorgfaltspflicht sei gemäss üblichen Geschäftsbedingungen der Karteninhaber verantwortlich. Es könne aber sein, dass sich einzelne Kreditkartenfirmen aus Kulanz freiwillig am Verlust ­beteiligen.

Anzeige ist ratsam

Wie viel Schaden Betrüger bei Anlegern angerichtet haben, ist nicht klar, da sich längst nicht alle Geschädigten melden. Es kursieren Schätzungen von europaweit mehreren 10'000 Geschädigten und einer Deliktsumme von über 100 Millionen Euro. Grund für die Zurückhaltung der Betroffenen mag einerseits die geringe Aussicht auf eine Aufklärung des Falls sein und andererseits auch Scham, das persönliche Malheur zuzugeben.

«Wer einen Vorschuss geleistet hat, sollte sich umgehend mit der zuständigen Kantonspolizei in Verbindung setzen», rät Max Klaus, stellvertretender Leiter der Melde- und Analysestelle Informationssicherung des Bundes (Melani). Lulzana Musliu, Sprecherin der Bundespolizei, empfiehlt dasselbe. Denn verschiedene schweizerische Strafverfolgungsbehörden träfen sich regelmässig, um Fälle zu diskutieren, erläutert sie. Je mehr Anhaltspunkte sie erhalten, desto grösser ist die Chance, die Delikte richtig einzuordnen und die Täter schliesslich auch zu überführen.

Und schliesslich geht es auch um grundsätzliche Fragen: «Wenn Geschädigte sich nicht wehren, können die Betrüger ­unbehelligt weiterhin Schaden anrichten – es wäre nicht gut, wenn hier quasi ein rechtsfreier Raum entstehen würde», ergänzt Chantal Billaud von der Kriminalprävention.

Erstellt: 05.08.2019, 12:03 Uhr

Mit Prominenz getäuscht

Chantal Billaud von der Schweizerischen Kriminalprävention bestätigt, dass seit einigen Monaten vermehrt versucht wird, Anlegern über Internet-Handelsplattformen Geld aus der Tasche zu ziehen. Dahinter stehen verschiedene Gruppierungen, die aus anderen Staaten auf Anleger in westeuropäischen Ländern – darunter auch die Schweiz – zielen.

Die Betrüger treten unterschiedlich auf. In einer Variante wurden prominente Namen wie Roger Federer oder DJ Bobo dazu missbraucht, leichtgläubige Investoren zu ködern. Die Prominenten erzielten angeblich mit Kryptowährungen traumhafte Gewinne. Es gab verschiedene Berichte von Anlegern, die sich dadurch verleiten liessen und schliesslich ihr Geld verloren haben.

Chantal Billaud empfiehlt, den Kontakt zu solchen Handelsplattformen «komplett abzubrechen», sobald Zweifel aufkommen. «Denn sobald diese Täter spüren, dass jemand anbeisst, konzentrieren sie sich mit voller Kraft auf diese Person und versuchen sie in Mails und Telefongesprächen zu überzeugen.» (ki)

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