So leicht fallen Jugendliche auf Falschmeldungen rein

Eine neue Studie zeigt, wie schlecht Jugendliche gefälschte News und Werbung von richtigen Nachrichten trennen können.

Was ist wahr und was nicht? Jugendliche tun sich schwer, richtige Meldungen von Falschmeldungen zu trennen.

Was ist wahr und was nicht? Jugendliche tun sich schwer, richtige Meldungen von Falschmeldungen zu trennen. Bild: Keystone

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Die Frage, welche Rolle Fake-News, also Falschmeldungen, im vergangenen US-Wahlkampf und bei der Brexit-Entscheidung gespielt haben, wird die Medien-Forschung über Jahre hinaus beschäftigen. Techkonzerne wie Google, Facebook oder Twitter, über deren Kanäle diese Meldungen verbreitet werden, suchen mit Hochdruck nach Lösungen und Erklärungen, welche Rolle sie selbst in diesem Prozess spielen.

Eine neue Studie der Stanford University, die US-Medien wie dem «Wall Street Journal» oder dem «San Francisco Chronicle» bereits vorliegen, hat sich einen anderen Aspekt des Phänomens angeschaut: Wie gehen Schüler und Studenten mit Falschmeldungen um und ganz allgemein, wie steht es um ihre Medienkompetenz. Das Ergebnis der Studie stimmt wenig optimistisch. «Was die Fähigkeit, Wahrheit und Unwahrheit zu unterscheiden, angeht, sieht es düster aus», sagt der für die Studie verantwortliche Professor Sam Wineburg.

Werbung oder Meldung?

Für die Studie wurde die Medienkompetenz von 7800 Schülern und Studenten der Stufen Middle School, was bei uns etwa den Klassen 6 bis 8 entspricht, bis zu College (Universität/Hochschule) getestet.

Auf der Middle-School-Stufe konnten 82 Prozent der Befragten nicht zwischen einer Nachrichtenmeldung und einem als «sponsored content» gekennzeichneten Werbebeitrag unterscheiden. Mehr als zwei Drittel dieser Alterskategorie hatten keine Bedenken, einem Artikel eines Bankmanagers zu glauben, der argumentierte, dass junge Erwachsene mehr Hilfe bei der Finanzplanung brauchten.

In der Kategorie der High-School-Schüler liessen sich fast vier von zehn von einem Artikel irreführen, der behauptete, ein Foto mit deformierten Gänseblümchen wäre ein Beweis für die Verstrahlung von Fukushima, obwohl es zum Foto weder eine Quelle noch eine Ortsangabe gab.

Bei einem weiteren Experiment wurde den High-School-Schülern eine von der Ölfirma Shell gesponserte und bunt illustrierte Infografik und ein Artikel der amerikanischen Zeitschrift «The Atlantic» vorgelegt. Die grosse Mehrheit der Schüler hielt die Shell-Grafik für glaubwürdiger, da sie mehr Daten und Informationen bieten würde. Nur 15 Prozent bemerkten den Sponsor und entschieden sich für den Zeitschriftenartikel als glaubwürdigere Quelle.

Lobbying oder News?

Auch in der höchsten Altersstufe zeigt die Studie ähnliche Fälle. Die Studenten wurden beauftragt, die Meldung einer Organisation von Kinderärzten und anderen Gesundheitsmitarbeitern auf ihre Glaubwürdigkeit zu untersuchen. Tatsächlich handelte es sich bei der Organisation um eine politische Vereinigung, die unter anderem gegen das Recht von gleichgeschlechtlichen Paaren, Kinder zu adoptieren, oder Sexualkundeunterricht lobbyiert.

Der grossen Mehrheit der Studenten fiel diese politische Gesinnung nicht auf – nicht einmal nachdem sie die Möglichkeit bekamen, Details zu den Autoren zu recherchieren. Manche Studenten nannten sogar die professionell gestaltete Website als Grund, dem Artikel zu glauben.

Auch bei Twitter-Meldungen zeigt sich ein ähnliches Bild. Da kommt die Studie zum Schluss, dass Jugendliche einem Beitrag mit vielen Infos und einem Bild eher vertrauen, als einem Tweet einer seriösen Quelle.

In einem Anfang November erschienenen Artikel fordert Studienautor Sam Wineburg: «Wir müssen besser darin werden, zu unterscheiden, was wahr ist und was nicht, wenn wir im Internet nach Informationen und Antworten suchen.» Seine Studie dürfte vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion um Fake-News dazu beitragen, dass Medienkompetenz wieder vermehrt in den gesellschaftlichen Fokus rückt. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 22.11.2016, 20:09 Uhr

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