Surfen

Unerkannt im Internet unterwegs

Der Tor-Browser verspricht anonymes Surfen. Allerdings können schon kleine Fehler bei der Benutzung die Deckung auffliegen lassen.

Schutz nach dem Prinzip der Zwiebelschalen.

Schutz nach dem Prinzip der Zwiebelschalen. Bild: Darwin Bell/Flickr.com

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Ich möchte in Zukunft über Tor surfen. Ich habe alles installiert, aber es scheint nicht zu funktionieren. Woher weiss ich überhaupt, ob ich den Dienst verwende oder nicht?
Daniel Albisser, via Mail

Tor steht für «The Onion Router». Nach dem Prinzip der Zwiebelschalen werden die übertragenen Daten mehrfach verschlüsselt und über mehrere, ständig wechselnde Zwischenstationen geleitet. Das verschleiert nicht nur den Inhalt der Datenpakete. Ein angesprochener Server kann auch nicht mehr eruieren, von welchem Computer die Anfrage gesendet wurde. Das ursprünglich von der US-Marine und der US-Navy entwickelte Projekt hat nach den Enthüllungen zu den Überwachungsprogrammen der Geheimdienste Aufwind erfahren. Mit Tor lässt sich die Internetkommunikation nicht mehr so einfach einem Nutzer zuordnen. Tor lässt sich auch dazu verwenden, Internetsperren und Zensurmassnahmen zu umgehen.

Sie können Ihren angestammten Browser konfigurieren, um das «Zwiebelschalen-Netz» zu verwenden. Die notwendigen Proxy-Einstellungen sind allerdings nicht trivial. Darum empfehle ich, mit dem Tor Browser Bundle zu starten. Es enthält eine angepasste Version des Firefox-Browsers, die alle notwendigen Komponenten beinhaltet. Sie finden die Software und eine Anleitung auf torproject.org.

Tor fordert seinen Tribut bei der Surfgeschwindigkeit, denn der Stafettenlauf quer durchs Web verlängert natürlich die Übertragungszeit für die Daten. Sie müssen beim Surfen auf einigen Komfort verzichten. Browser-Erweiterungen wie Flash, Quicktime oder andere sind in der Lage, die wahre IP-Adresse Ihres Computers in Erfahrung zu bringen. Sie können nicht gehindert werden, diese Informationen an den Serverbetreiber zu übermitteln. Ihre Anonymität kann auf diesem Weg problemlos unterlaufen werden. Auch heruntergeladene Dokumente, beispielsweise im PDF oder Word-Format, bergen das Risiko der Enttarnung. Diese Dokumente können Zugriffsrestriktionen oder eingebettete Ressourcen enthalten, die beim Öffnen überprüft werden. Dabei wird Ihre wahre IP-Adresse preisgegeben.

Sie merken: Die Gefahr, sich in falscher Sicherheit zu wiegen, ist bei Tor gross. Schon kleine Benutzerfehler können Ihre Anonymität gefährden. Ausserdem exponieren Sie sich gegenüber den Geheimdiensten. Die NSA hat es zwar bislang nicht geschafft, die «Zwiebel zu knacken». Allerdings hat der Geheimdienst in der Vergangenheit Fehler im Programmcode des Tor-Browsers ausgenutzt, um Benutzer zu identifizieren. Und dank der englischen Zeitung «The Guardian» ist bekannt, dass der Tor-Datenverkehr gezielt überwacht wird.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.01.2014, 08:05 Uhr

Mehr Anonymität – aber nur für User, die wissen, was sie tun. (Bild: Screen: schü.)

Artikel zum Thema

NSA nistet sich in 100'000 Computern ein

Am Freitag wird US-Präsident Obama darlegen, wie der US-Geheimdienst NSA in Zukunft arbeiten soll. Gestern mussten fünf Experten Stellung beziehen. Und derweil werden weitere Interna bekannt. Mehr...

Der Verrat des Internets

Hintergrund Von wegen sicherer Verbindung: US-Geheimdienste hebeln die Verschlüsselung der Internetkommunikation systematisch aus. Bloss: letztlich gefährden die Vereinigten Staaten sich selbst. Mehr...

Whatsapp ohne Big Brother

Verschlüsselte Messenger-Apps made in Switzerland sind nach der NSA-Abhöraffäre plötzlich gefragt. Ein Anbieter rüstet mit seiner Technik sogar die indonesische Armee aus. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Frage an die Kummerbox

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Abo

Abo Digital Light - 18 CHF im Monat

Unbeschränkter Zugang auf alle Inhalte und Services (ohne ePaper). Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Wandelnder Busch: Ein Model zeigt die Frühling Sommer Kollektion 2018 des chinesischen Designers Viviano Sue an der Fashionweek in Tokio. (19. Oktober 2017)
(Bild: EPA/FRANCK ROBICHON) Mehr...