Apps senden sensible Gesundheitsdaten an Facebook

Zahlreiche Apps geben intime Informationen ohne Zustimmung weiter – das betrifft auch Nutzer, die keinen Facebook-Account haben.

Zahlreiche Apps geben sensible Daten an Mark Zuckerbergs Datenkraken Facebook weiter – auch ohne Zustimmung der Nutzer. (Foto: David Paul Morris/Bloomberg via Getty Images)

Zahlreiche Apps geben sensible Daten an Mark Zuckerbergs Datenkraken Facebook weiter – auch ohne Zustimmung der Nutzer. (Foto: David Paul Morris/Bloomberg via Getty Images)

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Eine Auswertung des Wall Street Journal zeigt, wie zahlreiche beliebte Apps sensible Daten an den Facebook-Konzern weitergeben. Dabei geht es um Gesundheitsdaten zu Herzfrequenz, Gewicht oder Menstruation. Aber auch gespeicherte Preise bei Wohnungssuchen gehören dazu. Die Journalisten untersuchten mit Hilfe einer Software, welche Daten 70 populäre Apps aus dem Apple Store weitergeben.

Bei elf davon seien sensible Daten weitergegeben worden. In vielen Fällen passierte das, ohne dass die Nutzer darüber informiert wurden. Oft gab es auch gar keine Möglichkeit, die Datenweitergabe zu unterbinden. Experten sagten laut dem Bericht, dass diese Praxis in Europa gegen die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) verstossen könne. Betroffen sind auch Nutzer, die überhaupt keinen Facebookaccount haben. Die Daten werden über eine Entwicklerschnittstelle weitergeben, die personalisierte Facebook-Werbung ermöglichen soll.

Gegen die Geschäftsbedingungen

Ein Beispiel dafür ist die App Flo, mit der Frauen ihre Menstruationszyklen festhalten können. Gibt eine Nutzerin Informationen ein, sendet die App ein Datenpaket an Facebook. Dem Bericht zufolge enthält dieses sowohl Informationen zu dem Gerät, auf dem die Nutzerin die App installiert hat, als auch die Daten, die Flo sammelt – etwa zum Eisprung der Nutzerin. Solche Daten kann Facebook unter anderem mit bestehenden Nutzerprofilen verbinden.

Eine Sprecherin des Unternehmens sagte dem Wall Street Journal, die App-Anbieter würden mit dieser Praxis gegen die Geschäftsbedingungen verstossen. Diese würden es verbieten, «Gesundheits- oder Finanzdaten oder andere Arten sensibler Informationen» an Facebook zu senden. Das Unternehmen habe deshalb die betroffenen App-Anbieter angewiesen, solche Informationen nicht mehr weiterzugeben. Sollten sie sich nicht daran halten, werde Facebook weitere Schritte einleiten.

Facebook steht unter Druck

In der Vergangenheit hatte es bereits ähnliche Auswertungen gegeben, die zeigten, wie verschiedene Apps Daten an Facebook weitergeben. Der Bericht des Wall Street Journal ist trotzdem heikel für Faceboook. Denn das Unternehmen wurde zuletzt immer heftiger wegen seines Umgangs mit Nutzerdaten kritisiert. In den USA ermitteln Behörden, weil Facebook der Politik-Datenfirma Cambridge Analytica Zugriff auf die Daten von Millionen Nutzern gewährte.

In Deutschland untersagte das Bundeskartellamt Facebook Anfang Februar, die Daten von verschiedenen Quellen in den einzelnen Facebook-Konten in Deutschland ohne explizite Zustimmung der Nutzer zusammenzuführen. Dabei geht es sowohl um Konzerntöchter wie Whatsapp oder Instagram, als auch um Webseiten und Apps anderer Betreiber.

Erstellt: 23.02.2019, 21:40 Uhr

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