Der Milliardär, der mit dem Bus zur Arbeit fährt

Die Entlassung traf Jack Dorsey damals wie ein Schlag. Jetzt hat der Twitter-Gründer seinen Vollbart abrasiert und ist wieder CEO. Eine Würdigung in Tweets.

«just setting up my twttr», so lautete Dorseys und damit die erste Twitter-Nachricht überhaupt.

«just setting up my twttr», so lautete Dorseys und damit die erste Twitter-Nachricht überhaupt. Bild: David Paul Morris/Bloomberg

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+++ Der Verwaltungsrat versicherte den Investoren, Jack Dorsey sei erwachsen geworden +++ Das tat er, weil Dorsey zurück ist: als Chef bei Twitter +++ Als Dorsey 2006 das erste Mal CEO wurde, trug er noch einen Nasenring +++ Seine Mitgründer und Freunde feuerten ihn 2008, weil er das Büro zu früh verliess +++ Und zwar für Yoga- und Modedesign-Kurse +++ Während Twitter auf dem Weg zu einem Milliarden-Unternehmen war +++ Die Entlassung traf Dorsey damals wie ein Schlag +++ Twitter war sein Baby, so wie Dorsey als Baby gewesen war: eines, das nur Notwendiges sprach +++ Er wurde ein Junge, der Landkarten, Polizeifunk und Computer mochte +++ Und dann die Fahrten der Polizeiwagen in Echtzeit auf die Karte programmierte +++ Sein erstes Programm war ein Leitsystem für Taxis und Kuriere +++ Dann strandete er: Er besuchte Kurse für Pflanzenzeichnen, Massage, Mode +++ Mit 30 programmierte er eine alte Idee: einen Überblick in Echtzeit, nur nicht mit Polizeiwagen, sondern mit Menschen +++ Das Limit für jede Nachricht: 140 Zeichen +++ Die erste kam von ihm im März 2006: just setting up my twttr +++ Sie blieb ohne Grossbuchstaben, weil er gerade Fan von e.e. cummings war, einem Dichter, der Kleinschreibung liebte +++ Die Nutzerzahlen von Twitter wuchsen schnell um Millionen, die Investments um Milliarden +++ Die Geldgeber verlangten einen Profi als Chef +++ Als Dorsey gefeuert wurde, baute er einen Bezahldienst für Smartphones auf: Square +++ Square war wie Twitter: schlank, einfach, elegant +++ Und bald sechs Milliarden schwer +++ Und Twitter kostete nach dem Börsengang 2012 das Zehnfache +++ Dorsey ist nun doppelter Milliardär +++ Er fährt mit dem Bus zur Arbeit und kaufte eine Villa nur wegen des Blicks +++ Das Problem bei Twitter wie Square ist: Beide haben noch keinen Cent Gewinn gemacht +++ Und Twitter wächst nur noch langsam bei 300 Millionen Nutzern +++ Es ist der Dienst, der am schnellsten ist: Für Nachrichten und ihre schlampige Schwester: Gerüchte +++ Stars, Journalisten, politische Köpfe lieben ihn +++ Nur: Die grosse Masse hält Twitter für zu unübersichtlich +++ Dorseys Job ist, das Einfache noch einfacher zu machen +++ Als er im Juli probeweise zur Firma zurückkam, trug er einen Vollbart, als hätte er ein Jahr Holz gehackt +++ Seine Mutter twitterte: «Ich bin kein Fan des Barts» +++ Dorsey schnitt den Bart. Und die grosse Frage ist: Was opfert er noch? +++ Gerüchte sagen, dass die 140-Zeichen-Grenze fällt +++ Dabei war Kürze immer Dorseys Ideal +++ «Entschuldige den langen Brief, ich hatte keine Zeit, mich kurz zu fassen.» Das schrieb Goethes Mutter. +++ Jedenfalls sagte das meine Mutter +++ Die mich mit solchen Zitaten auf das Leben vorbereitete. +++ Damit zur privaten Nachricht: Danke, Mama! +++

Erstellt: 07.10.2015, 07:14 Uhr

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