Das müssen Besitzer von Huawei-Handys nun wissen

Google darf die Smartphones nicht mehr mit Diensten und Software beliefern. Was jetzt? Fragen und Antworten.

Welche Updates bekommt das eben erst vorgestellte Huawei P30 noch?

Welche Updates bekommt das eben erst vorgestellte Huawei P30 noch? Bild: Reuters

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Was ist passiert?
Letzte Woche hat US-Präsident Trump den Telekommunikations-Notstand ausgerufen. Schon damals wurde vermutet, dass sich das Dekret gegen Huawei richten könnte. In der Nacht auf Montag meldet Reuters, dass Google die Zusammenarbeit mit Huawei einstellen müsse.

Update: In der Nacht auf Dienstag meldet Reuters, dass Huawei einen Aufschub bekommen habe. Nun würden die Massnahmen erst ab dem 19. August greifen. Die zeitlich befristete Lizenz soll verhindern, dass bestehende Kunden und Telekomnetzwerke Schaden nehmen. Ob die Lizenz über das Datum hinaus verlängert werden kann, ist nicht bekannt.

Was hat das für Konsequenzen?
Laut Reuters kann Google nun keine Hardware, Software und keine Services an Huawei liefern oder auf deren Geräten anbieten. Ausgenommen seien Dienste und Software, die Google als Open Source frei zugänglich allen interessierten Parteien anbiete.

Was bedeutet das für mich und mein Huawei-Handy?
Hier wirds nun kompliziert und vor allem unübersichtlich. Theoretisch wären von der Massnahme etwa der Play Store (Googles App-Shop), Apps wie Gmail oder auch Android-Updates betroffen. Denn obwohl Android im Kern Open Source – also allen zugänglich – ist, hat Google viele eigene Änderungen und Dienste, die von der Massnahme betroffen wären. Wie heftig und einschneidend diese Massnahmen aber ausfallen werden, ist aktuell noch völlig unklar. Ist das eine dauerhafte Massnahme, ist das nur ein kurzfristiges Ärgernis für Huawei-Kunden, oder ist es am Ende gar nur eine kleine Episode im Verhandlungspoker zwischen den USA und China?

Soll ich mir jetzt noch ein Huawei-Handy kaufen?
Falls Sie sich tatsächlich heute Morgen ein neues Smartphone kaufen wollten, sollten Sie besser noch etwas Geduld haben und mindestens den heutigen Tag abwarten, bis sich das ganze Gewirr an Meldungen und Spekulationen etwas gelegt hat. Unklar ist nämlich zum Beispiel auch, welchen Einfluss die Massnahmen auf Honor-Smartphones haben. Auch die gehören zum Huawei-Konzern.

Was sagen denn die betroffenen Firmen?
Google hat sich auf Twitter bereits kurz zu Wort gemeldet:

Das Unternehmen versichert, sich an die US-Anordnungen zu halten. Dienste wie der Google Play Store würden auf bereits gekauften Huawei-Handys weiter funktionieren. Was das für künftige Huawei-Handys bedeutet und wie es mit Android-Updates aussieht, klammert das Statement aus. Da die Kommunikationsabteilungen der Konzerne erst noch aus dem Wochenende kommen, muss man sich mit ausführlichen Antworten allerdings noch etwas gedulden.

Update: Hier die Statements von Google Schweiz und Huawei Schweiz:

Update 2: Huawei hat sein Statment präzisiert. Wie es scheint gibt es weiterhin Sicherheitsupdates aber mit der neusten grossen Android-Version wird es eng.

Was bedeutet die Massnahme für Huawei als Firma?
Im Handygeschäft hat Huawei in den letzten Jahren konstant zugelegt und dem Weltmarktführer Samsung ständig Kunden abgejagt. In Europa waren sie auf Kurs, Samsung noch dieses Jahr als Nummer 1 abzulösen, wie ein Branchenanalyst auf Twitter aufzeigt:

Für diesen Erfolg setzt Huawei wie auch Samsung auf Googles Android-Software. Sollte das Verbot streng umgesetzt werden, dürfte es Huawei – nur schon wegen der Verunsicherung und des Imageschadens – schwerfallen, dieses rasante Wachstum fortzusetzen. Natürlich hat Huawei für solche Fälle eine eigene Softwareplattform in der Hinterhand, doch wie gut diese funktioniert und ob sie die Kunden für sich begeistern kann, muss sich zeigen. Dass dieses Plan-B-Betriebssystem existiert, bestätigte Huaweis Handychef erst diesen März in einem Interview mit der «Welt».

Was ist eigentlich mit Windows?
Der amerikanische Telecomnotstand betrifft nicht nur Google. Die Vermutung liegt auf der Hand, dass auch Microsoft künftig kein Windows mehr für Huawei-Laptops zur Verfügung stellen darf. Noch fehlen allerdings entsprechende Meldungen. Laut Reuters werden aber unter anderem die Chiphersteller Intel und Qualcomm ihre Zusammenarbeit mit Huawei ebenfalls einstellen.

Lassen sich das Huawei und China bieten?
Das ist die spannendste Frage von allen. Da nahezu alle amerikanischen Technologiekonzerne in China produzieren lassen und der dortige Markt sehr lukrativ ist, bieten sich reichlich Möglichkeiten, im Gegenzug den US-Konzernen das Leben schwerzumachen. Schmerzlicher noch als eine vergleichbare Retourkutsche wäre es für Amerika allerdings, wenn die Massnahme dazu führte, dass ein nicht amerikanisches Betriebssystem das Betriebssystemmonopol ins Wanken brächte. Huawei hat sowohl bei der Telecom-Infrastruktur wie bei den Smartphones gezeigt, wie schnell der Konzern zur Weltspitze aufschliessen kann. Software war zwar bis anhin nicht die Stärke von Huawei, aber nun hat der Konzern jede Motivation, das zu ändern.

Erstellt: 20.05.2019, 09:02 Uhr

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