Interview

«Apple kann natürlich so weitermachen»

Der MWC, der weltgrösste Smartphone-Anlass, hat begonnen. Jörg Wirtgen über den iPhone-Produzenten als Nischenhersteller, Blackberry auf der Suche nach Coolness und die Windows-Phone-Zukunft.

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Herr Wirtgen, welches ist Ihrer Ansicht nach das beste Smartphone zurzeit?
Schwierige Frage, die Smartphones sind mittlerweile zu vielseitig. Zu den Topgeräten gehören das iPhone 5, das Samsung S3 und das Nokia Lumia 920, alle mit ihren spezifischen Vor- und Nachteilen. Von den Features her liegt auch das Galaxy Note 2 mit Stift und grossem Display weit vorne.

Das aktuellste Apple-Handy begeistert nicht jeden. Sie haben die Entwicklung vom ersten Apple-Smartphone bis zum iPhone 5 detailliert nachverfolgt. Kann das Unternehmen so weitermachen wie bisher?
Da gibt es zwei Sichten: Aus Firmensicht verkauft Apple alle Handys, die sie herstellen, mit einer Gewinnspanne, von der die Branche nur träumen kann. So gesehen kann Apple natürlich so – als hochprofitabler Nischenhersteller mit Innovationsnimbus – weitermachen. Aus Anwendersicht indes deckt Apple das untere und mittlere Preissegment nicht ab, zudem verschläft das Unternehmen den Trend zu grösseren Displays. Wenn Apple in diese Bereiche will, müssen neue Modelle her.

Apple wollte es noch nie allen Recht machen.
Richtig. Dass es nicht unbedingt neue Geräte braucht, zeigen etwa die Notebooks: Hier deckt Apple auch nicht alle Segmente ab, hat aber eine treue Fanbasis und Modelle, deren technische Eigenschaften man in der Windows-Welt in dieser Kombination nicht findet.

Vor allem Samsung setzt dem Apfelkonzern mit der Galaxy-Reihe zu. Worin sehen Sie das Erfolgsgeheimnis dieser Smartphones begründet?
Samsung macht massiv Werbung und gute Deals mit Providern, das Unternehmen bietet gute Preise und verfügt über ein grosses Produkt-Portfolio mit einem flexiblen Android-System. Und das Wichtigste: Die Smartphones sind einfach gut.

Apple kritisiert, Samsung habe das iPhone einfach kopiert.
Tatsächlich hat Samsung bei der konkreten Gestaltung einiger Details ungeschickt und unnötig genau nach dem Vorbild gearbeitet, also kopiert. Aber niemand, der mit einem iPhone und einem Galaxy länger als 30 Sekunden herumspielt, würde die Geräte verwechseln. Überhaupt: Abgekupfert hat jeder von jedem – auch Apple hat viele der Aspekte des iPhone nicht erfunden, sondern kopiert.

Kopiert? Wo?
Beispielsweise hat nicht Cupertino, sondern das Start-up-Unternehmen Perceptive Pixel von Jeff Han die erste ordentliche Multitouch-Bedienoberfläche gezeigt. Viele Verbesserungen – beispielsweise des iOS-Nachrichtensystems – sind von Android abgekupfert und das erste Smartphone mit Retina-artigem Display stammt von Motorola. Also: Diese Diskussion führt zu nichts. Wer hat bei Autos von wem abgekupfert, wenn man sich Mercedes, BMW oder VW ansieht? Oder Canon, Nikon und andere bei Spiegelreflexkameras? Es gibt unzählige Produktkategorien, in denen sich die Produkte noch viel ähnlicher sehen als iPhone und Galaxy.

Bleiben wir bei Samsung: Wann kommt das bereits als Prototyp gezeigte Smartphone mit faltbarem Display auf den Markt?
Ein variables Gerät, bei dem der Bildschirm nicht nur bei der Produktion gebogen wird, sondern später auch beim fertigen Produkt? Schwierig zu sagen, das erwarte ich gar nicht zuerst in Smartphones, sondern vielleicht bei grösseren Tablets oder E-Book-Readern; in Marktreife aber wohl nicht mehr dieses Jahr. Hingegen könnten bei der Produktion einmalig in Form gebrachte Displays dieses Jahr noch kommen, beispielsweise als Armband geformt in Smart-Watches.

Bislang haben wir nur über Apple, Samsung und Android geredet. Was ist mit Blackberry?
Das Gerät Z10 und die mobile Software Blackberry 10 sehen nach einer tollen Kombination aus. Jetzt kommt es auf die Apps an und darauf, wie schnell das neue System als «cool» angesehen wird. Erstmal sehe ich die Features nur für diejenigen als Vorteil, die schon einmal Blackberrys hatten ...

... also vor allem Firmenkunden.
Richtig. Blackberry verhindert vielleicht ein Abwandern der noch treuen Kunden und gewinnt ein paar verlorene Fans zurück. Die Features sind aber meiner Meinung nach derzeit nicht attraktiv genug, um allzu viele Android- und iOS-Nutzer zum Wechsel zu bewegen.

Und wie sehen Sie die Zukunft der Windows-Allianz Microsoft-Nokia?
Blackberry und Microsoft haben beide das Problem, Programmierer für ihre Plattformen gewinnen zu müssen. Die Microsoft-Geräte, gerade die von Nokia, sind durchaus tolle Smartphones, und auch die Bedienoberfläche ist gut, übersichtlich, chic! Doch wer einmal die App-Vielfalt von Android und Apple kennen gelernt hat, wird bei Microsoft nicht glücklich. Leider ist der Fortschritt der letzten ein bis zwei Jahre nicht allzu gross, Microsoft bleibt ganz, ganz klein.

Vielleicht bringen die Tablets mit Windows 8 und RT einen Aufschwung für Microsoft.
Bislang sieht es nicht danach aus, ganz im Gegenteil.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 25.02.2013, 10:33 Uhr

Der Informatiker Jörg Wirtgen (43) beschäftigt sich mit Notebooks, Tablets, Smartphones und manchmal Android-Programmierung. Er arbeitet seit 1999 bei «c't», inzwischen als Ressortleiter Mobil.

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