Analyse

Das Problem mit der Wolke

Die Vorteile des Cloud-Computing sind offensichtlich. Kleine Unternehmen und private Kunden können sich den Aufwand für eine eigene, komplexe IT-Infrastruktur sparen. Doch fällt die Cloud aus, ist man hilflos.

Nichts aus den Fehlern gelernt: Die Liste der Cloud-Pannen ist lang.

Nichts aus den Fehlern gelernt: Die Liste der Cloud-Pannen ist lang. Bild: Keystone

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Geschlagene vier Tage lang konnten Millionen von Blackberry-Anwendern letzte Woche keine E-Mails oder Textnachrichten auf ihren Smartphones senden oder empfangen. Pannen wie diese offenbaren das Risiko des Cloud-Computing – und unsere Abhängigkeit.

Den Cloud-Anbietern hilflos ausgeliefert

Wolken (auf Englisch «clouds») beherbergen Engel, sie bescheren uns aber auch ab und zu Hagel. Ähnlich verhält es sich mit dem Cloud-Computing. Dessen Vorteile sind offensichtlich. Kleine Unternehmen und private Kunden können sich den Aufwand für eine eigene, komplexe IT-Infrastruktur sparen. Sie hinterlegen ihre Daten in der Cloud, abrufbar von überall her. Die Kehrseite: Der Nutzer ist den Cloud-Anbietern hilflos ausgeliefert – was, wenn die Services versagen?

Besonders peinlich für RIM, Blackberry-Hersteller und Betreiber des zugehörigen Dienstes, ist, dass man eigentlich längst aus den früheren Fehlern anderer gelernt haben müsste. Denn die Liste der Cloud-Pannen ist lang: Die Cloud-Plattform von Amazon etwa fiel 2010 für knapp vier Tage aus, ein Desaster für zahlreiche Firmenkunden, besonders für jene, die voll auf Amazon setzten und keinen Plan B hatten. Im selben Jahr löschte ein Script, das unnütze E-Mail-Konti beseitigen sollte, so nebenbei auch die Mails von 17'000 realen Hotmail-Kunden; Microsoft konnte diese immerhin drei Tage später wiederherstellen. Bei Google verschwanden 2009 die Mails von rund 150'000 Gmail-Anwendern; der Softwarefehler beschädigte die Back-ups, also die Sicherheitskopien, gleich mit.

Grosser Imageschaden

Alles in allem verbessert die Branche aber die Zuverlässigkeit ihrer Dienste laufend. Und sicher macht es einen Unterschied, ob ein kostenloser Dienst wie Gmail einen Schluckauf hat – oder ob ein kommerzieller Dienst wie jener von Blackberry einen Totalausfall erleidet. Entsprechend gross ist der Imageschaden für RIM: Hatten sich bereits im August rund die Hälfte der Kunden überlegt, auf ein iPhone umzusteigen, sind es nun bereits zwei Drittel, wie aktuelle Umfragen zeigen.

Die Anwender müssen sich damit anfreunden, dass – wie jede andere Technologie – auch Cloud-Dienste nie völlig fehlerfrei laufen werden. Man sollte sich also nicht ausschliesslich auf sie verlassen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 17.10.2011, 08:17 Uhr

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