Interview

«Das Riesentelefon frisst die kleinen Tablets»

Die weltgrösste Handy-Messe läuft derzeit in Barcelona. Für Tagesanzeiger.ch/Newsnet ist Digitalredaktor Rafael Zeier vor Ort. Im Interview spricht er über Highlights, ein Firefox OS und Zuckerbergs Gratis-Web.

Digitalredaktor Rafael Zeier hat in Barcelona kaum wegweisende Trends entdeckt.

Digitalredaktor Rafael Zeier hat in Barcelona kaum wegweisende Trends entdeckt.

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Die grossen Neuerungen des Mobile World Congress – wasserdichte Handys, jede Menge Schrittzähler und Armbänder – sind alle schon da gewesen. Man bekommt den Eindruck, dass der Branche die Ideen ausgehen.
Tatsächlich sieht es ein bisschen so aus. Smartphones und Tablets kann inzwischen jeder Hersteller bauen. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Geräten werden immer kleiner, und die Funktionen gleichen sich an. Smartphones und Tablets sind auf dem besten Weg, ähnlich wie die Fernseher vor ihnen, zu besseren Wandtafeln zu werden: ein grosser Bildschirm und ein paar Funktionen darum herum. Gross unterscheiden kann man sich mit der Hardware nicht mehr. Darum versuchen die Hersteller, sich mit Armbändern und Uhren von der Konkurrenz abzuheben.

Sind diese neuen Uhren und Armbänder wenigstens intelligente Weiterentwicklungen – oder gibt es in Barcelona das Gleiche einfach von noch mehr Herstellern?
Im Kern sind die Uhren immer noch eine Mischung aus Smartphone-Verlängerung und Schrittzähler. Persönlich sehe ich den Nutzen dieser Armbänder noch nicht wirklich. Mir reicht weiterhin die Moves-App auf meinem Smartphone. Allerdings bin ich sehr gespannt, wie gut der Pulsmesser von Samsung tatsächlich funktioniert. Als fleissiger Datensammler könnte mich das doch motivieren, ein Armband zu tragen.

Ein Trend sind die Phablets, die Telefone, die sich bei der Grösse den Tablets annähern. Wird das Tablet auf die Dauer tatsächlich überflüssig, wie im Vorfeld der Messe spekuliert wurde?
Ich halte dagegen und sage: Das Riesentelefon frisst die kleinen Tablets. Aber die 10-Zoll-Tablets werden bleiben. Nachdem mein Laptop mich gestern im Stich gelassen hat, arbeite ich heute mit einem solchen Tablet und einer externen Tastatur. Den Laptop habe ich nicht einmal vermisst. Zudem hört man an der Messe auch immer wieder von Herstellern, die ihre Ressourcen von Laptops und PC Richtung Tablets verschieben. Sony ist da mit dem Verkauf seiner Laptop-Sparte nur ein Beispiel. Mit dem vielen Zubehör, das die Japaner im Angebot haben, lässt sich ein Tablet sehr gut den eigenen Bedürfnissen anpassen.

Auch das Samsung Galaxy S5, das ab April erhältlich sein soll, ist noch einmal gewachsen. Ansonsten hat es wie das iPhone 5S einen Fingerabdrucksensor. Das klingt nach «Me too» und nicht nach Innovation!
Verschiedene Kollegen haben moniert, dass das neue Galaxy bei der Konkurrenz abgekupfert hat. Aber als Konsument freut mich das. Mehr Auswahl ist immer gut. Die Innovation beim neuen Galaxy liegt eher im Pulssensor. Ich habe Zweifel, ob man den aber bei einem Smartphone braucht. Am Handgelenk finde ich ihn aber vielversprechend.

Hat Samsung eine Strategie in Sachen Mobile Health? Oder geht es in diesem Fall nicht vor allem darum, einen Sensor mehr als die Konkurrenz zu haben?
Bei Samsung stellt sich in letzter Zeit immer dieselbe Frage: Taugt das neue Feature auch in der Praxis? Meist entpuppen sich diese im Alltag dann als Spielerei. An der Pressekonferenz versprach Samsung aber mehrfach, «back to basics» gehen zu wollen.

Das ist aber ein eklatanter Widerspruch zu immer mehr Sensoren und noch mehr Zubehör?
So kam es mir auch vor. Persönlich hätte ich ein wertigeres Gerät aus Metall bevorzugt. Aber entgegen allen Gerüchten scheint sich Samsung nicht dafür begeistern zu können.

Samsungs Armbanduhr, die im letzten Herbst vorgestellte Gear, muss als Flop angesehen werden. Warum sollen die Chancen mit der nun vorgestellten Neuauflage besser stehen?
Konkurrenz belebt das Geschäft. Je mehr Hersteller solche Produkte vorstellen, desto grösser wird das Interesse der Kunden. Aber ich bin weiterhin skeptisch. Das perfekte Armband für mich habe ich immer noch nicht gefunden. Die aktuellen Geräte spiegeln viel mehr den Wunsch nach einem Computer fürs Handgelenk.

Nokia hat sehr günstige Mobiltelefone vorgestellt, die obendrein mit Android laufen – und das, obwohl Microsoft die Mobilfunksparte der Finnen gekauft hat. Android statt Windows Phone – wie wurde das hinter den Kulissen kommentiert?
Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass Nokia jetzt doch noch auf den Android-Zug aufspringt, nachdem sie sich in der Vergangenheit explizit dagegen entschieden hatten. Ob die Nokia-Androiden die Kunden tatsächlich zu den teureren Windows-Phone-Geräten locken, bezweifle ich. Ich vermute, Kunden, die bei Nokia einmal Android mit allen Funktionen und Apps genutzt haben, werden das auch bei einem nächsten teureren Gerät wollen.

Mark Zuckerberg – der gerade 16 Milliarden für Whatsapp ausgegeben hat – stellte in Barcelona das Projekt Internet.org vor. Es soll den Drittweltländern kostenloses Internet bringen.
Ich frage mich, ob Zuckerberg den Drittweltländern wirklich kostenloses Internet oder doch in erster Linie Werbung bringen möchte? Auf jeden Fall ein löblicher Ansatz. Daneben gibt es auch verschiedene Initiativen wie etwa Firefox OS, die die preiswerten Smartphones dazu anbieten wollen.

Du bist also gewillt, ihm gute Absichten zuzubilligen – und würdest ihn nicht wie manche Kritiker einen Heuchler nennen?
Ich bin Pragmatiker. Jemand muss das Gratisinternet ja bezahlen!

Hast du ein Gerät gesehen, das du unbedingt haben willst – oder eines, das du deinem ärgsten Feind nicht schenken würdest?
Ich bin mit meinen Geräten im Moment sehr zufrieden. Einzig eine kleine Box, die per Bluetooth Musik von meinem Handy oder Tablet auf meine alten Lautsprecher in der Stube streamt, wäre eventuell noch etwas. Leider habe ich die perfekte Tablet-Tastatur nicht gefunden.

Erstellt: 25.02.2014, 12:31 Uhr

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