Zum Hauptinhalt springen

Tells Geschoss zielt auf rechte Spender

Der Schweizerzeit-Verlag lanciert eine eigene Plattform, um politische Anliegen zu finanzieren – und verspricht Diskretion.

Die Schweizerzeit weibelt für die rechte Sache – jetzt auch per Crowdfunding.
Die Schweizerzeit weibelt für die rechte Sache – jetzt auch per Crowdfunding.
Regina Kuehne, Keystone

Als vor einem Monat Christoph Blocher im Gespräch mit Flavia Kleiner noch nachfragen musste, was denn dieses Crowdfunding sei, mit dem sich die Operation Libero finanziere, hatten die jungen Wilden die Lacher auf ihrer Seite. Doch mittlerweile ist mit Tells Geschoss eine Plattform online gegangen, die das Finanzierungsprinzip speziell auf konservative Politik anwenden möchte.

Screenshot der Webseite (www.tells-geschoss.ch)
Screenshot der Webseite (www.tells-geschoss.ch)

Betreiber der Website ist der Verlag Schweizerzeit von Alt-Nationalrat Dr. Ulrich Schlüer, lanciert wurde sie bereits Ende April. «Wir sind überzeugt, dass Crowdfunding und digitale Spendengenerierung Zukunftsmodelle sind», sagt Anian Liebrand, der für die Seite verantwortlich zeichnet. Anfänglich arbeite man mit einigen Partnern zusammen, darunter dem Verein Sicherheit für alle (Sifa), dem Nationalrat Andreas Glarner vorsitzt, oder dem Egerkinger Komitee, das sich für ein nationales Burkaverbot einsetzt. In einem nächsten Schritt wolle man sich auch weiteren Projekten öffnen.

50'000 Franken für Bruder Klaus

So finden sich auf Tells Geschoss derzeit sechs Vorhaben, die man von der bürgerlichen Rechten kennt: gegen den schleichenden EU-Beitritt wird da gesammelt (aktuell unterstützt mit 370 Franken von anvisierten 50’000), für eine Gedenkveranstaltung «600 Jahre Bruder Klaus» am 19. August (11’700 Franken von 50’000), oder für ein Referendum gegen die EU-Waffenrechtsverschärfung (1455 Franken von 20’000).

Wirklich zur Kasse gebeten werden die Spender nur, wenn der festgelegte Gesamtbetrag durch Spenden erreicht wird. Das Geld ginge dann zu hundert Prozent an die Partner. Für externe Projekte sei man offen, man prüfe dann allerdings ganz genau, ob diese auch zur eigenen politischen Linie passten und ob sie finanziell sinnvoll aufgestellt seien. Von den so gesammelten Mitteln fliessen fünf Prozent an den Verlag Schweizerzeit.

Während herkömmliche Crowdfundings sich oft von kleineren Einzelbeträgen finanzieren, fällt hier auf, dass die Unterstützer tiefer in die Tasche greifen. So hat ein einzelner Spender das Manifest «Ja zu einer starken Schweizer Milizarmee» mit 1000 Franken bedacht, die 11’700 Franken für die Bruder-Klaus-Feier kommen von nur zehn Gönnern.

Die Spender wollen anonym bleiben

Und noch etwas ist anders als bei den klassischen Schwarmfinanzierungs-Plattformen: Die Geldgeber bleiben anonym. Während man beispielsweise bei den Schweizer Portalen We make it oder 100 Days einsehen kann, wer welchem Projekt seinen Zustupf gibt (bei beiden gibt es allerdings die Möglichkeit, anonym zu bleiben) und wie hoch der ausfällt, zeigt Tells Geschoss nur die aktuell erzielte Gesamtsumme an.

Dies sei der rechtsbürgerlichen Klientel geschuldet, erklärt Liebrand: «Viele legen Wert auf Anonymität.» Auf die Nachfrage, ob sich das nicht mit dem auf der Startseite postulierten Anspruch auf Transparenz beisse, antwortet der ehemalige Jung-SVPler, dass man den Wunsch nach Anonymität respektiere. Dafür achte man darauf, dass den Spendern darüber Rechenschaft abgelegt würde, was mit ihrem Geld geschehe.

Ob sich die Plattform mit dem martialischen Namen bei der Rechten durchsetzt, hängt wohl auch davon ab, wen die Betreiber zulassen – sie haben immer das letzte Wort. Allerdings, so versichert Liebrand, seien schon einige Interessenten an den Verlag herangetreten. Man befinde sich in Abklärungen.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch