Auf der Suche nach 5G

Die ersten Handymasten sind mit der neuen Technologie auf Sendung. Doch ganz so einfach ist das alles nicht, wie unser Test-Spaziergang zeigt.

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Huch! Da ist es endlich!

Völlig unerwartet steht oben rechts auf meinem Testhandy auf einmal 5G. Nicht 4G, sondern 5G.

Ich schiesse schnell ein Beweisfoto, und dann ist der Spuk auch schon wieder vorbei. Denn ich sitze gerade im Zug, und irgendwo zwischen dem Zürcher Flughafen und Winterthur sind wir offensichtlich an einer 5G-Antenne vorbeigefahren.

Mein Erstaunen war vor allem deshalb so gross, da ich zuvor auf der Suche nach einer 5G-Antenne eine halbe Stunde durch Zürich geirrt bin. Laut der 5G-Karte von Sunrise, die uns auch das 5G-Handy ausgeborgt hat, hätte auf meinem Heimweg von der Redaktion zum Bahnhof bester 5G-Empfang herrschen müssen. Doch so viel ich auch um die Häuser spazierte, immer nur 4G. Schliesslich gab ich auf und stieg in den Zug nach St. Gallen.

Dunkelrote Karte

Am nächsten Morgen finde ich bei der Fahrt zurück nach Zürich sogar zwei 5G-Netze. Wie von der Karte versprochen: eines in Gossau und eines bei Effretikon. Doch im schnellen Zug macht es keinen Sinn, das Tempo der Antennen zu messen. Viel zu schnell bin ich aus dem Einzugsgebiet der Antenne. In Zürich dagegen weiter Fehlanzeige. Weit und breit kein 5G, obwohl die Sunrise-Karte in tiefstem Dunkelrot 5G verspricht.

Der entscheidende Tipp kommt schliesslich vom Kollegen des «Blicks». Zwischen dem Bahnhof Hardbrücke und dem grossen Kinokomplex habe er eine Antenne gefunden. Eine Tramfahrt später habe dann auch ich auf dem Steinfelsplatz besten 5G-Empfang.

Angenehm schnell

Das Tempo ist etwas mehr als doppelt so hoch wie bei meiner besten 4G-Messung in den letzten Tagen. Da ginge theoretisch noch mehr, aber für den Anfang ist das mehr als gut genug. Und schliesslich geht es bei 5G auch nicht nur um noch mehr Tempo, sondern auch darum, dass künftig immer mehr Menschen angenehm schnelle Datenverbindungen haben.

Entsprechend unentschlossen bin ich dann auch, was ich nun mit dieser schnellen Verbindung anfangen soll. Riesige Dateien lade ich im Alltag keine runter, und Netflix kann ich schon jetzt mit 4G selbst in Eisenbahntunnels problemlos schauen. Kommt dazu: Es regnet und ist kalt. Also schiesse ich ein weiteres Beweisfoto, und das wars dann für mich mit 5G. Fürs Erste.

Überall 5G-Werbung

Nach dem 5G-Spaziergang bin ich auf jeden Fall nicht versucht, meine Meinung grundlegend zu revidieren. Als Konsument sollte man jetzt bloss nichts überstürzen. Auch wenn die Plakatwände im ganzen Land voll mit 5G-Werbung sind und sich die zwei grossen Telecomanbieter mit allen möglichen Superlativen rund um den nächsten Mobilfunkstandard zu überbieten versuchen.

Dass es aktuell noch kein flächendeckendes Antennennetz gibt, ist dabei nicht einmal das Hauptargument. Genauso wichtig sind die Empfangsgeräte. Die überzeugen aktuell noch nicht restlos. Getestet haben wir das Xiaomi Mi Mix 3 5G, ein Handy der gehobenen Mittelklasse mit nicht besonders polierter Software, das mit 850 Franken doch ziemlich teuer ist.

Saftiger Aufpreis

Die Anfang Jahr lancierte Variante desselben Handys ohne 5G findet man aktuell schon für 450 Franken. Es dürfte sich darum längerfristig einmal mehr auszahlen, auch bei diesem Tech-Kauf nicht zu den Ersten zu gehören. Die Preise werden sinken und die Handys nur besser werden.

Rundum empfehlenswert dürfte ein Kauf erst in den nächsten Jahren werden. Richtig spannend wird es allerdings erst noch später. Nämlich dann, wenn Alltagsgeräte, die heute höchstens WLAN haben – also nicht nur Handys, Tablets, Laptops oder Router –, über 5G ins Netz gehen. Davon sind wir heute aber noch ein ganzes Stück entfernt.

Erstellt: 23.05.2019, 09:48 Uhr

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