Wie China von der Nokia-Krise profitieren will

Huawei baut in Finnland ein Forschungszentrum. Der chinesische Handyriese dürfte ohne Schwierigkeiten Fachkräfte rekrutieren können.

«Es gibt viele bestens ausgebildete Leute, die Huawei helfen können»: Huawei-Mitarbeiterin in Wuhan.

«Es gibt viele bestens ausgebildete Leute, die Huawei helfen können»: Huawei-Mitarbeiterin in Wuhan. Bild: Reuters

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Der chinesische Technologiekonzern Huawei investiert in Finnland - der Heimat des kriselnden Handy-Herstellers Nokia - umgerechnet 85 Millionen Franken in den Aufbau eines neuen Entwicklungszentrums.

In der Hauptstadt Helsinki soll zunächst Software für Smartphones und Tablet-Computer mit den Betriebssystemen Android und Windows Phone 8 entwickelt werden, wie Huawei am Montag mitteilte. Das «offene und innovative Umfeld in Finnland» sei für Huawei «ein idealer Ort», um Forschung und Entwicklung insbesondere mit Blick auf mobile Endgeräte zu stärken, erklärte der Konzern.

Bereits 7000 Mitarbeiter in Europa

In dem Forschungszentrum sollen zunächst 30 Angestellte arbeiten, die Zahl soll binnen fünf Jahren auf 100 anwachsen. In Helsinki werde damit eines der «Kernzentren» von Huawei im Bereich von Forschung und Entwicklung bei mobilen Endgeräten entstehen, erklärte der Konzern. Huawei beschäftigt in Europa bereits 7000 Mitarbeiter. Im September kündigte der Konzern Investitionen von zwei Milliarden Dollar in Technologiezentren in Grossbritannien an.

Profitieren dürfte Huawei beim Bau des Entwicklungszentrums in Finnland von der Krise bei Nokia. Der bis vor kurzem weltgrösste Handy-Bauer will bis Ende 2013 weltweit 10'000 Stellen abbauen - Huawei dürfte damit ohne Schwierigkeiten in Finnland Fachkräfte rekrutieren können. «Es gibt viele bestens ausgebildete Leute, die Huawei dabei helfen können, billige, mit Android laufende Smartphones für die wachsenden Märkte ausserhalb Europas und der USA herzustellen», sagte Magnus Rehle von der Strategie-Beratung Greenwich Consulting.

Skeptische Politiker

In anderen Ländern sehen Politiker den chinesischen Konzern mit Argwohn; sie fürchten Spionage und Cyberattacken. Der US-Kongress hatte erst im Oktober vor Huawei gewarnt; der Konzern stehe vermutlich unter dem Einfluss der Regierung in Peking. In Australien war Huawei aus Furcht vor Cyberangriffen vom nationalen Breitband-Netzwerk ausgeschlossen worden, das die Mehrheit der Australier ans besonders schnelle Internet anschliessen soll. Der Konzern war von einem ehemaligen Ingenieur der chinesischen Volksarmee gegründet worden. Das Unternehmen weist die Vorwürfe als Vorurteile zurück. (rek/afp)

Erstellt: 15.12.2012, 10:54 Uhr

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