Interview

«Das ist ganz klar eine Eskalation»

Apple strebt ein EU-Verbot für Samsung-Smartphones und -Tablets an. Technologie-Analyst Uwe Neumann erklärt, warum der iPhone-Hersteller nicht davor zurückschreckt, den eigenen Zulieferer zu verklagen.

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Uwe Neumann, Apple will ein totales Importverbot von Samsungs Galaxy-Smartphones und -Tablets in Europa. Ist der Konzern verrückt geworden?
Das ist ganz klar eine Eskalation zwischen den Philosophien iOS (also Apple) und Android (Google, Samsung und andere Hersteller). Apple hat allen Grund, sich Sorgen zu machen: In den USA ist jedes zweite Smartphone ein Android-Gerät. Apple kämpft jetzt mit allen Mitteln, um nicht auch in Europa in Schieflage zu geraten. Zumal die Apple-Manager – wie ich übrigens auch – von Googles Kauf von Motorola Mobility wahrscheinlich völlig überrumpelt worden sind.

Samsung ist nicht das einzige Unternehmen, welches Handys und Tablets mit dem Google-Betriebssystem produziert. Warum hat sich Cupertino so auf das südkoreanische Unternehmen eingeschossen?
Aus zwei Gründen: Erstens verkauft Samsung am meisten Android-Hardware. Zweitens ist Samsung auch Partner von Apple. Sowohl im iPhone als auch im iPad sind Halbleiter von Samsung eingebaut.

Das wäre eher ein Grund, Samsung in Ruhe zu lassen.
Apple befürchtet wohl, dass Samsung durch diese Zusammenarbeit Know-how generiert, welches es für die Herstellung der Galaxy-Geräte verwendet. Apple versucht darum, unbedingt von Samsung unabhängig zu werden und eigene Halbleiter herzustellen respektive herstellen zu lassen.

Der Streit zwischen den Smartphone-Riesen dürfte auch ein Indiz für den immer brutaler werdenden Konkurrenzkampf im Markt der mobilen, internetfähigen Hardware sein.
Absolut. Google und Apple sind mit ihren Betriebssystemen Android respektive iOS in der Poleposition.

Wer wird in fünf bis zehn Jahren der Dominator auf dem Mobile- und Tablet-Markt sein?
Industrieschätzungen gehen davon aus, dass die Android-basierten mobilen Endgeräte die Nase vorn haben werden.

Sie haben es eingangs erwähnt: Die Nachricht, dass Motorola Mobility von Google aufgekauft wird, kam völlig überraschend. Nun scheint plötzlich die Übernahme von Nokia durch Microsoft im Bereich des Möglichen.
Das sehe ich anders. Zwar werden in ein paar Monaten die ersten Nokia-Geräte mit dem Microsoft-Betriebssystem Windows Phone 7 auf den Markt kommen, aber Hardware zu kaufen, ist Unsinn. Das Hardwaregeschäft hat deutlich niedrigere Margen und unterliegt einem stärkeren Wettbewerb. Motorola Mobility ist fast ausschliesslich nur wegen seiner vielen Patente für Google wichtig. Der Kampf um die Vorherrschaft im Mobile-Internet wird eher über die Attraktivität des Betriebssystems entschieden als über Hardware-Komponenten.

Patente mutieren immer mehr zu juristischen Waffen. Weshalb?
Weil sie bestimmen, wie die Smartphones und Tablets in Zukunft daherkommen. In der Debatte um Ähnlichkeiten im Design zwischen dem iPhone und dem Galaxy respektive zwischen iPad und Galaxy Tab geht der Fakt, dass es eigentlich um die mobilen Endgeräte der nächsten fünf bis zehn Jahre geht, vergessen. Der Schutz der eigenen Erfindungen vor Ideenklau ist wichtig. Ich gehe im Übrigen nicht mit Experten einig, die befürchten, dass Patentstreitigkeiten zwischen Unternehmen dazu führen, dass Ressourcen, die anderswo besser eingesetzt werden, verloren gehen. Die Hersteller der mobilen Betriebssysteme können das gut verkraften.

Erstellt: 23.08.2011, 13:45 Uhr

Uwe Neumann ist Technologie-Analyst bei der Credit Suisse in Zürich.

Umfrage

Apple gegen Samsung: Kann sich der iPhone-Hersteller mit der Forderung nach einem Galaxy-Verbot in der EU durchsetzen?

Ja

 
23.4%

Nein

 
76.6%

1308 Stimmen


Das schrumpfende Galaxy

Im Patentstreit mit Samsung hat der iPad-Hersteller den Richtern womöglich ein manipuliertes Foto des Galaxy-Tablets vorgelegt (Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtete).

Gemäss Informationen des holländischen Portals Webwereld hat es Apple nicht dabei belassen: Auch das Android-Smartphone Galaxy S soll, um es gegenüber dem Apple-Handy ähnlicher aussehen zu lassen, auf Fotos kleiner gemacht worden zu sein.

Bildstrecke

Googles Handycoup

Googles Handycoup Der weltgrösste Suchmaschinenanbieter kauft für 12,5 Milliarden Dollar Motorola Mobility.

Juristischer Feldzug

Patente sind in der Technologie-Branche ein Machtfaktor. Bei der Motorola-Übernahme durch Google wurde dies mehr als deutlich. 12,5 Milliarden Dollar legten die Kalifornier für den schwächelnden Handyhersteller auf den Tisch. Der hohe Preis hat nach Einschätzung von Experten (siehe auch Interview rechts) vor allem einen Hintergrund: das von Motorola gehaltene Portfolio aus mehr als 17'000 Mobilfunk-Patenten.

Konkret dürfte es für Google vor allem darum gehen, sein von Patentklagen bedrängtes Smartphone-Betriebssystem Android zu stärken. Die Ausweitung des eigenen Portfolios könnte gegenüber Konkurrenten wie Apple und Microsoft als Abschreckung wirken. (DAPD)

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