So funktioniert das WLAN im Abo

Der US-Anbieter Plume verspricht schnelles Internet mit Cloud-Dienst. Wir haben es ausprobiert.

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WLAN ist grossartig. Eigentlich. Wenn es nur nicht so kompliziert wäre und einfach funktionieren würde. Gefühlt alle zwei Jahre verliere ich die Nerven mit meinem Router und kaufe einen neuen. Asus, D-Link, Cisco, Netgear usw.

Die ersten paar Monate mit dem neuen Router sind jeweils herrlich. Endlich schnelles und zuverlässiges WLAN. Doch dann kommen auch schon die Zweifel. Ob schon wieder der WLAN-Router schuld ist? Mal ein Firmware-Update machen, und wenn das nicht hilft, nach einem neuen Modell Ausschau halten.

Die Router-Überraschung

Diese Spirale des WLAN-Schreckens nahm erst ein Ende, als wir in die neue Wohnung zogen und mangels Glasfaser ein neues Internetabo brauchten. Zusammen mit dem Sunrise-Abo gab es eine dieser Fritzboxen, die ich nur dem etwas lächerlichen Namen nach kannte. Doch was für eine Überraschung, die Box war so gut, dass ich meinen eigentlich noch guten Netgear-Router gar nicht mehr auspackte.

Die Freude an der Fritzbox währte aber höchstens ein Jahr. Dann bekamen wir den Glasfaseranschluss, und die tolle Fritzbox wurde von Sunrise eingezogen und gegen ein namenloses weisses Ärgernis von einem WLAN-Router ausgetauscht.

Der in die Jahre gekommene Netgear-Router wurde entstaubt und leistete gute Dienste. Aber im Haushalt eines Digital-Redaktors mit unzähligen Geräten, die alle gleichzeitig ins Netz möchten, stiess er merklich an seine Grenzen. Zumal die massiven Wände in unserer verwinkelten Altbauwohnung keine Hilfe waren.

Ich liebäugelte bereits mit einem neuen WLAN-Router. Freunde empfahlen allesamt den Google Wifi – selbst solche, die Google-Diensten sonst sehr kritisch gegenüberstehen. Ich begann, mich schlau zu machen und Angebote zu vergleichen.

Perfektes Timing

Just in dem Moment kam das Mail von Plume. Plume? Das sind doch die mit der Abogebühr für WLAN! In US-Medien hatte ich schon davon gelesen. Nebst dem vergleichsweise tiefen Kaufpreis ist auch eine Monatsgebühr von 5 Dollar fällig. Dafür, verspricht Plume, würde einem per Cloud alles mühsame Optimieren für einzelne Geräte abgenommen.

In der Schweiz gibt es Plume für Privatpersonen noch nicht so einfach zu kaufen respektive zu abonnieren wie in den USA. Man bekommt es erst bei einzelnen Netzanbietern in Solothurn, Zürich und Zug zu unterschiedlichen Konditionen als Ergänzung zu einem Internetabo. Weitere Anbieter sollen aber folgen, verspricht der Importeur. Auch schweizweite Packages seien in Planung.

Doch das Abomodell ist nicht der einzige Unterschied zu anderen WLAN-Routern: Statt einem oder zwei bis drei WLAN-Boxen (wie es bei sogenannten Mesh-Routern wie dem Google Wifi üblich ist), kauft man sich eine Schachtel mit bis zu sechs oder gar mehr kleinen Pods, die man in der ganzen Wohnung in die Steckdose steckt. Einzig einen davon muss man per LAN-Kabel mit dem Modem verbinden.

Wer will so was?

Das Konzept mit den vielen kleinen Pods klang spannend, aber das Abomodell machte mich stutzig. Wer will denn so was, fragte ich mich. Wer schnelles Internet ohne Kompromisse möchte, kennt sich in der Regel mit Technik aus und kann das alles selbst optimieren. Ein Abo und einen Cloud-Dienst, der im schlimmsten Fall noch ein Datenschutzrisiko darstellt, brauchen Speed-Fans und Netzwerkprofis doch nicht.

Also etwas für den Durchschnittshaushalt? Doch da reicht in der Regel ein normaler Router völlig, und zur Not helfen ein paar Tricks. In meinem Gedankenspiel blieben zum Schluss nur reiche und faule Villenbesitzer übrig. So ziemlich das Gegenteil von mir. Aber die Neugierde war geweckt, und ich liess mir eine Schachtel mit Plume-Pods nach Hause liefern.

Kaum ausgepackt, läufts schon

Die Installation verlief dank der äusserst intuitiven App kinderleicht. Man musste nur einen Pod ans Internet anschliessen und die anderen in der Wohnung verteilen. Zu meinem Glück ist unser Haus zwar uralt, aber die Wohnung wurde kürzlich saniert. So haben wir mehr als genug Steckdosen. Wer jetzt schon zu wenig hat, wird an Plume kaum Freude haben, da jeder Pod mindestens eine Steckdose belegt und je nachdem eine zweite blockiert.

Ja, und dann läuft es einfach. WLAN in jedem Raum und rasend schnell. Nur einmal sah ich in den drei Monaten einen Tempoabfall. Ob es an Sunrise oder an Plume lag, liess sich nicht feststellen. Aber nach einem Neustart tauchte das Problem nie wieder auf.

Plume sandte mir trotzdem den eben in der Schweiz eingetroffenen Superpod. Einen – wie es der Name schon andeutet – noch etwas leistungsfähigeren Pod. Der liess sich ohne technische Kenntnisse, oder gar im Browser «192.168.0.1» oder eine ähnlich kryptische Adresse aufzurufen, mit den anderen Plume-Pods kombinieren.

Verträgt sich mit dem Staubsauger

Wenn man, etwa zum Staubsaugen, dann doch just die Steckdose braucht, in der ein Plume-Pod steckt, kann man den einfach ausstecken. Das WLAN bricht nicht zusammen, und man muss den Pod nachträglich auch nicht neu koppeln. Man muss ihn nur wieder einstecken. Alles andere wird automatisch und ohne eigenes Zutun erledigt.

Das grösste Kompliment, dass man Plume machen kann, ist, dass alles so gut funktioniert, dass man das WLAN komplett vergisst. Es wird so selbstverständlich wie Wasser aus dem Hahn oder Strom aus der Steckdose. Und wenn mal eine Webseite nicht lädt, ist sicher nicht das WLAN schuld. Man muss jedoch bedenken: Meist zeigt sich erst mit den Jahren, wie gut ein WLAN-Router wirklich ist. So lange konnte ich für diesen Test freilich nicht warten.

App sei Dank

Der äusserst positive Eindruck hat auch viel mit der intuitiven App zu tun, die einem, wenn gewünscht, (selbst unterwegs) alle nötigen Infos liefert und versichert, dass alles in Ordnung ist.

Die App macht eigenständig Geschwindigkeitstests. So sieht man bis zu 30 Tage zurück, ob es auch wirklich keine Tempo-Einbussen gegeben hat. Unser Haushalt gehöre zum Beispiel beim Internettempo zu den schnellsten 1% unter den Plume-Kunden. Wer hört das nicht gerne?

Besonders löblich sind die einfachen Kontrollfunktionen. Man sieht auch als Netzwerk-Laie schnell, welche Geräte besonders viel Daten herunter- und heraufladen. So entdeckt man zum Beispiel, dass der Göttibub schon mehrere Gigabyte auf sein Handy geladen hat. Möchte man das unterbinden, reicht ein Knopfdruck und sein Smartphone ist bis Mitternacht aus dem WLAN ausgesperrt.

Zeitpläne und Werbeblocker

Man kann auch je nach Gerät bequem in der App Zeitpläne erstellen. Da unsere Kinder noch viel zu klein sind für eigene Geräte, war das im Test kein Thema. Aber die Nutzung eines Tablets oder einer Konsole so ein bisschen einzuschränken, dürfte manchen Eltern gefallen.

In der neusten Version der Plume-App befindet sich noch eine interessante Beta-Funktion: ein Werbeblocker. Einmal aktiviert, verhindert der, dass auf über das WLAN aufgerufenen Webseiten Werbung angezeigt wird.

Fazit: Plume funktionierte im Test kinderleicht und zuverlässig. Da man es als Konsument in der Schweiz noch nicht direkt kaufen kann, erübrigt sich die Frage, ob ich es mir selber kaufen würde. Wenn es mein Internetanbieter Sunrise aber in einem etwas teureren Premium-Abo anbieten würde, wäre ich nach meinen guten Erfahrungen sehr versucht, es zu nehmen. Wenn es wie in den USA nicht mehr als fünf Franken pro Monat kostet, wäre es mir das alleweil wert.

Ausblick: Das Spannendste an Plume ist aber weder das Bezahlmodell noch der Umstand, wie einfach alles funktioniert, sondern was es für die Zukunft bedeutet. WLAN-Geräte werden immer kleiner. Dass man sie nun wie ein etwas grösseres Kinder-Nachtlicht in die Steckdose stecken kann, dürfte nur der Anfang sein. Gut möglich, dass die Technologie schon bald klein genug ist, dass man sie beispielsweise mit Glühbirnen kombinieren kann.

Und noch ein weiteres Potenzial offenbaren die Pods in jedem Zimmer. Ein Problem eines jeden Smarthomes ist es, dass Siri und Co. nicht wissen, in welchem Zimmer man ist. So muss man selbst in der Stube rufen: «Schalte das Licht in der Stube aus.» Plume dagegen sieht zum Beispiel, in welchem Raum sich meine Smartwatch ins WLAN einwählt. Daraus liesse sich meine Position in der Wohnung ziemlich präzise schätzen. Noch lässt sich das nicht mit anderen Diensten kombinieren. Doch man darf gespannt sein, was da in den nächsten Jahren noch möglich wird.

Erstellt: 22.01.2019, 09:21 Uhr

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