Kummerbox

Ein ausgeschalteter Computer, der Viren verschickt

Der TA-Experte beantwortet Fragen zu Mac, Windows, Sicherheit, E-Mail, Internet und Multimedia.

Nicht alle Warnungen vor Viren sind Betrugsmaschen. Foto: wikihow.com

Nicht alle Warnungen vor Viren sind Betrugsmaschen. Foto: wikihow.com

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Internetsicherheit
Ein ausgeschalteter Computer, der Viren verschickt

Kann mein Computer im abgeschalteten Zustand Malware versenden? Die Cablecom hat mir zwei Briefe geschickt, in denen stand, mein Computer habe genau das getan. Zum jeweiligen Zeitpunkt war er aber gar nicht in Betrieb. Ich vermute, dass die Cablecom ihr Sicherheitsprogramm verkaufen will. Gertrud Frei, Aarau

Hinter dringlichen Warnungen per Mail oder in plötzlich aufpoppenden Meldungen am Computer stecken häufig Betrugsmaschen. Auch Warnungen per Telefon, von angeblichen Microsoft-Mitarbeitern, sind geflissentlich zu ignorieren, weil es sich in Tat und Wahrheit um Hacker handelt, die Zugang zu Ihrem Computer erlangen möchten.

Die UPC Cablecom verschickt allerdings tatsächlich Warnbriefe: «Auslöser sind Meldungen von vertrauenswürdigen staatlichen und nicht staatlichen Stellen, dass von einer IP-Adresse zu dem Zeitpunkt Spam versandt oder Angriffe durchgeführt wurden», erklärt Mediensprecher Andreas Werz auf Anfrage. Es handle sich um ein Standardverfahren, das von den meisten Providern weltweit eingesetzt werde.

Ein Werbetrick ist das nicht, sondern der Versuch, die Sicherheit für alle Internetteilnehmer zu erhöhen. Sie sollten die Warnung ernst ­und zum Anlass einer gründlichen Überprüfung Ihres Computers nehmen – selbst wenn die Zeit­angabe des Vorfalls nicht schlüssig sein sollte. Führen Sie mit einer aktuellen Antivirensoftware eine vollständige Prüfung Ihres Computers durch und beachten Sie die Hinweise in unserer Anleitung.

Ein ausgeschalteter Computer hat im Prinzip tatsächlich ein einwandfreies Alibi. Allerdings gibt es in den Heimnetzwerken oft mehr als ein Gerät. Auch Tab­lets, Handys oder NAS-Speicher könnten von Schadprogrammen missbraucht werden. Falls Sie Android-Geräte nutzen, sollten Sie eines der kostenlosen Sicherheitsprogramme – etwa von Kaspersky, Symantec oder Sophos – installieren.

Falls Sie ein (schlecht geschütztes) WLAN nutzen, wäre auch denkbar, dass ein ungebetener Gast schuld an der Schadsoftware ist. Stellen Sie sicher, dass Ihr drahtloses Netzwerk gut gesichert ist. Wie Sie das tun, hängt vom WLAN-Router ab. Normalerweise loggen Sie sich per Browser in die Konfigura­tionsumgebung ein. Die genaue Vorgehensweise ist im Handbuch beschrieben. Achten Sie auf folgende Dinge:

► Wählen Sie die stärkste Verschlüsselungsmethode. Das ist WPA2-AES oder, als Ausweich-Standard, WPA-AES bzw. TKIP. Falls Ihr Router nur WEP unterstützt, dann tauschen Sie ihn aus. Dieser Standard ist veraltet und kann nicht mehr als sicher gelten.

► Geben Sie Ihrem WLAN einen neutralen Netzwerknamen (SSID) und meiden Sie Namen, die Rückschlüsse auf das Routermodell zulassen.

► Vergeben Sie ein starkes Passwort für das WLAN-Netz: Je länger, desto sicherer ist das Passwort, insbesondere, wenn Sie Gross- und Kleinschreibung, Zahlen und Sonderzeichen verwenden.

► Ändern Sie das Passwort ab, mit dem Sie Zugriff auf die Konfigurationsumgebung des Routers erhalten.

► Prüfen Sie, ob Aktualisierungen für die Firmware (die interne Software des Routers) vorhanden sind. Falls ja, installieren Sie sie.


Bildverarbeitung
Genehme und nicht genehme Digitalfotos

Ich fotografiere mit einer Panasonic Lumix FZ150 und einer Nikon. Mein Bearbeitungsprogramm, Photoshop Elements 9, kann die RAW-Fotos der Nikon öffnen, nicht aber die der Lumix. Woran liegt das? Lucy Trachsel, Hombrechtikon

Das RAW- oder auch Rohdatenformat hat gewichtige Vorteile gegenüber dem JPG-Format. Es speichert die Daten ohne verlustbehaftete Komprimierung so, wie sie vom Sensor eingefangen werden – mit mehr Bildinformationen als beim Standard-JPG-Format. Das speichert pro Bildpunkt und Farbe einen 8-Bit-Wert. Beim RAW-Format sind es je nach Kamera 10, 12, 14 oder 16 Bit: Das ergibt mehr Nuancen und erlaubt eine differenziertere Bearbeitung von Belichtung, Farbe und Weissabgleich.

Das RAW-Format hat auch einige Nachteile. Die Dateien sind viel grösser und benötigen mehr Speicher- und Back-up-Kapazitäten. Die Nachbearbeitung ist aufwendiger. Während beim JPG-Bild die Kamera eine Aufbereitung vornimmt, sind die RAWs gänzlich «roh» und wirken flau und blass. Sie müssen «entwickelt», also bezüglich Kontrast, Farbsättigung, Graubalance und Scharfzeichnung bearbeitet werden.

Zudem sind die RAW-Dateien proprietär, das heisst, von Kamerahersteller und -modell abhängig. Das ist auch der Grund für Ihr Problem: Ihre Lumix-Kamera ist neuer als das Bildbearbeitungsprogramm, deshalb kennt Photoshop Elements das Dateiformat nicht. Sie haben aber Glück: Unter der Adresse adobe.com/downloads/updates.html sind Updates erhältlich, welche die Kompatibilität zu neuen Modellen nachrüsten. Sie benötigen das «Camera Raw 6.5»-Update. Falls für eine Kamera keine passende Aktualisierung vorhanden ist, müssten Sie auf die neueste Version von Photoshop Elements umsteigen.

Weil RAW-Dateien kameraabhängig sind, müssen für die zukunftssichere Archivierung einige Vorkehrungen getroffen werden.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.10.2014, 17:36 Uhr

Der TA-Experte beantwortet Fragen zu Mac, Windows, Sicherheit, E-Mail, Internet und Multimedia.

Senden Sie uns Ihre Fragen an kummerbox@tages-anzeiger.ch.

Artikel zum Thema

Hacker missbrauchen Yahoo-Seiten

Die europäischen Internetseiten von Yahoo waren mit einer Malware infiziert. Diese Schadsoftware attackierte vor allem Computer in Frankreich, Grossbritannien und Rumänien. Mehr...

Erpresst von einem Computervirus

Computersicherheit Die neueste Masche: Computerviren, die die Daten verschlüsseln und Lösegeld fordern. Schützen kann man sich mit einem Backup. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Frage an die Kummerbox

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Die Welt in Bildern

Nichts für Gfrörlis: Ausserhalb der sibirischen Stadt Krasnoyarsk wurden Minus 17 Grad gemessen. (10. Dezember 2017)
(Bild: Ilya Naymushin) Mehr...