Analyse

Anbeissen? Oder abwinken?

Am Dienstag wird das neue Apple-Smartphone vorgestellt. Wir erklären Ihnen die wichtigsten Neuerungen – und weshalb Sie das iPhone 5 womöglich gar nicht brauchen.

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Die iPhone-Familie bekommt Zuwachs: Am 4. Oktober wird der neue Apple-Chef Tim Cook den iPhone-4-Nachfolger vorstellen. Gleichzeit fällt wohl der Startschuss für das Smartphone-Betriebssystem iOS 5 (Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtete) inklusive iCloud. Welche Verbesserungen sind sonst noch vorgesehen? In welche Richtung spekulieren die Mac-Auguren? Und gibt es nicht schon jetzt bessere Geräte? Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten zusammengestellt.

1. Was darf man vom nächsten iPhone erwarten?
Das Design wird sich deutlich vom bestehenden iPhone 4 unterscheiden.

  • Das nächste Gerät wird dünner und leichter, der Bildschirm wohl grösser – alleine schon deshalb, weil Käufer des neuen Telefons als solche erkannt werden möchten.
  • Der iPhone-4-Nachfolger wird höchstwahrscheinlich einen schnelleren Dualcore-Prozessor sowie eine verbesserte Kamera mit einer Auflösung von 8 MP enthalten.
  • Eher unwahrscheinlich ist hingegen, dass bereits dieses iPhone-Modell einen NFC-Chip beinhaltet, mit dem es die Kreditkarte als Zahlungsmittel ersetzen könnte. Dafür fehlen schlicht weltweit etablierte Standards.
  • Spekuliert wird ferner über eine umfangreiche Sprachsteuerung, die ohne Internetverbindung funktioniert, sowie ein eigenes GPS-Navigationssystem.

«Allareacodes» hat sich die Mühe gemacht, alle Gerüchte in einer Infografik zusammenzustellen.

2. Wo muss Apple in jedem Fall nachbessern?
Sowohl beim Bildschirm (Grösse, Kontrast, Farb-Brillanz) als auch beim Chip (Dualcore) und dem Arbeitsspeicher (RAM, Gerücht über 1 GB, welches schnelleres Surfen erlaubt). Auch bei der Gesprächs- und Verbindungsqualität («Antennagate») muss Apple handeln.

3. Das iPhone 4 ist also nicht perfekt. Gibt es Alternativen?
Die gibt es. Verschiedene Tests kommen zum Schluss: Das beste Smartphone derzeit ist das Galaxy S2, das innerhalb von 150 Tagen weltweit über zehn Millionen Mal über den Ladentisch ging. Das Samsung-Smartphone hat den besseren (weil helleren und kontrastreicheren) und mit 10,5-Zentimeter-Diagonalen auch den grösseren Bildschirm als das iPhone 4. Mit dem Galaxy S2 macht Surfen mit einer Downloadkapazität von 3000 kbit/s auch mehr Spass als mit dem iPhone. Laut einem Test von «Kassensturz» ist kein Gerät schneller beim Surfen als dieses Galaxy-Modell. Ebenfalls schneller als das 16 Monate alte iPhone 4 ist laut dieser Untersuchung das HTC Desire HD.

Gut möglich, dass das nächste iPhone wieder die Leaderposition übernimmt. Aber auch Samsung ist nicht untätig: Das Unternehmen hat bereits weitere Geräte angekündigt, etwa das Galaxy Note, eine Art Mini-Tablet (oder Maxi-Smartphone) mit Telefonfunktion. Das Galaxy Note mit 13,4-Zentimeter-Bildschirm wird allerdings nicht billig, es könnte um die 1000 Franken kosten.

Die Galaxy-Handys sind mit Googles Betriebssystem Android ausgestattet. Dieses läuft auch auf vielen anderen Geräten. Eine Woche nach dem iPhone-Event, am 11. Oktober, werden in San Diego die neue Android-Generation Ice Cream Sandwich (Android 4.0) und als passende Hardware dazu wohl das von Samsung gefertigte Google Nexus Prime präsentiert.

Als ebenfalls sehr gute Android-Smartphones derzeit gelten das Günstig-Smartphone HTC Wildfire S (etwa 200 Franken) oder das rund doppelt so teure, aber nur 8,7 Millimeter dünne Sony Ericsson Xperia arc.

Für Microsoft-Fans gibt es eine breite Palette an Windows-Phone-7-Handys. Diese wird wohl noch dieses Jahr mit Nokia-Smartphones ergänzt.

4. Ich möchte das Apple-Gerät trotzdem. Wann kann man es kaufen?
Kaum sofort nach der Präsentation am Dienstag, aber wahrscheinlich innerhalb von zwei Wochen. Der Chef von France Télécom, Stéphane Richard, hat einmal den 15. Oktober als Verkaufstermin genannt. Offen ist die Frage, ob genügend Geräte produziert werden konnten und ob es ein oder zwei neue Modelle geben wird. Bisher wurde die vorgängige Version jeweils stark verbilligt weiter verkauft, das würde dieses Jahr dem sogenannten iPhone 4S entsprechen.

5. Gibt es auch neue Software und was kann diese?
Ja, die fünfte Version des neuen mobilen Betriebssystem bietet über 200 Neuerungen. iOS 5 wird ab dem iPhone-5-Verkaufstart verfügbar sein. Welches sind die wichtigsten Funktionen?
iCloud: Der Dienst speichert Musik (vorerst nur in den USA), Fotos, Apps, Kalender, Dokumente und mehr auf Apple-Servern und pusht alles drahtlos auf alle Geräte. So bleibt einem der Weg via iTunes erspart, um beispielsweise Inhalte vom iPhone auf das iPad zu transferieren.
Updates via WLAN: Ab iOS 5 kann man Systemaktualisierungen für iPhone, iPod touch und iPad auch über WLAN auf das Gerät laden. Bisher musste man Updates via iTunes am Computer auf die mobile Hardware kopieren. Dieser Weg ist trotz Wifi-Option weiterhin möglich. Um iOS 5 zu installieren, braucht man iTunes allerdings noch.
iMessage: Die kostenlose Nachrichtenzentrale für SMS, MMS, Mails etc. funktioniert ähnlich wie WhatsApp.
Erinnerungen via GPS-Ortung: Mit der App Erinnerungen wird man an bestimmten Orten an Aufgaben erinnert. Sobald man sich in der Nähe des Standorts (etwa eine Bäckerei) befindet, meldet sich das iPhone (etwa: Du musst Brot einkaufen). Das funktioniert auf rund 50 Meter genau.
Fotos bearbeiten: Die Kamera kann man auch über den Sperr-Display nutzen. Fotos lassen sich direkt am iPhone bearbeiten (nur ab iPhone 4). Mit dem Fotostream, einer Funktion von iCloud, werden automatisch die letzten 1000 eigenen Fotos auf alle Geräte mit derselben Apple-ID (iTunes-Konto) geladen.

6. Kann ich iOS 5 auch auf dem alten iPhone installieren?
Das neue Betriebssystem läuft auf dem iPhone 4 und 3GS (und natürlich auf dem iPhone 5, wo es bereits ab Werk installiert sein wird). Das iPhone 3G wird nicht mehr unterstützt. Bei grossen Updates kappt Apple traditionell den Software-Support älterer Modelle. Beim nächsten grossen Update wird es das 3GS treffen.

Bei diesem Modell ist zudem zu beachten, dass nicht alle Funktionen von iOS 5 vorhanden sind (etwa Fotobearbeitung). Nutzer müssen damit rechnen, dass das 3GS mit jedem späteren iOS-5-Update (falls diese das Gerät noch unterstützen werden) aufgrund der schwächeren Leistungsfähigkeit immer langsamer wird.

Das war in der Vergangenheit auch mit dem 3G der Fall, wo die Installation von iOS 4 zur Tortur wurde. Bei den iPods werden die Serien der dritten und 4. Generation berücksichtigt. Keine Probleme mit Updates werden Besitzer des iPhone 4 haben.

7. Was muss ich bei der Installation von iOS 5 beachten?

  • Sichern Sie vor der Installation unbedingt alle Daten (Bilder, Videos, Apps, Kontakte) via Backup (geschieht automatisch – nicht abbrechen!).
  • Die Datensicherung funktioniert via iTunes, verbinden Sie dazu das iPhone via Ladekabel mit dem Computer. Falls Sie die Software noch nie genutzt haben, können Sie diese kostenlos für Mac und Windows herunterladen.
  • Falls Sie auf Ihrem Gerät nur ein paar Fotos sichern wollen und auf alles andere verzichten können, schicken Sie die Bilder per Mail an Ihre Privatadresse – und verzichten Sie auf das Back-up. Details zur Datensicherung finden Sie hier.

Erstellt: 30.09.2011, 09:53 Uhr

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