«Facebook gefährdet Ihre Gesundheit»

Schlimmer als Zigaretten und Alkohol: Forscher verlangen Warnhinweise für soziale Medien.

Instagram und Snapchat: Im Vergleich zu den Bildern wirkt das eigene Leben banal.

Instagram und Snapchat: Im Vergleich zu den Bildern wirkt das eigene Leben banal. Bild: Christian Beutler/Keystone

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Soziale Medien gefährden die geistige Gesundheit unserer Jugend. Zu diesem Schluss kommt die Studie #StatusOfMind aus dem Vereinigten Königreich. Das Suchtpotenzial sei höher als bei Zigaretten und Alkohol. Auch ein Anstieg bei den Depressionen und Angstzuständen wird mit Facebook, Instagram und Co. in Verbindung gebracht. Die Forscher stellen daher konkrete politische Forderungen: Warnungen sollen die Gefahren übermässiger Nutzung aufzeigen. Die Betreiber sollten gefährdete Nutzer erkennen und ihnen Möglichkeiten anbieten, sich Hilfe zu holen. Und es brauche Aufklärung an den Schulen.

Für die Studie haben die beiden Gesundheitsorganisationen Royal Society for Public Health (RSPH) und das Young Health Movement (YHM) Anfang Jahr 1497 Jugendliche im Alter von 14 bis 24 Jahren befragt und insbesondere die Nutzung von Facebook, Instagram, Snapchat, Twitter und Youtube erhoben. Die Auswirkungen auf das Wohlbefinden sind sehr unterschiedlich: Youtube wird im Schnitt sogar als positiv wahrgenommen.

Twitter und Facebook landen im Mittelfeld. Besonders schlecht schneiden Snapchat und Instagram ab. Das Problem bei den beiden Letztpositionierten liegt bei der starken Gewichtung von Bildern und der Anstiftung zur Selbstdarstellung. Die Parade an inszenierter Perfektion geben vor allem Mädchen und jungen Frauen ein schlechtes Körpergefühl.

Die Angst, etwas zu verpassen

Die kontante Konfrontation mit Bildern von feiernden Freunden, Ausgang und Nachtleben kann bei Jugendlichen zum Gefühl führen, ständig etwas zu verpassen. Die Betroffenen leiden auch darunter, dass ihr Leben im Vergleich langweilig und profan erscheint und sie nicht mithalten können. Dass Bilder oft gestellt oder sogar gephotoshoppt sind, verstärkt dieses Problem noch. Ein drittes Problem ist mangelnder Schlaf, der mit der intensiven Nutzung von sozialen Medien im Zusammenhang steht. Er wiederum verstärkt die anderen Probleme des mangelnden Selbstwertgefühls und führt zu einem eigentlichen Teufelskreis.

Die Studienautoren sehen auch Chancen bei der Nutzung von sozialen Medien: Jugendliche können an den Erfahrungen anderer teilhaben und sich Gesundheitsinformationen von Experten besorgen. Eine Online-Gemeinschaft kann stärkend und stabilisierend wirken, wenn beispielsweise Aussenseiter feststellen, dass es im Netz viele Gleichgesinnte gibt. «Mit der universellen Verbreitung und der unvergleichlichen Fähigkeit, Menschen aus allen möglichen Lebenslagen zu verbinden, können soziale Medien als mächtiger Katalysator für eine gute geistige Gesundheit fungieren», schreiben die beiden Autorinnen der Studie.

Erstellt: 29.05.2017, 17:00 Uhr

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