Test

Das Smartphone, das in King Kongs Hand passt

Mehr geht zurzeit nicht: Der Bildschirm des chinesischen Ascend Mate ist 6,1 Zoll gross. Wir haben getestet, wie sich der Brummer im Alltagsbetrieb schlägt.

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Der chinesische Elektronikkonzern Huawei hat in der Schweiz offiziell das Ascend Mate lanciert. Mit seinem 6,1-Zoll-Bildschirm (15,49 Zentimeter) weist es derzeit das grösste Display unter den Smartphones auf dem Markt auf. Die Hardware gehört in die Zwischenkategorie der Phablets/Smartlets, die für eine Mischung aus Smartphone und Tablet steht (siehe Infobox). Und ja, telefonieren kann mit dem Riesending auch.

Beginnen wir mit den Äusserlichkeiten: Die Hardware mit fest verbautem Akku macht trotz Plastikeinsatz einen sauber verarbeiteten Eindruck. Dank der gummierten Rückseite liegt es rutschfest in der Hand. Das Design ist unspektakulär. Am oberen Gehäuserand befindet sich der Slot für die SIM-Karte, auf der linken Seite jener für die optionale Speicherkarte. Auf der rechten Seite sind der Einschaltknopf sowie der Lautstärkeregler angebracht. Am unteren Gehäuserand befindet sich der Micro-USB-Anschluss.

Telefonieren am besten mit Headset

Das Ascend Mate bringt 198 Gramm auf die Waage (Konkurrent Samsung Galaxy Note 2: 181 Gramm). Die Bedienung ist mit einer Hand nicht mehr möglich. Und hält man das Mate für einen Anruf an den Kopf, wirkt es wie beim Note 2 unfreiwillig komisch. Für das ständige Telefonieren ist das Mate zu gross und zu schwer. Hier schafft das beiliegende Headset Abhilfe. Die Grösse macht sich vor allem beim Surfen und Videokonsum bezahlt: Auf dem Grossformat-Display macht dies natürlich mehr Spass.

HD-Auflösung und starker Akku

Bei den technischen Daten zeigt sich das Mate indessen nicht so riesig. Die Displayauflösung von 720 x 1280 Pixel entspricht jener des Phablet-Konkurrenten Samsung Galaxy Note 2. Das geht in Ordnung, und im Test macht der Bildschirm einen guten Eindruck und ist keineswegs unscharf. Doch angesichts der Full-HD-Armada ist der Entscheid nicht ganz nachvollziehbar. Die geringere Auflösung bringt dafür Vorteile in der Laufzeit. In Kombination mit dem Akku (4050 mAh) ist sie beeindruckend. Beim eingebauten Speicher zeigt sich Huawei mit 8 GB geizig, zudem sind nur knapp 5 GB verfügbar. Das Smartphone lässt sich mit Micro-SD-Karte auf 32 GB erweitern. LTE (4G) fehlt. Die Lautsprecher machen einen guten Eindruck und erhalten dank Dolby Digital Plus mehr Volumen. Die Kamera mit acht Megapixeln (Front ein Megapixel) ist bestenfalls Durchschnitt – die Aufnahmen wirken blass.

Der Eigenbauprozessor, als Quadcore-Prozessor mit 1,5 GHz beworben, vermag im Performance-Test mit aktuellen Smartphones wie dem Galaxy S4 oder HTC One nicht ganz mitzuhalten und entspricht in etwa jenem eines Dualcore-Prozessors. Trotzdem kann man mit dem Mate sehr flott surfen, Downloads im Play Store gehen schnell vonstatten.

Eigene Android-Oberfläche mit iPhone-Touch

Auf dem Smartphone ist Android 4.1.2. installiert, und man hat Zugriff auf das komplette App-Angebot aus dem Play Store: Bei der Benutzeroberfläche setzt Huawei auf die Eigenkreation Emotion UI. Diese bietet auf dem Homescreen ein editierbares Widget mit bevorzugten Kontakten, Albumvorschau, Wetter und Musikplayer. App-Symbole sind optisch mit einem Rahmen unterlegt. Ein typisches Android-Menü, welches alle installierten Apps anzeigt, fehlt. Damit fällt die Verdoppelung mit den Apps auf dem Homescreen weg.

Stattdessen befinden sich alle Programme wie beim iPhone direkt auf dem Homescreen. Huawei hat die vorinstallierten Apps ab Werk in Ordner zusammengefasst, zum Beispiel Google, Werkzeuge, Sozial oder Verwaltung. Mit der Option Profile hat man die Möglichkeit, je nach Einsatz zu reagieren: Normal, Ruhezustand, Meeting oder Outdoor. Entsprechend wird zum Beispiel der Klingelton oder Vibrationsalarm abgeschaltet oder gar stärker. Unter Designs stehen diverse Hintergrundbilder und App-Symbol-Design zur Verfügung. Hier findet man auch Varianten in chinesischer Schrift, die hier wohl nichts zu suchen haben. Den Haus-Browser ersetzt man am besten durch Chrome, denn er überzeugt gar nicht. Interessant: Die drei virtuellen Android-Tasten am unteren Bildschirmrand kann man per Druck auf ein Symbol ganz verstecken und mit einer Wischbewegung von unten nach oben wieder zurückholen.

Fazit

Das Ascend Mate macht im Alltagstest einen ordentlichen Eindruck, auch wenn die ganz grossen Innovationen fehlen. Das Alleinstellungsmerkmal des Mate sind die enorme Displaygrösse, die lange Laufzeit und der Preis. Mit der Emotion UI liefert Huawei eine interessante, übersichtliche Android-Oberfläche, die an iOS erinnert.

Wer unterwegs nicht auf Filme und Surfen auf grossem Display verzichten, jedoch trotzdem kein Tablet mitnehmen will, dürfte mit dem 6-Zöller seine Freude haben – zumal der mächtige Akku auch für lange Laufzeiten sorgt. Im Gegenzug muss man Kompromisse der Leistung in Kauf nehmen. So kann die HD-Auflösung nicht mit aktuellen Smartphone-Flaggschiffen mithalten, liegt aber gleichauf mit dem Direktkonkurrenten Note 2. Acht GB Speicher sind zu wenig (netto knapp fünf verfügbar).

Das Ascend Mate wurde uns von Digitec.ch zur Verfügung gestellt. Preis circa 500 Franken.

Erstellt: 17.05.2013, 12:50 Uhr

Die Phablet-Parade

Bis vor kurzem hielt Huawei mit dem Ascend Mate den Rekord in Sachen Displaygrösse für ein Smartphone. Doch Samsung hat die 6,1 Zoll mit einer Anküdigung getoppt: Der Konzern kündigte das Samsung Galaxy Mega mit einem 6,3-Zoll-Display an. Mit 6 Zoll dürfte definitiv die Grössenschmerzgrenze erreicht sein, um sich überhaupt noch im Smartphone-Markt bewegen zu können.

Samsung hat mit dem Galaxy Note den Markt für diese sogenannten Phablets (oder Smartlets) geschaffen: eine Mischung aus Smartphone und Tablet, deren Merkmal ein XXL-Display ist. Das erste Note wies 5,3 Zoll auf, das 2012 lancierte Note 2 kommt auf 5,5 Zoll. Beide kann man auch mit dem mitgelieferten Stift bedienen.

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Huawei in der Kritik

Am Schweizer Sitz des chinesischen Telecomunternehmens in Dübendorf kam es im April zu einer Polizeirazzia. Die Kantonspolizei Zürich nahm dabei neun Personen fest, die ihrer Arbeit ohne Bewilligung nachgegangen sein sollen. Die Rede ist von Tieflöhnen und überlangen Arbeitszeiten. Verfahren laufen. Huawei meldet, Korrekturen vorgenommen zu haben.

Huawei ist seit Jahren Lieferantin im Festnetzbereich von Swisscom. Der jüngste Auftrag der Swisscom an die Chinesen beläuft sich auf 300 Millionen Franken für Technologielieferungen im Bereich Glasfasernetz. Nach den jüngsten Ereignissen drohte Swisscom-Chef Carsten Schloter jedoch mit Rauswurf.

Huawei halte die geltenden Gesetze und Bestimmungen der Länder ein, in denen das Unternehmen tätig sei, sagt Michèle Wang, Mediensprecherin von Huawei Schweiz, gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. «Wir sehen diese Kontrolle in Dübendorf als Chance, unser Büromanagement weiterzuentwickeln und zu verbessern, um die gesetzlichen Anforderungen in der Schweiz uneingeschränkt zu erfüllen.» Man habe einen Compliance Officer ernannt. Er werde die vollständige Einhaltung der Compliance-Richtlinien überwachen und durchsetzen. Man werde nun wöchentliche Routineprüfungen durchführen und ein externes Unternehmen mit der Revision beauftragen, das vom Compliance Officer ausgewählt werde.

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