Betriebssysteme

Windows 8 – oder vielleicht doch Ubuntu?

Bald zieht Microsoft seinem angejahrten XP-Betriebssystem den Stecker. Warum das nicht zum Anlass nehmen, Windows gleich ganz den Rücken zu kehren, fragt ein Leser die Kummerbox.

Tux, das Linux-Maskottchen als Alternative zu Microsofts Fensterwelt?

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In der Ausgabe der Kummerbox vom 2. Dezember schildert ein Anwender seine Sorgen, weil nächsten Frühling der Support für Windows XP eingestellt wird. Ich befinde mich auch in dieser Lage. Du (wir kennen uns persönlich von der Computeria in Urdorf) ermunterst den Fragesteller zum Umsteigen auf Windows 8.1. Ich möchte aber von Windows wegkommen und suche eher eine Lösung über Linux-Ubuntu. Was für Gründe sprechen für dich dagegen?
Heini Hedinger, Urdorf

Der triftigste Grund gegen Linux ist das Angebot an kommerzieller Software. Die meisten der typischen Kaufprogramme, namentlich die von Microsoft oder von Adobe, sind nicht für Linux erhältlich. Man kann einige davon zwar auf Umwegen zum Laufen bringen, etwa via Wine. Das ist eine sogenannte Laufzeitumgebung, die unter Linux die Windows-Programmschnittstellen zur Verfügung stellt. Wine kann im Einzelfall als Retter in der Not dienen, aber ich würde einen Umstieg nur empfehlen, wenn du deine Arbeit auch mit alternativen Programmen erledigen kannst und willst: OpenOffice statt MS Office, Thunderbird statt Outlook oder Live Mail, Firefox oder Chrome statt Internet Explorer, Scribus statt Adobe InDesign, Gimp statt Photoshop, 7-Zip statt WinZip. Und so weiter.

Der zweite Einwand betrifft die Bedienung. Sie ist markant anders bei Windows. Eine Herausforderung stellt die Konfiguration dar. Die Systemeinstellungen sind bei Linux anders organisiert als in der Systemsteuerung von Windows. Die Registry gibt es nicht, stattdessen arbeitet man mit Konfigurationsdateien, und viele administrative Arbeiten werden über die Befehlszeile erledigt. Software wird bei Linux anders installiert als bei Windows, und es gibt Unterschiede bei der Datei- und Dokumentenverwaltung. Linux organisiert die Festplatte anders als Windows mit seinem System der Laufwerkbuchstaben. Schliesslich muss man anders an die Problemlösung herangehen und sich u. U. neue Informationsquellen erschliessen. Denn während man bei Windows-Problemen häufig Kollegen, Freunde oder Bekannte fragen kann, ist bei Linux sehr oft das Studium von Hilfeseiten im Netz gefragt. Und: Linux ist auch kein Schwerpunktbereich der Kummerbox, da es bislang kaum Anfragen zu diesem System gibt.

Wie sehr die Unterschiede ins Gewicht fallen, hängt sehr davon ab, zu welchen Zwecken du deinen Computer verwendest, ob du auf bestimmte Programme angewiesen bist und wie ausgeklügelt deine Arbeitsabläufe sind. Linux ist inzwischen so benutzerfreundlich wie Windows und hat gegenüber Windows und Mac den Vorteil, dass viele Distributionen voll ausgestattet daherkommen: Alle wichtigen Programme sind von Haus aus vorhanden, sodass langwierige Software-Installationsmarathons entfallen.

Und wo wir bei den Vorteilen sind: Linux ist kostenlos erhältlich. Man kann das System bzw. einzelne Varianten, die im Jargon «Distributionen» genannt werden, einfach ausprobieren. Die meisten Distributionen gibt es als Live-System. So nennt man Betriebssysteme, die, auf eine DVD gebrannt, zum Starten des Computers verwendet werden können, ohne dass das System installiert werden muss. So erhältst du einen authentischen Eindruck von der Bedienungsweise und vom «Look and feel», sprich: wie sich das System insgesamt anfühlt.

Fazit: Linux ist ein hervorragendes, bewährtes System. Es hat als Desktop-Betriebssystem noch keine grosse Bedeutung entwickelt. Auf der Seite der Server ist es nicht mehr wegzudenken und im Mobilbereich ist es das dominante System überhaupt – denn Googles Betriebssystem Android basiert auf einem Linux-Kern. Wenn du bereit bist, dich auf etwas Neues einzulassen, und dich mit einem Fachbuch in die Materie einarbeiten willst, Experimentierfreude und eine gewisse Frusttoleranz mitbringst und dich darauf einstellst, dass es beim Datenaustausch mit Familie und Freunden zu (lösbaren) Problemen kommen kann, dann ist Linux eine hervorragende Alternative zu Windows 8. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 06.01.2014, 19:18 Uhr

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