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Wenn Webcams Fotoreporter spielen

Die Fotostiftung Schweiz blickt mit dem Bündner Bildarrangeur Kurt Caviezel in die digitale Zukunft: Der digital-reale Alltag generiert bisweilen märchenhaft surreale Bilder.

Einst verkündete die Kirche, das Auge Gottes sähe alles, George Orwell warnte mit «Big Brother» vor dem Überwachungsstaat, und neuerdings wird man gar im Altersheim von installierten Kameras ins Visier genommen. Schlechte Zeiten für kleine und grosse Sünder, aber vor allem für unschuldige Bürger. Während sich die einen mit Datenschutz gegen die Eingriffe in die Privatsphäre zur Wehr setzen, tragen die anderen in kaum zu überbietendem Ausmass via Internet Intimes an die Öffentlichkeit. Eine paradoxe Zeiterscheinung.

Der in Zürich lebende Bündner Fotograf Kurt Caviezel gewinnt nun aber in seiner Soloschau «Global Affairs – Erkundungen im Netz» (kuratiert von Martin Gasser) der digitalen Bilderflut unvoreingenommen Reiz ab. Dabei geht der 47-jährige Manor-Preisträger von 2002 pragmatisch vor: Er surft durchs Netz, klickt zahllose Webcams an, pflückt Standbilder heraus und speichert diese, bevor sie für immer überschrieben werden. In zehn Jahren hat der Autodidakt, dem der Ruf vorauseilt, er bilde eine Welt ab, die er nie wirklich gesehen habe, drei Millionen Bilder zusammengetragen.

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