Beim WLAN haben Schweizer Pendler das Nachsehen

Bald gibt es Gratis-WLAN an 100 Schweizer Bahnhöfen. Züge sollen statt WLAN jedoch nur Verstärker für das mobile Internet erhalten. Im europäischen Ausland sieht es anders aus, wie ein Vergleich zeigt.

Bald schnelleres Internet: Die SBB planen, Signalverstärker in den Zügen zu installieren. Im Bild: Ein Pendler surft auf der Strecke Zürich-Genf im mobilen Internet.

Bald schnelleres Internet: Die SBB planen, Signalverstärker in den Zügen zu installieren. Im Bild: Ein Pendler surft auf der Strecke Zürich-Genf im mobilen Internet. Bild: Martin Rütschi/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Während 100 Schweizer Bahnhöfe kostenloses WLAN erhalten sollen, ist das in den Zügen kein Thema für die SBB. Ursprünglich hätten 58 Doppelstockzüge damit ausgerüstet werden sollen, doch die SBB haben sich aus Kosten-Nutzen-Gründen von der Idee verabschiedet (wir berichteten).

Im umliegenden Ausland ist der drahtlose Internetzugang in Fernverkehrszügen schon fast eine Selbstverständlichkeit. Ein Vergleich mit unseren Nachbarländern sowie Grossbritannien:

Deutschland

Bahnhöfe: An den grösseren Bahnhöfen Deutschlands gibt es kostenloses WLAN in den Lounges, zu denen Erstklass-Passagiere und Vielfahrer Zutritt haben. Die anderen Bahnkunden werden zur Kasse gebeten, wenn sie via WLAN surfen möchten. An den Bahnhöfen lässt sich Internetguthaben kaufen.
Züge: In vielen ICE-Zügen der Deutschen Bahn (DB) wird bereits heute kostenpflichtiges WLAN angeboten. Bis Ende 2014 soll fast die gesamte ICE-Flotte damit ausgerüstet sein. Ausserdem wird entlang der Strecken zwischen den grösseren Städten das mobile Internet ausgebaut. Die DB habe sich wegen der Tunnels bewusst gegen das Satelliteninternet entschieden, sagt ein Sprecher auf Anfrage. Im Regionalverkehr soll dereinst auch WLAN installiert werden, doch dazu gibt es laut dem DB-Sprecher noch keine konkreten Pläne. In den Zügen von Thalys, die auch Köln bedienen, werden WLAN sowie Verstärker für das mobile Internet angeboten. Erstklass-Passagiere surfen gratis, ebenso diejenigen der zweiten Klasse mit speziellen Ticketarten.

Österreich

Bahnhöfe: In den grösseren Städten Österreichs stehen den Erstklass-Passagieren an den Bahnhöfen Lounges mit kostenlosem WLAN zur Verfügung. Am Westbahnhof Wien ist das WLAN für alle gratis zugänglich.
Züge: Die Railjet-Züge der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) sind mit gebührenfreiem WLAN ausgerüstet. Bei diversen anderen Fernverkehrszügen wurden die Fenster so angepasst, dass der Handyempfang im Zug stärker ist. Signalverstärker wurden jedoch keine eingebaut, wie eine Sprecherin sagt. In den Nahverkehrszügen ist WLAN weder erhältlich noch sind konkrete Massnahmen dazu geplant.

Frankreich

Bahnhöfe: In Frankreich ist bisher an 61 Bahnhöfen WLAN installiert, das man gegen eine Gebühr nutzen kann. Das Ziel der französischen Staatsbahnen SNCF ist, an 100 Bahnhöfen kostenloses Internet anzubieten. Dies wurde ab September 2012 getestet an Stationen wie Paris Montparnasse, Bordeaux St-Jean, Toulouse Matabiau und Marseille St-Charles. Damit wollte man die Nachfrage nach Gratis-WLAN eruieren.
Züge: Seit Ende 2010 können sich Reisende im TGV Est gegen eine Gebühr ins drahtlose Internet der Züge einloggen. Der Service ist verfügbar auf den Strecken Stuttgart–Paris und München–Paris. Kostenloses WLAN kommt offenbar nicht in Frage. Grund dafür sind die hohen Investitionskosten, die für ein funktionstüchtiges Internet bei Tempo 320 und den vielen Tunnels nötig sind.
In den Zügen von Thalys, die zwischen Paris, Brüssel, Amsterdam und Köln verkehren, stehen sowohl WLAN als auch Verstärker für das mobile Internet zur Verfügung. Reisende der ersten Klasse können gratis surfen. Diejenigen der zweiten Klasse haben diese Möglichkeit nur mit bestimmten Ticketarten. Wer Internetguthaben kaufen möchte, kann dies online oder in der Bar an Bord tun.

Italien

Bahnhöfe: Das WLAN-Angebot an italienischen Bahnhöfen variiert stark. Details konnten nicht in Erfahrung gebracht werden.
Züge: An Bord der Frecciarossa-Schnellzüge bietet die staatliche Trenitalia WLAN gegen eine Gebühr an. Diese Züge fahren unter anderem auf der Strecke Mailand–Rom–Neapel.
Auch in den Zügen des privaten Anbieters Italo surfen Passagiere über WLAN – und zwar gratis in allen Zugsbereichen. Auch Verstärker für das Handynetz sind eingebaut, sodass Hindernisse wie der lange Tunnel zwischen Bologna und Florenz den Internetzugang nicht einschränken.

Grossbritannien

Bahnhöfe: An grösseren britischen Bahnhöfen wie London St. Pancras, Ebbsfleet und Ashford stellt der Zuganbieter Eurostar WLAN zur Verfügung. Business-Premier-Kunden erhalten kostenlosen Zugang in ihren Lounges, und im Bahnhof St. Pancras ist das Internet für alle Eurostar-Passagiere gratis.
Züge: In Grossbritannien ist WLAN in Zügen offenbar an der Tagesordnung. So ist es gratis verfügbar auf sämtlichen Zügen der Anbieter National Express und Grand Central Trains. Bei Virgin Trains und Heathrow Express wird man zur Kasse gebeten. Im Laufe dieses Jahres sollen alle Züge von Eurostar mit Wifi ausgerüstet werden. Ob und wie viel der Internetzugang an Bord kostet, ist noch nicht bekannt.

Fazit: Die grösseren Bahnhöfe der obigen Länder verfügen meist über WLAN. Dieses ist jedoch meist nur für Erstklass-Passagiere gratis. In den Zügen der europäischen Anbieter – mehrheitlich handelt es sich um Fernverkehrszüge – sind uns die Nachbarländer in Sachen WLAN eine Nasenlänge voraus. Grossbritannien sogar um zwei, weil teils auch Nahverkehrszüge mit drahtlosem Internet ausgestattet sind. In der Schweiz dürften die Pendler noch eine ganze Weile auf WLAN im Zug warten, weil sich die SBB vorerst nur für Signalverstärker des mobilen Internets entschieden haben.

Erstellt: 21.02.2013, 22:07 Uhr

Artikel zum Thema

Die SBB werfen die Swisscom aus den Bahnhöfen

Die Bundesbahnen rüsten 100 Bahnhöfe mit Gratis-Internet aus. Und verzichten künftig auf die Dienste der Swisscom. Mehr...

Ab 2016 Gratis-WLAN an 100 Bahnhöfen

Besserer Handyempfang im Zug und Gratis-WLAN an den rund 100 grössten Bahnhöfen: Wie die SBB in den nächsten Jahren die mobile Kommunikation erleichtern wollen. Mehr...

Gratis-WLAN: Der Zürcher Flughafen im Vergleich

Service Endlich surfen Passagiere nun auch am Zürcher Flughafen gratis. Wie sieht es anderswo in der Schweiz mit dem Web-Zugriff aus? Und wo haben es Flugreisende noch besser? Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Spielvergnügen: Kinder spielen in einem 20'000 Quadratmeter grossen und zwei Kilometer langen Maislabyrinth bei «Urba Kids» in Orbe, Waadt. (22. August 2019)
(Bild: Laurent Gillieron) Mehr...