Das grosse Android-Rätsel

Das mobile Betriebssystem von Google ist eine einzige Erfolgsstory. Nun tritt Android-Chef Andy Rubin überraschend zurück. Was steckt dahinter?

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Die Ankündigung kommt überraschend. «Andy hat entschieden, dass es Zeit ist, das Regiment zu übergeben und bei Google ein neues Kapitel aufzuschlagen», heisst es in einer Mitteilung auf dem offiziellen Firmenblog, geschrieben von Unternehmenschef Larry Page höchstpersönlich.

Der Google-Mitgründer lobt den 50-jährigen Rubin in den höchsten Tönen: Vor der Android-Ära sei der Aufwand, Dienste für mobile Geräte zu bauen, extrem gewesen. «Wir hatten mehr als 100 Telefone in unserem Schrank und haben unsere Software so ziemlich für jedes Gerät einzeln entwickelt.» Rubins offenes System habe dies verändert. Rubin werde «ein neues Kapitel» bei Google aufschlagen, so Page. Er nannte keine Gründe für den Abgang des Mannes, der mitverantwortlich war für die Android-Gründung im Jahr 2003. Das Start-up wurde vor acht Jahren vom Suchmaschinenriesen übernommen, Rubin behielt seinen Job.

Eine unglaubliche Erfolgsstory

Die Entwicklung, welche das mobile Betriebssystem in dieser Zeit gemacht hat, hätten wohl selbst die optimistischsten Android-Nerds nicht für möglich gehalten: Das Google-OS läuft mittlerweile auf 750 Millionen mobilen Geräten (Smartphones und Tablets) von 60 Herstellern, im Android-App-Store Google Play wurden bislang 25 Milliarden Applikationen heruntergeladen.

Laut einer gemeinsamen Untersuchung des «Guardian» und des Marktforschungsunternehmens Asymco vom April 2012 hat Google von 2008 bis 2011 mit Android 544 Millionen Dollar eingenommen. Kein Wunder, bezeichnen Page und sein Compagnon Sergey Brin den 50-Millionen-Kauf im Jahr 2005 als «beste Übernahme aller Zeiten».

Chrome vs. Android

Der Mann, der in Rubins Fussstapfen tritt, heisst Sundar Pichai, der 40-Jährige zeichnet verantwortlich für Chrome (Browser) und Chrome OS (Betriebssystem). Pichai habe ein «grosses Talent, technisch exzellente und einfach zu bedienende» Produkte zu entwickeln, schrieb Page. Seinen Angaben zufolge wird Pichai dieses Aufgabenfeld beibehalten.

Beobachter im Silicon Valley werten dies als Indiz für die Ablösung von Android durch Chrome. Ob dieses Szenario tatsächlich Realität wird, kann von aussen kaum beurteilt werden. Der ehemalige Firmenchef und heutige Google-VR-Präsident Eric Schmidt erklärte einmal, Chrome würde für Geräte mit einer Tastatur, Android hingegen für Touchscreen-Hardware entwickelt. Kürzlich spekulierte das Portal Readwrite.com, dass der Konzern die Marke Android aufgeben könnte, um alle Produkte unter der stärkeren Marke Google zu vereinen.

Zu wenig umgänglich?

Das «Wall Street Journal» (WSJ) hält es nicht für ausgeschlossen, dass zwischenmenschliche Probleme mit ein Grund für den abrupten Wechsel sein könnten. Rubin werde, so das WSJ, von Mitarbeitern als erbitterter Kämpfer charakterisiert, der sich ab und zu mit Google-Angestellten heftige Kämpfe liefere.

Rubin sei zweifellos ein weithin bewunderter Innovator, der gern auf möglichst grosse Unabhängigkeit poche. Dies äussere sich darin, dass Meetings oft ausserhalb des Google-Hauptquartiers angesetzt würden. Nachfolger Pichai wird als umgänglicher beschrieben.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 14.03.2013, 12:10 Uhr

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